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Thouet-Preis (2) – die Dankesrede

Alltagshelden – über diese Leute möchte ich heute sprechen. Weil eine Sprache nur durch sie lebt, weil sie nur dort gedeiht, wo sie alltäglich gesprochen wird. Wo sie nicht auf einen Sockel gestellt und als Rarität wie im Museum gepflegt und einmal im Jahr, am Dreikönigstag nämlich, abgestaubt wird. Sondern wo sie pulsiert und atmet, wo sie alle Gefühle – Glück und Leid, Freude und Trauer – wo sie auch Tradition und Fortschritt gleichermaßen begleitet. Und wo sie sich in Klang, Ton und Wortschatz auch weiterentwickeln kann. Ich sage das so früh in dieser Rede, weil es mir damit ernst ist.

Mein Opa war ein solcher Alltagsheld. Nein, er war kein Poet. Er war Schreiner, ein Mann, der „de Hände eraus hatte“, wie man so schön sagt, weniger theoretisch, als vielmehr praktisch veranlagt. Oft hatte er schon längst angefangen, da planten die anderen noch die mögliche Vorgehensweise: „Nu kommt, Jonge, lott loufe!“ Mein Opa war ungeduldig.

Ich bin voll mit den Bildern, die mich an diesen großartigen kleinen Mann und all die ihn umgebenden Menschen erinnern. Gerade in diesen Tagen. Än ich kann mich net vörstelle, dat dat Zufall es.

Der alte Mann in seinem Garten unter dem Pflaumenbaum. Auf einem ausrangierten Küchenstuhl, der Stuhl ist kaputt, ein Bein steht schief, er wackelt hinten rechts. Mein Opa hat ein Stück Holz darunter geschoben: „Doe waggelt nüüߓ, sätt heä. „Deä steäht schnack, doe waggelt nüüß!“

Pause unter dem Baum. Die Kappe hat er ein wenig in den Nacken geschoben. Die Schuhe sind nachlässig geschnürt, die Hose ist dreckig und viel zu weit, sein grauer Kittel hängt offen. Es ist Sommer in Eilendorf. Sommer in unserem Garten.
Er lächelt, weil er jetzt fotografiert wird. Heä sitt rechtig jot uus. Urig. Und weil er das weiß, lässt er sich gerne fotografieren.

Erinnerungen.

Es gibt sehr schöne Bilder van ose Opa. Viele aus seinem Garten. Ose Opa onger dr Prummeboum. Nevver dr Appelboum. Of sengend met sing Kamerade. Die kuente senge, die Jonge. Und der Opa sieht auf all diesen Bildern gut aus. Er wusste das. Er war eitel.

Und wenn er wüsste, dass ich heute Abend hier en et Öcher Stadthuus über ihn erzähle, dann wör heä stolz wie ene Peädsköttel: „Häut’s wahl e Beldche va mich zeije könne“, häu heä wahrscheinlich jesaat.

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