Das Aachen-Blog

Autor: buettgens (Seite 69 von 77)

Öcher Advent – heute: Oes!

Was muss man wissen, um in Aachen durch die Adventszeit zu kommen? Ohwie!

Ob Öcher oder Zugereister, ein wenig Fachkunde im hier verorteten Idiom kann in diesen Tagen nun wahrlich nicht schaden.

Und so will ich an dieser Stelle täglich – und das ist nicht wenig! – täglich also einen Öcher Ausdruck zum besten geben und in die Beziehung zur vorweihnachtlichen Öcher Jelassenheit stellen. In diesem Sinne: Völ Pläsier än kommt bau wier! (Viel Spaß und kommt bald wieder auf diese Seite!)

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1. Oes!

Ein Ausruf, mit dem man in Aachen immer punkten kann. Das Ass, charmant auch: das Luder – nein, die Übersetzung ins Hochdeutsche hat nicht annähernd so viel Charme wie das Öcher Oes! Das O schön lang gezogen, nach hinten das stimmlose E mit einem eigentlich nur gedachten, federweichen W angebunden, um im scharfen S zu enden. Oes, zweisilbig: wie Saukäs!

Oes noch! Das verschärft den Ausdruck der Freude, des Entsetzens, der Anerkennung, des Respekts: Oes, wat ene Keäl!

Meine Oma, die ich in den kommenden Tagen als meine Lehrmeisterin dieser wunderbaren Sprache noch mehrfach bemühen werde, sagte am 1. Dezember immer: Oes noch, at wier Advent! Schon wieder geht’s also mit großen Schritt aufs Fest zu!

Söhne Mannheims, Töchter Hamburgs

Auch wenn dieses Blog sich normalerweise rund um Aachener Themen dreht, sei dieser Ausflug – zumal unter starker Aachener Beteiligung – noch gestattet.

So sei’s. Das war nicht nur ein Spektakel für die Söhne und Töchter Hamburgs gestern Abend in der Colorline Arena im Volkspark der ehrwürdigen Hansestadt. Nein, ich kann es bezeugen, auch die Tochter Aachens, mit der ich zugegen sein durfte, hatte ihren Spaß. Okay, mir hat’s auch gefallen. Sehr, um ehrlich zu sein.

DIE SÖHNE MANNHEIMS!

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Also das nur: Respekt! Diese Show ist ein Oberknaller. Eine perfekte Dramaturgie – vom gewaltigen Opening mit „Iz on“ wird der Bogen gespannt über die aktuelle CD, ein Wettsingen in Schwetzingen-Revival, über ein paar alte Kracher bis hin zur weltumspannenden Frage: Was wird mich erwarten, wenn ich wiederkomm‘?

Ich weiß nur so viel: Der Typ vor uns war heilvoll, dass die Söhne Mannheims jetzt fürs erste mal nicht wiedekommen, eher aus der Stadt sind. Denn seine Tochter Hamburgs ist sowas von dahingeschmolzen.

Wie gesagt: Respekt, Männer!

***Mehr Infos, Audios, Bilder, Videos auf der offiziellen Homepage.

Respekt, Uli Hoeneß!

Natürlich kann man sich an diesem Mann reiben. Aber er ist am Ende doch die zentrale Figur des deutschen Fußballs: Uli Hoeneß, seit gestern Abend neuer Präsident des FC Bayern München, gewählt mit 99 Prozent der abgegebenen Stimmen – auch das spricht für sich!

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Jetzt gibt es hier an dieser Stelle nicht die nächste Würdigung, das haben andere viel besser gemacht.

Ich will hier einfach nur ein paar schöne Lesetipps für ein verregnetes Wochenende geben – übrigens nicht nur für Hoeneß-Freunde.

***Mehr lesen und Spaß haben:

Wer kennt Uli? – ein Quiz

30 Jahre Uli Hoeneß – wunderbar aufbereitet im FAZ-Net

Tiraden vom Tegernsee, die besten Sprüche

Der Helmut Kohl des deutschen Fußball – Porträt von Christian Eichler in der FAZ, für Lieberlangleser

Mir war’n mir – der FC Bayern in der Krise. Vom Kabarettisten Michael Lerchenberg

Und am Ende gibt’s Freibier. Für Freaks, der Spielfilm zur Jahreshauptversammlung

Das Familienüberhaupt: Schönes Stück aus „Elf Freunde“

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Ein elektronisches Magazin mit Pfiff

Ich muss dem geschätzten Kollegen, weil ausgewiesenen Fachmann für Medien, ihren Konsum und ihre politische Bedeutung, also ich muss Thomas Knüwer da mal ganz leicht in den Lauf grätschen.

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Denn seine Besprechung des neuen emag der Welt am Sonntag, also des elektronischen Magazins, das der Springer Verlag am Sonntag der Öffentlichkeit vorgestellt hat, ist für mich ein gutes Beispiel für den Hochmut, mit dem die Blogosphäre marktnahen Entwicklungen begegnet. Marktnah, weil sie auf dem Medienmarkt funktionieren könnten, es also wert sind, auf ihre Tauglichkeit getestet zu werden.

Wer das emag der Wams sehen und testen möchte, schaut am besten mal rein. Bei Twitter werden auch Gutschein-Passwörter verbreitet, die man prima nutzen kann, um mal als Gast ins Angebot zu schnuppern.

Mich spricht diese Form einer neuen Aufbereitung journalistischer Themen in einem Internetformat sehr an. Alle Spielarten des Netzes werden kundenfreundlich genutzt, da zeigt die Wams, was so landläufig möglich ist: Audio, Video, 3D-Animation, Lesestücke und gut animierte Grafiken, dazu ein paar schöne Erzählideen – das ist schon vielversprechend.

Das musste dann mal gesagt werden. Ach so, was ich Knüwer ins Buch schrieb, hier .

***Mehr lesen:

Springers emag als Wette auf die Zukunft in meedia.de

Der erste Eindruck im Pottblog

http://ereaderwelt.de/artikel/thorsten/erster-eindruck-das-emag-der-wams

Franziskript sieht das emag dann so.

Moderne Kommunikation

Die Tatsache, dass sich der Medienkonsum einem radikalen Wandel unterzieht, kann man nicht mehr leugnen. Was früher das Radio, das Fernsehen, die Tageszeitung waren – ritualisiert, standardisiert, institutionalisiert – ist heute einem wesentlich lebhafteren, aktuelleren, ja auch vielschichtigeren Medienmix gewichen.

Wer sich aktuell informieren möchte, hat heute neben den klassischen Medien das Internet mit seinen ungezählten Möglichkeiten auf seiner Seite. Newskanäle, Tweets, Blogeinträge, Web-TV, Podcasts, Feeds, E-Mails und Co. schaffen neue Chancen in der modernen Kommunikation, Neuigkeitenverbreitung und -interpretation. Dass diese verwirrende Vielfalt auch immer wieder aufs Neue gebündelt werden muss, versteht sich dabei natürlich auch. Medienkompetenz sollte ein Schulfach sein.

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Der Medienwissenschaftler und Berater Steffen Büffel (media-ocean) beschreibt das aus seiner Sicht positiv, und sein Leser kann ihm darin gut folgen:

„Es gibt, glaube ich, nur wenige technische Endgeräte zur Nutzung von Medien (inklusive gedruckte Zeitung), die ich nicht mindestens einmal ausprobiert, verworfen, neu entdeckt oder in ihrer Bedeutung für mich als Mensch mit Informationsbedürfnis im Allgemeinen und Medienexperte im Speziellen immer wieder neu hinterfragt und in ihrer Wertigkeit neu definiert hätte.
Es ist eben nicht mehr DIE eine Zeitung, DAS eine Radioprogramm oder DER eine oder DIE 2-3 Fernsehprogramme, an die ich mich binde. Nein, wie bei einem Neuron im Gehirn, wird situationsabhängig genau die Bindung zur Informationsproduktion, –distribution und -rezeption gewählt, die in dem einem Moment die subjektiv richtige ist. ICH bestimme MEIN Informations- und Kommunikationsverhalten. Ich glaube, so tickt eine wachsende Schar von Mediennutzern.“

Ich sehe das sehr ähnlich. Und dass die klassischen Medienhäuser damit ihr Problem haben, kann ich allzu gut nachvollziehen. Probiert wird viel, das Patentrezept gibt es nicht.

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Was kommen wird, ist unklar: Wer weiß das wirklich? Doch wenn die Informationen erst einmal im Mainstream mobile gehen, wenn noch mehr bewegte Bilder – auch aus dem lokalen Bereich – online sind, wird die gesamte Branche noch mehr an Veränderungstempo aufnehmen. Wer mithalten möchte, braucht Mut, Knowhow, Vertrauen in Kooperationen, also gute Netzwerke und Berater.

Nur so viel: Es wird sich weiter Revolutionäres auf dem Medienmarkt tun. Es muss aber bei allem weiter die Qualität der journalistischen Arbeit im Vordergrund stehen, weil nur so Vertrauen und Relevanz entstehen. Der Qualitätsjournalismus ist nicht käuflich, aber er schafft immer noch das beste Werbeumfeld.

Der Qualitätsjournalismus ist nach wie vor das Fundament unseres Schaffens. Egal auf welchem Kanal wir unsere Ware, die Nachricht und ihre Bewertung, feilbieten.

Diese Qualität kostet Geld, weil sie nur von gut ausgebildeten Leuten erbracht werden kann. Sie muss aber auch Geld einbringen. Dass das auf Dauer mit bedrucktem Papier allein nicht gelingen wird, ist unstrittig. Ob dieses Geld in den neuen Netzwerken zu holen ist, von denen der kampfeslustige US-Starblogger Jeff Jarvis redet, und bei denen es darum geht, unterschiedlichste Ressourcen auf gemeinsamen Plattformen zu bündeln? Abwarten.

Neue Wege entstehen nur dadurch, dass man sie geht. Alter Kafka-Spruch.

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Die Tendenz zur Individualisierung der Informationsbeschaffung wird voranschreiten. Das Bedürfnis, auch die letzten Winkel des lokalen und sublokalen Geschehens zu durchleuchten und zu zeigen, wird wachsen. Wer hier Kompetenz beweist und kritische, saubere, journalistisch unabhängige Arbeit abliefert, kann nicht verlieren. Diese Kompetenz liegt zur Zeit noch eindeutig bei den Zeitungsverlagen. Sie müssen dieses Potenzial nun modern interpretieren.

Was aber auch bleiben wird, ja, was wohl noch an Wert gewinnen wird, hat der Leiter des Digital Instituts, Jo Groebel, in einem süffisanten Beitrag über den guten alten Club für theeuropean.de gesagt: die direkte Begegnung der Menschen in der realen Welt fern des Virtuellen.

Groebel hat recht, wenn er schlussfolgert:

„Für den positiven Eindruck bedarf es immer noch des Aug’-in-Aug’.“

Allerdings: Bei diesen Begegnungen, die der kommunikative Mensch natürlich am höchsten schätzt, trifft man vermehrt auf Menschen, die sich die Basis für ihr erfreulich weltoffenes Gesprächsvermögen auf abenteuerlich modernen Wegen erwerben. Etwa durch diesen fabelhaft neuen Medienkonsum.

Das Einmaleins des C-Schauspielers

Ich wollte es nur noch mal gesagt haben, bevor nachher wieder einer sagt: „Mensch, hättest du mal was gesagt!“

Also, Anja Mathar und ich werden noch mal das „Einmaleins des C-Schauspielers“ auf die Bretter des DAS DA Theaters zimmern. Am Samstag, 12. Dezember, 20 Uhr, Theater an der Liebigstraße, wollen wir es wieder tun. Wir freuen uns sehr!

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Was ist ein C-Schauspieler? Einer, der sich zwar an seine einzelnen Sätze erinnern kann, nicht aber an deren Reihenfolge. Oder der weiß, wann sein Auftritt ist, aber nicht, wo.

Worum es geht? Nun, anschaulich und anekdotenreich plaudern zwei „Kollegen vom Fach“ aus dem Nähkästchen und erzählen von Pleiten, Pech und Pannen hinter (und oftmals leider auch in) den Kulissen, erzählen von Rampensäuen und heimtückischen Requisiten, verpassten Stichworten und dem Buhlen um Pointen, gekränkter Eitelkeit und Kantinen-Intrigen bis hin zu Frotzeleien, wie man berühmte Stücke abkürzen könnte – beispielsweise durch den Albtraumsatz: „Hallo, ich bin‘s, Godot.“

Das ist wirklich ein ganz besonderes Programm, weil die drei DAS DA-Gründer, Tom Hirtz als Regisseur sowie Anja und ich als Schauspieler, endlich noch mal miteinander arbeiten duften. Die Zeit macht uns ja seit langem einen Strich durch die Rechnung, wenn es um eine ganz normale DAS DA-Produktion geht – das Pensum des festengagierten Ensembles kann ich leider nicht mehr mitgehen.

Aber beim C-Schauspieler ist das anders. Im Frühjahr haben wir schon einen Höllenspaß mit den Zuschauern gehabt, am Freitag, 11. Dezember, spielen wir eine geschlossene Vorstellung, am 12. Dezember gibt’s noch Karten.

Wir freuen uns. Auf viele Gäste und einen schönen Abend!

Alle Infos: www.dasda.de ++++ Telefon 0241/161688

Toupetpreis für Michael Nobis

Schönes, stimmungsvolles Fest im neuen Tivoli heute Abend. Michael Nobis, Öcher Bäcker mit Tradition, hatte sich das schicke Ambiente des Business-Bereichs unserer Alemannia ausgesucht, um einem karnevalistischen Großereignis entsprechend würdevoll entgegenzugehen: Denn Michael Nobis ist designierter Träger des Ehrentoupets der Lustigen Öcher Figaros.

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Michael Nobis zeigt gemeinsam mit Figaro-Präsident Hans Montag den Entwurf für den Sessionsorden. Foto: Ralf Roeger

Die Preisträger-Erfahrung des Vorjahres mit Eurogress-Sitzung und speziell angefertigtem Haarteil versetzt mich in die Lage, beurteilen zu können, was nun auf diesen sympathischen Bäckermeister von altem Öcher Schrot und Korn zukommt. Er kann sich drauf freuen, denn dieser Karnevalsabend am 7. Februar hat schon sein ganz spezielles Flair.

Michael Nobis hat sich auf alle Fälle richtig über den Preis gefreut, dazu hat er allen Grund. Und wenn auch seine Haarpracht noch weit davon entfernt ist, als schütter bezeichnet zu werden, so ist er dennoch auf einem guten Weg, ein würdiger Preisträger zu werden.

Karnevalistisch ist der Mann ohnehin ein Meister. Prinz Karneval, Präsident des Bäckerballs, Ex-AKV-Elferrat – da war von ernst bis heiter bislang schon alles im Angebot. Am 7. Februar kommt nun ein besonderes Kapitel dazu.

Übrigens: Mal zum Tivoli zu gehen, frei von der Angst, gleich eins auf die Mütze zu bekommen, hat auch was…

***Mehr lesen: Der Toupetpreis-Abend in der AZ

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Wir philosophieren daheim gerne

Zuhause philosophieren wir gerne. Nicht dass wir dem Kant, dem Wittgenstein, dem Bloch und all diesen schlauen Jungs Konkurrenz machen wollen. Wir sind auch nicht im Kosmos, mikro oder makro, unterwegs, und doch geht es um die praktische Vernunft. Denn wir stehen mit beiden Beinen auf dem Platz, auf dem es ja entscheidend ist.

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Mein Sohn, der ist 5, ist ein Philosoph in diesem Duo, ich der andere. Aber ich bin der deutlich schwächere. Wenn der junge Mann nämlich ansetzt, dann funkt es richtig. Warum der FC Bayern, der Club dem er jahrelang die Treue gehalten hat, Lucio nach Mailand verkauft habe, wollte er vorige Woche wissen. Lucio, dieser Inbegriff des angriffslustigen Innenverteidigers, dieser Unbändige, dieser Allzeitbereite (das hat er so ungefähr formuliert). Bin ich Uli Hoeneß?

Ob der Hoeneß denn auch mal Fußball gespielt hat? Und wer denn der andere Müller ist – Thomas Müller, klar, aber der andere? Und warum dieser Rummenigge denn so viel zu sagen habe? Das sind Fragen, die erst mal in dieser Klarheit in diesen Tagen gestellt werden müssen.

Wir sprachen über die Dribbelkünste eines Ribéry, diskutierten das Phlegma des jungen Boateng und stellten abstrakte Theorien auf, warum Spieler wie Robben so oft verletzt sind. Wir schwärmten von Simon Rolfes, und mein Gesprächspartner erläuterte mir, dass er den eigentlich am besten finde, wie überhaupt Bayer Leverkusen seine Lieblingsmannschaft sei. Ich trank gerade Kaffee und habe mich schrecklich verschluckt. Mein Sohn mag Bayer Leverkusen! Was ist da in der Erziehung schiefgelaufen?

Seit einiger Zeit – genauer seit Beginn der Saison – begleitet er mich nun zum Tivoli. Und dort kann ich ihm dann endlich die Fragen beantworten, die er stellt: Ob Alemannia mein Lieblingsklub ist? Klar. Ob ich glaube, dass Auer irgendwann wieder trifft? Logo. Ob ich glaube, dass die Alemannia mal in die Bundesliga kommt und ob sie da schon mal war? Jaja.

Und ob ich die Zeit, bevor das Spiel anfängt, auch so schön finde? …

Erfolg – was ist das genau?

Diesmal traf es den Torwart. Der den Kasten sauberhalten muss, der sich
keinen Fehlgriff leisten darf, der der Mannschaft ein Rückhalt sein soll.
Der Torwart kennt den Druck, er hält ihn aus! Schließlich weiß er, dass alle
zuschauen, ja, auf ihn bauen. Der Fels in der Brandung wankt nicht, hat
nicht zu wanken.

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Was aber, wenn der Torwart dem Druck nicht gewachsen ist?

Das Bild vom Torwart ist ein Sinnbild. Die Metapher. Der Profifußball, die
Heimat des Torwarts, ist wohl derzeit die heftigste Ausdrucksform einer
Gesellschaft, die die Leistung zum obersten Prinzip erkoren hat. Wochenende
für Wochenende, Mittwoch für Mittwoch, eigentlich Tag für Tag wird das
Kräftemessen von Siegern und Verlierern, von Heroen und Versagern
aufgeführt. Da gehen Teams „in Sack und Asche“, da wird „der Kopf des
Trainers“ gefordert, da „zerschellen Träume“ und „gehen Vereine unter“. Ein
„Spiel auf Leben und Tod“.

Jeder Fehler wird tausendfach seziert, in Zeitlupe und 3-D-Animation – wie
konnte das passieren? Ja, wie? Ein unfassbarer, ein unverzeihlicher
Fehlgriff!

Wer gewinnt, wer trifft und punktet, ist ein Held, ist wertvoll – das drückt
sich in fetten Schlagzeilen, fetten Jahresgehältern und fetten Ablösesummen
aus. Auch das erhöht den Druck. Ist schließlich kein Kindergeburtstag – und
auch nichts für Mädchen.

Der Profifußball spiegelt die Gesellschaft. Auch dort zählt in erster Linie
der Weg nach oben. Rauf auf die Erfolgsleiter!

Viel zu viele Menschen kommen nicht mehr mit, fallen durchs Rost. Die
Leistungsgesellschaft fordert ihren Tribut.

Und das fängt früh an. Wenn Kindern vor dem Schuleintritt der „Ernst des
Lebens“ angekündigt wird. Wenn das Notensystem der Schule die vermeintlich Guten von den vermeintlich Schlechten trennt, und Eltern ihren
sporttreibenden Nachwuchs vom Spielfeldrand anbrüllen, dass das „so
garantiert nie was wird“. Hier muss man schon die Frage stellen: Warum tickt diese Gesellschaft so?

„Zeit mal innezuhalten“ heißt es nach Ereignissen, die Wellen schlagen wie
der Tod des Torwarts Enke. Und alle stimmen zu. Um am nächsten Tag zu
fordern, dass die psychologische Unterstützung ausgebaut werden muss. Es
wäre auch eine Idee, das Grundprinzip unseres Lebens und Strebens zu
überdenken, um dort einzuhaken, wo es krank wird – und macht.

Erfolg – was ist das genau? Anerkennung – von wem möchten wir sie erfahren? Ruhm – gibt es etwas Vergänglicheres? Welchen Werten hängen wir nach? Wie anstrengend mag das sein, dieses Bild aufrechtzuerhalten, das Bild vom strahlenden Sieger?

(Bernd Büttgens/Druckausgabe Aachener Zeitung vom 13.11.09)

***Mehr lesen zum Thema Robert Enke:

Sehens- und nachdenkenswert: Der Sportphilosoph Gunther Gebauer im ZDF mit drei Thesen zum Profi-Fußball

Der kranke Sport (Süddeutsche Zeitung online)

Geschlagen im Spiel des Lebens (Spiegel online)

Tod eines Helden (Zeit online)