Das Aachen-Blog

Autor: buettgens (Seite 68 von 77)

Öcher Advent – heute: Merssi

Der Advent schreitet voran, unaufhaltsam, und die Zeit ist reif, mal merssi zu sagen. Wem? Das sei einem jeden selbst überlassen, Gründe gibt es bei genauer Betrachtung ja zuhauf.

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10. Merssi
Ja, man kann das gar nicht laut genug sagen: Merssi oder noch prononcierter völmoels merssi, wie der Öcher sätt.

Weil’s ja sonst zu kurz kommt und weil es ja auch – außer ein bisschen Überwindung – nicht viel kostet.

Der Vorteil am Öcher Danke ist zudem sein deftiger, von Herzen kommender Klang: Nicht merci, wie de Freunde von Ostbeljien mit e chpitz Müllchen sagen, sondern eher kernig, merssi: mehr ä als e, mehr Betonung auf der ersten als der zweiten Silbe, auch gerne jovial eingeleitet mit „hür,…“ und einem kleinen Päuschen: „…merssi, Aue!“

***Der ultimative Video-Tipp: Unschlagbar ist in diesem Zusammenhang – auch wenn es leider nicht in Aachen spielt – das honigsüße Dankeschön, das FC Bayern-Vorstandschef Rummenigge in Reimform dem kaiserlichsten aller Kicker, dem Franz, auf der Jahreshauptversammlung des Multikonzerns auftischte.

Das ist allerfeinste Lyrik. Da ist einer mit einem Sack Wörter in den Hobbykeller gegangen und hat sich so lange eingeschlossen, bis et sich reimte. Ich schüttel dir die Kralle: Merssi, Kalle!

Öcher Advent – heute: hajelevoll

Ohwei, hoppela, wie – hupps – fang‘ ich jetz‘ et beiste – hoppela – aan? Minge Leijve, dat sönd ävver völ Knöpp heij op deä Kommputer. Oes!

Oiqwerz bpqer7tgzhq3tf zq – pardong, dat wor minge Kopp. Hihi, ich jlöiv, dat ich hajelevoll ben.

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9. Hajelevoll
Der Weihnachtsmarkt hat seine, hupps, eijenen Jesetze! Krepierde Jlühwein! Steäreprittejranatehajelevoll.

Eijeijei, die Welt is‘ sich am Drehen! Saukäs, ich jlöiv, ich moss mich jet doleäje…

Öcher Advent – heute: Manks

Als wir dann am Sonntag im muckelig warmen Wohnzimmer beisammen saßen, die Ankunft des Heiligen Mannes – wir nennen ihn Hellijemann – auf einem vom Wohnzimmerfenster aus gut einsehbaren Feld in der Nähe von Schleckheim erwarteten, sprach eine der Älteren mit vollem Mund und großer Begeisterung den Satz: „Oes, de Plätzjere sönd ävver manks!“

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8. Manks
„Manks“ oder die gern gestellte Frage: Kann man in solcher Einsilbigkeit noch präziser sein?

Nicht zu hart, nicht zu weich, nicht zu cross, nicht zu labberig (sprich labberisch, s. Öcher Platt), nein, genau richtig: Die Plätzchen sind manks! Kekse, Kuchen, Fleisch und Brot: Hauptsache manks.

Dass man auch das Leder eines Schuhs durch ordentliche Pflege oder den Beton (dr Spiis) in der Bütt durch die richtige Mischung „schönn manks“ hinkriegen kann, sei nur der Vollständigkeit erwähnt.

Katja Deserno, die mit ihrem Mann Achim dieses wunderbare Landhaus Solchbachtal an ebendieser Stelle betreibt, ist gebürtig eher nicht von hier, sondern aus dem Ruhrpott. Aber sie hat nun doch schon so manchen Advent in unseren Breiten erlebt und freut sich in ihrem Restaurant immer, wenn die Einheimischen das höchste aller schnörkellosen Loblieder anstimmen: „Dat wor manks!“

Deinem Wunsch, liebe Katja, dieses präzise Öcher Wörtchen, das Anerkennung zollt, in diesen Kalender einfließen zu lassen, bin ich gerne gefolgt: Möngchensmoeß oder?

***An alle: Gibt’s weitere Öcheradventskalenderwörterwünsche?

Öcher Advent – heute: Öcher Platt

Wenn wir mal grundsätzlicher werden wollen – und das muss an einem Montag im Advent gestattet sein -, dann sprechen wir doch einfach mal über die Einordnung unserer herrlichen Heimatsprache ins weite Netz der Dialekte. Reden wir aber auch über den schönen Begriff „Öcher Platt“, hier und heute vor allem über seine Schreib- und seine Sprechweise. Weil die sich doch elementar unterscheiden!

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7. Öcher Platt
Dass es bei einem digitalen Übersetzungsdienstleister, der bezeichnenderweise babylon.com heißt, auch das Angebot gibt, Öcher Platt-Begriffe ins Hochdeutsche zu übersetzen, ist ja nett, also Hellijemann = Nikolaus, Heiliger Mann. Viel wichtiger, ja fundamentaler, ist aber der Hinweis, dass unsere Sprache  eine Variante der Ripuarischen Dialektgruppe ist. Saukäs!

Befassen wir uns mit diesem Phänomen, so stoßen wir auf eine Besonderheit: Die Buchstabenfolge „ch“ im Öcher Platt wird anders als im Hochdeutschen „sch“ ausgesprochen. So wird – leichte Verwirrung! – die Eigenbezeichnung zwar Öcher Platt geschrieben, aber Öscher Platt (mit einem kurzen ö) ausgesprochen. Das wiederum ist für alle Zugereisten wesentlich, merkt es euch einfach: Öscher Platt!

Und Öchern, die hier geboren sind, sei empfohlen, darauf stolz zu sein, dass Öcher Platt nach Öscher Platt klingt und nicht so – vornehm, aber falsch: Öcher Platt! Da müssen wir nicht hyperkorrekt sein, da können wir lässisch bleiben. Für diese Sprache muss‘ du disch nisch‘ schämen, die is eso! Oes! Gerade jetzt im Advent, wo wir den Kindern so schöne Jeschischten vorlesen.

***Mehr lesen:
Ein paar Wikipedia-Weisheiten zum Ripuarischen gibt es hier.

Öcher Advent – Hellijemann

Es ist wunderbar, diese kleine Adventsserie zu schreiben, weil mir so viele prägende Gegebenheiten aus der Kindheit einfallen, die sich ja schwerpunktmäßig im (Nord-)Osten unserer geliebten Stadt abspielte. Und das schöne Wort spielen nahm ich stets ernst, ob Theater oder Fußball, gespielt wurde immer.

Zunächst also Fußball, im Verein, und zwar in einem, wie man ihn sich vorstellt. Und irgendwann im Dezember wurden wir kleinen Burschen dann immer – feuerwangig – ins Sälchen der keinesfalls zufällig vor dem Sportplatz errichteten Vereinskneipe eingeladen. Und dann kam er.

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6. Der Hellijemann

Eigentlich konnten wir alle auf den ersten Blick erkennen, dass der Mann, der nachweislich das feierlichste Gewand unseres Pastors trug, der Ehrenpräsident des Vereins war. Worauf das Hinkebein und das ebenso stockende, wie jestreifte Hochdeutsch im Vortrag hinwies. „Seid’r denn allemale da?“

Ejal. Der Alterspräsident war an diesen Abenden der Nikolaus, der Hellijemann, der Zenterkloes, da gab es keine Zweifel. Und dann sprach er über „jute Trainingsleistungen, nich‘ jeputzte Fußballschuhe – und das finde ich jar nich‘ fein“, und eigentlich fehlte nur das dreifach kräftije „Hipphipphurra“.

Als in einem Jahr während der Audienz plötzlich der Weihnachtsbaum wankte, und dem Heiligen Mann, der das drohende Unglück als erster kommen sah, ein „Leck mich ejjen Täisch, der Boum!“ entfuhr, lachte der ganze Saal, aber das Vertrauen wich nie: Wieso sollte der Nikolaus nicht auch Öcher Platt sprechen!?

Ihm zur Seite stand in jedem Jahr ein finsterer Geselle, der Klassiker eines Hansmuff, den wir später dann mit scharfem Verstand als den linken Verteidiger unserer „Ersten“ entlarvten. Eine Idealbesetzung, wie ich heute sagen würde. Der „Schwore“, wie ihn alle riefen, war auch auf dem Platz ein humorloser Brocken, der fehlende Schnelligkeit durch kompromissloses Grätschen und grimmigen Blick zu kompensieren wusste.

Der Hellijemann. Später, wenn wir das Sälchen mit roten Wangen und einer vollen Tüte (Oes: Printemann, Apfelsine, Apfel, Nüsse, kandierte Datteln, Schokoriegel!) verließen, mussten wir die Theke passieren. Und da standen dann der Schwore und der Ehrenpräsident, gönnten sich e Köppelchen und grinsten ein „schönen Abend noch, Jonge“. Und aus der Tasche, die zwischen ihnen stand, lugte die Spitze der Bischofsmitra.

***Kleiner Veranstaltungstipp: (inzwischen überholt)
6. Dezember, 20 Uhr, Jakobshof, Stromgasse, der wahre Hans Muff-Abend, eine Art Gedächtniskonzert für den schwarzen Mann. Es gibt Weihnachtsgeschichten, vorgetragen von Manfred Birmans und Hubert Crott, dazu Musik von Dieter Kaspari (än Blues mich jet), Uwe Böttcher, Franz Brandt, Gerd Breuer und Charly Büchel.

Öcher Advent – heute: Plätzje

Wenn wir damals, in den frühen 70er Jahren, als die Welt noch schwarz-weiß war, mit meiner „Oma Aachen“ (nicht zu verwechseln mit der „Oma Eilendorf“, oes noch!) unterwegs waren, landeten wir bevorzugt in stilechten Läden, die sich dem Licht der Neuzeit tapfer durch blickdichte, nikotingelbe Gardinen und fies verstaubte Polsterungen unterschiedlichster Art verschlossen.

De Oma, oft begleitet von „de Tant Minchen än der Nonk Päul“, bestellte sich – halbhochdeutscher Versuch jetzt! – „ene jute Tasse Bohnenkaffee, Frollein, e Stöcksje Riisflaam än för de Kenger e Limmo än e Plätzje“.

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5. Plätzje, pl. –re

Dass Plätzjere andernorts Kekse heißen, habe ich erst viel später erfahren. Halb so wild, sie schmeckten mir sowieso nie. Weder Keks noch Plätzje.

Doch soll in diesem Öcher Kalender nicht mein Geschmack dem Adventstag die Richtung geben. Angesichts der tristen äußeren Bedingungen und der früh hereinschlagenden Dunkelheit und im Wissen um die warmen (Duft-)Wolken, die ein jut jestauchter Öcher Backofen zu bieten hat, empfehle ich nun – ohne Gewähr – das folgende Backrezept. Sie merken: das Öcher Adventblog wird interaktiv!

Wen’s wirklich interessiert, der kann gleich klicken auf das völlig ernstgemeinte Rezept für die Weihnachtssterne, oder auch Chreßmessteäre.

Wer aussteigen möchte an dieser Stelle, dem sei gesagt: Ne jute Schokonussprinte schlägt jeden Spekulatius! Meine Meinung. Unverzichtbar in beiden Fällen natürlich nach wie vor: de jute Tasse Bohnenkaffee!

Wissenswertes zu dieser Serie
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Geht raus und spielt Fußball!

Das treibt dem Alemannia-Fan die Tränen in die Augen. So ein ehrliches Wort: „Ich bin verwundert, dass wir jetzt schon wieder reden müssen über das, was auf dem Platz gezeigt werden muss, über das, was der Fan sehen will.“ Oder: „Man muss den Fans langsam zurückgeben, was sie 14 Spiele ertragen mussten!“

alemannia

Wer das gesagt hat? Tatsächlich ein Spieler der Alemannia. Ist tatsächlich noch so viel Ehrlichkeit, so viel Erkenntnis, so viel Einsicht in diesem Team? Die Recherche kommt schnell an den Punkt: Den Satz hat zwar ein Alemannia-Spieler gesagt, aber keiner der derzeit aktiven. Ex-Kapitän Reiner Plaßhenrich, der wieder nach langer Pause um den Anschluss an die Mannschaft, hat im AZ/AN-Interview richtig auf den Putz gehauen, seine Kollegen bei der Ehre gepackt.

Einer wie Heini, ja, nur einer wie er – das wär’s. Einer, der rackert, grätscht, schreit und schimpft, einer, der will, einer, der sich mit dem Verein und mit den Fans identifiziert.

Da läuft vieles schief bei Alemannia in den letzten Jahren, klar. Kungelei, Stümperei, Pöstchengeschacher, gekränkte Eitelkeiten, Nichtzuständigkeit, Allmachtsphantasien, all das spielt außerhalb des Rasens eine Rolle.

Aber da gibt es auch das Potenzial: die gute Planung rund um ein prächtiges, vorzeigbares Stadion, das gute Fundament für großen Sport sein könnte. Dann die Fans, erstligareif seit Jahren.

Doch letztlich ist immer noch entscheidend, was auf dem Platz passiert. Und das ist viel zu wenig, viel zu pomadig, erschreckend leb- und lustlos, fast schon gleichgültig. Das wirkt satt, abgestanden, schal. Ohne Witz, Esprit, Spaß, Emotion.

Es ist leicht, in Aachen die Massen zu begeistern. Das Publikum ist viel feinfühliger als manch gehätschelter Zweitligakicker vermutet.

Also, Leute: Heinis Worte gehören in großen Lettern an die Kabinenwand! Und dann geht raus und spielt Fußball!

Öcher Advent – heute: Rüse

Es ist kein typisches Phänomen des Aachener Advents: Rüse. Ganz im Gegenteil: Es sollte vielmehr ein allgemeingültiges Bestreben durch die Stadt gehen, ja, ein Ruck, in diesen Tagen Frieden walten zu lassen.

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4. Rüse

Doch was soll man sagen: Das Reizthema Nummer eins des Öchers entfaltet gerade in diesen Tagen wieder seine volle Spann- und Spaltkraft und reizt wie immer dazu, sich in die Wolle zu kriegen, aneinanderzugeraten, sich zu streiten, oder wie wir in Aachen dann eben sagen: Rüse ze krieje!

Gestern Abend in der Kneipe: Rüse wegen unseres Lieblingsthemas. Lautstark. Vorgestern in der Redaktion: Rüse! „Oes, ich kann et net mieh hüüre!“ dreht der eine in voller Emotion ab. „Nühs wie Ärjer än Hantiir„, flucht der andere und schlägt die Türe hinter sich zu.

Advent, Advent, bei der Alemannia der Baum wieder brennt! Ja, erraten, das Lieblingsthema ist der heißgeliebte Klömpchensclub! Macht keinen Halt vor Zeiten der Ruhe und Besinnung. Macht eher besinnungslos. Die Leidenschaft, die Leiden schafft. Und Rüse.

Öcher Advent – möngchensmoeß

Als wir gestern in der Redaktion über den Öcher Adventskalender sprachen, sagte meine liebe Kollegin Doris: „Mein Lieblingswort im Öcher Sprachschatz ist ja…“ – und jetzt kommt’s:

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3. Möngchensmoeß

Welch wunderbare Worte hat diese Sprache. Der Nichtöcher würde von mundgerecht, passgenau oder genau abgepasst sprechen. Aber was ist das gegen ein butterweiches möngchensmoeß.

Für mich klingt es direkt nach Oma und Opa. Oma, die uns Kindern das Weißbrot – also dr Weck – mit der selbstgemachten Pflaumenmarmelade, de Prumme, in mundgerechte Möckelchen aufs Brettchen legte. „Dat han ich de Kenger möngchensmoeß jemaht.“

Oder Opa, der mit dem Beil, et Bejjele, das Holz für den Ofen – herrlich: de Fornöis – hackte. Möngchensmoeß, klar, versteht sich.

Im Advent war es am schönsten, die Butterbrote neben de Fornöis zu essen. Da passte dann alles.

Öcher Advent – heute: Hantiir

Adventszeit in Aachen, Hektik, schlechtes Wetter, schlechte Laune – än dann noch deä Hantiir met de Jeschenke!

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2. Hantiir!

Hantiir – mit zwei I – das deutet auf eine heikle Angelegenheit, auf spitze Schreie, auf blanke Nerven: Hüer mich op met dr Hantiir!

Man könnte auch Jedöns, Jetue, Jeschäftigkeit sagen, aber trifft es Hantiir nicht viel besser!? Worüber sich die Gelehrten bisweilen streiten, ist die Frage, ob es der Hantiir oder das Hantiir ist.

Aber darüber wollen wir jetzt keinen Hantiir machen!