Das Aachen-Blog

Autor: buettgens (Seite 71 von 77)

Herman van Veen in Aachen

Mal wieder ein wunderbarer Abend mit diesem wundersamen Mann. Altes Kurhaus, Ballsaal, ja, da stimmt das Ambiente mit dem Bühnengeschehen überein. Über 300 Gäste, es wollten noch viel mehr rein, doch Herman van Veen und Edith Leerkes, die begnadete Gitarristin, mögen es an diesem Abend kuschelig.

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Kurz vor der großen Deutschland-Tour mit dem neuen Album „Im Augenblick“ spielen sich die beiden ein. Van Veen liest noch viele der deutschen Texte vom Blatt, bislang hat er sie in der Heimatsprache gesungen. In Flandern, in den Niederlanden, 40 Mal ensuite im Theater Carré in Amsterdam.

Der Mann ist und bleibt Bühnen-Anarchist. Er wirft mit hunderten Tischtennisbällen um sich, knöpft sein Hemd auf und zieht seinen Slip bis unter die Achselhöhlen hoch. Er kämmt das Haar, das ihm noch blieb, auf Sturm. Er tanzt, springt, schwitzt, schuftet, er frohlockt, jauchzt, johlt – ein Clown, der auch ein mahnt. Ein Mann, der seinen Weg gefunden hat und ihn geht.

Ein paar schöne Sprüche noch zum Schluss von einem, der sich stets aus dem reichen Fundus des Erlebten bedient:
„So schön, wie es früher war, ist es früher nie gewesen!“

Und zum deutsch-niederländischen Verhältnis:
„Deutsch ist merkwürdig ausgesprochenes Holländisch!“

In Erinnerung an die Sponti-Zeit Anfang der 70er, an die Zeit der freien Liebe und der subtonalen Kompositionen:
„Afghanistan hieß damals noch Vietnam, und ich konnte es damals noch nicht auf meinem Kopf schneien hören.“

Eins noch, Thema freie Liebe:
„Da sagte Rudolf zu Heinz: Du, ich glaube, deine Frau betrügt uns!“

***Mehr lesen:
Die Kritik in AZ und AN (Druckausgabe 26. September 2009)

Die gut gemachte Homepage von Herman van Veen

Vier Tore, aber kein Sieg

Alemannia zeigt Moral. Kompliment. Das zwischenzeitliche 5:1 für die Frankfurter Eintracht ließ sicherlich bei vielen Aachen-Fans den Mut sinken. Und das mit dem neuen Trainer!

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Und immer wieder aufstehen, Fielo! Der Kapitän machte es in Frankfurt vor. Foto: az-web

Aber dann kam die Mannschaft im DFB-Pokal-Auswärtsspiel auf beeindruckende Art zurück. Zweimal Auer, einmal Gueye, da stand’s doch mit einem Mal 5:4, und Skibbes Spruch vom unangenehmen Gegner war dem Eintracht-Trainer ins Gesicht geschrieben.

Und Aachens neuer Mann an der Linie, Michael Krüger, mag, so schreibt es AZ/AN-Sportchef Christoph Pauli „den Eindruck gewonnen haben, dass seine Mannschaft zu vielem fähig ist“.

Okay, am Ende haben die Schwarz-Gelben 6:4 verloren, aber das war keine Klatsche, sondern durchaus eine ansprechende Leistung, die Hoffnung auf Mehr macht.

Es gibt doch nur diesen Wunsch aller Alemannia-Fans: Dass mit dem neuen Trainer der Erfolg und die Ruhe zurückkehren. Und dass wir alle zusammen noch eine spannende Saison erleben.

Skibbe: Unbequem, aber lösbar

Also, das muss ich jetzt mal sagen, da habe ich doch richtig Spaß am Sportsfreund Skibbe. Er sieht, wie die Frankfurter Allgemeine in ihrer Online-Ausgabe berichtet, in der Pokal-Begegnung mit der Alemannia am heutigen Mittwochabend eine zwar unbequeme, aber lösbare Aufgabe“

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Prima Voraussetzungen also für die Zweitliga-Gäste. Gut für die Alemannia ist nicht nur, dass sie nach dem gut anzuschauenden 2:0 gegen München 60 wieder auf einem vernünftigen Weg zu sein scheint und dass Co-Trainer Willi Kronhardt nun (wieder) an der Seite von Michael Krüger gewonnene Erkenntnisse sinnvoll umsetzen kann.

Ja, gut ist auch, dass Eintracht-Coach Michael Skibbe exakt die beiden Spiele der Alemannia live und in Farbe verfolgt hat, die nun richtig in die Hose gegangen sind: das 0:5 gegen St. Pauli und das 0:1 in Oberhausen.

So setzen wir nun alle auf die dem Erstligisten angeborene Überheblichkeit, unbequeme, aber lösbare Aufgaben entsprechend anzugehen…

Man hört noch davon. Schon Bobby Robson, der Legendäre, musste einst einräumen: „Wir haben sie nicht unterschätzt, sie waren nur besser, als wir gedacht haben.“

***Mehr lesen:

Ganz viel Stoff zum neuen Alemannia-Trainer bei AZ und AN online

Ohne Herzig und Casper nach Frankfurt

Frankfurter Neue Presse: Skibbe will an alte Pokalerfolge anknüpfen

Herman van Veen – die neue CD

Für mich sind solche Tage wie dieser ein Fest. Herman van Veen am Telefon. Ein Interview mit einem, der die Welt und die Menschen versteht, sich darüber freut und darunter leidet. Ein freundlicher Mann, ein nachdenklicher. Die neue CD ist da, „Im Augenblick“ heißt sie (Besprechung folgt etwas tiefer), und Van Veen hat wieder viel zu sagen.

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So sieht die neue CD aus, das Cover.

Die Songs kenne ich im niederländischen Original seit dem Konzert-Besuch im Theater Carré Amsterdam vor einem Jahr. 40 Abende hat er da gespielt, ausverkauftes Haus, Ovationen, wenn er die Bühne betritt. Unfassbar. Das Foto vom Schlussapplaus als kleiner Beleg.

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Herman van Veen, wieviele Menschen er nun schon so lange begleitet, ihr Leben schöner macht. Bei youtube schaue ich gerne schon mal hier rein. Mein Lieblingsvideo, Anne, 1998, Theater Carré:

Nun also meine Besprechung der neuen van Veen-CD in der Aachener Zeitung/den Aachener Nachrichten (Druckausgabe Samstag, 19. September), die ich mit einigen Passagen des Gesprächs verschnitten habe:

Im Augenblick sieht er die Welt so
Herman van Veen stellt seine neue CD vor – und enttäuscht seine Fans nicht. Der aktuelle Blick auf die Erinnerungen. „Vieles, was noch vor Jahren klug und richtig schien, hat sich im Laufe der Zeit verändert.“

Von Bernd Büttgens

Eins vorab für die Fans: Er ist sich natürlich treu geblieben. Das gerade veröffentlichte neue Album „Im Augenblick“ ist ein schönes Stück Herman van Veen pur. Da ist er wieder, der unangepasste Melancholiker, der sanfte Rebell, und seine Töne sind nach wie vor ein Plädoyer für den aufrichtigen Menschen. Das wird so bleiben.

Und doch ist der komponierende Maler, der als singender Regisseur die Geige im Anschlag hat, immer am Anfang. „Ich habe absolut keine Phantasie“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich erinnere mich in meinen Liedern. Und der Prozess, der mich ein Künstlerleben beschäftigt, ist die Veränderung dieser Erinnerungen.“ Vieles, was noch vor Jahren klug und richtig schien, sagt er, habe sich im Laufe der Zeit verändert.

Die neuen Trikots sind da

Ich sprach von den neuen Trikots, die Cheftrainer Tom Frings seinen Bambini-Kickern vom TSV Hertha Walheim versprochen hat. Voilà, hier sind sie, schick oder?

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Beim ersten Spiel kam gleich der ganze stolze Nachwuchs der Walheimer – derzeit sind es 16 Bambinis – zum Einsatz. Dem taktischen Konzept tat das leichten Abbruch, doch den Kindern hat es trotzdem gefallen, das knappe 1:8 gegen Mausbach.

Aber wie gesagt: Potenzial hat das Team wie kein anderes. Man wird noch davon hören…

Das noch zur Nacht

Morgen kriegen die Bambini-Kicker von Hertha Walheim neue Trikots. Habe ich heute Abend brühwarm aus den berühmten wohlunterrichteten Kreisen erfahren.

Habe meinem Bambino nichts davon erzählt. Reicht schon, wenn ich vor Aufregung nicht schlafen kann…

Morgen Abend hier: das erste Mannschaftsfoto!

Walter Frosch Fußballgott

Walter Frosch, ich geb’s ja zu, war meinem eigentlich gar nicht so schlechten Fußballgedächtnis abhanden gekommen.

Jetzt ist er wieder da. Dank einiger Freunde, die mir das folgende Video zuschickten. Es ist wirklich wichtig, ein paar Grundsatzinfos über Walter Frosch, diese St.-Pauli-Legende, zu kennen. Sie helfen beim Verständnis des Bild- und Tondokuments ungemein. Solche Typen braucht der Fußball. Die das Motto noch leben: Entscheidend ist auf#m Platz!

Kurzdurchgang: Walter Frosch, Profikicker in Kaiserslautern und St. Pauli in den 70ern. Abwehrrecke, 27 Gelbe Karten in einer Saison, er rauchte 60 Kippen am Tag und war alles andere als ein Moralapostel – auch vor Ligaspielen…

Als Jupp Derwall ihm einen Platz in der B-Nationalelf anbot, lehnte Walter ab: Ein Walter Frosch, krächzte er, spiele nur A-Mannschaft oder Weltauswahl.

Heute betreibt Walter übrigens die Stadionkneipe von Victoria Hamburg. Genug gelesen, jetzt schaut hin!

Mehr über Walter Frosch.

Lesetipps zum Wochenende

Alemannia: Das ist natürlich jetzt spannend: Wie wird das Team von Alemannia Aachen reagieren? Welche Antwort gibt die Mannschaft, die ihren Trainer rausgedrückt hat, am Sonntag in Oberhausen auf dem Platz? Willi Kronhardt, der zum Interimstrainer beförderte Co will die Jungs auf alle Fälle heiß machen. Er spricht vom „Geheimplan Oberhausen“. Mehr dazu bei AZ-Web.

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Lasst es krachen, Freunde! Benjamin Auer und Nico Herzig (links) haben sich mit ihrem Team einiges vorgenommen. Foto: az-web

RWTH Aachen: Was tut sich sonst in Aachen? Es überrascht nicht, dass am Institut für Textiltechnik (ITA) Vergangenheit und Zukunft in auffallend galanter Weise miteinander verwoben werden. Zu feiern gab es gleich zwei Anlässe: Da war zum einen das 75-jährige Bestehen der Lehr- und Forschungsstätte, die mittlerweile zu den größten Instituten der RWTH gehört. Christoph Classen schreibt darüber in der AZ.

Kommunalwahl Fall für Richter: Am Freitag tagte der Wahlausschuss der Stadt Aachen, um die endgültigen Ergebnisse der Kommunalwahl vom 30. August offiziell festzustellen. Jetzt ist die Wahl von Marcel Philipp zum neuen Oberbürgermeister offiziell. Allerdings folgten mindestens zwei Besucher dem Vortrag des noch amtierenden OB Jürgen Linden mit einiger Anspannung: Carmelo Licitra, der bis zuletzt auf einen Sitz im neuen Rat gehofft hatte, und SPD-Ratsherr Norbert Plum, der sein Direktmandat mit sage und schreibe einer Stimme Vorsprung gewinnen konnte. Mehr dazu in den AN.

Schweinegrippe in der Region: Nur 15 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen wollen sich «ganz sicher» gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Das hat eine Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse ergeben. Die Angst vor dem H1N1-Virus sei «relativ gering», so das Ergebnis der Umfrage unter 1001 Befragten. Was sagen Experten in der Region Aachen? Antworten in den Nachrichten.

Kommentar zum Internet-Manifest

„Tradition allein reicht nicht.“ Mit dieser These überschreibe ich den Kommentar in der Aachener Zeitung (Druckausgabe 10. September 2009).

Es geht um das „Internet-Manifest“, das 15 Autoren, die sich in erster Linie im Netz bewegen und dort ihr Geld verdienen, am Montag verfasst und eine große Debatte ausgelöst haben.

Der Kommentar bezieht sich auf die Analyse, die Christian Meier, der Ressortleiter „Digitales“ des Kressreports für die Aachener Zeitung geschrieben hat.

Der Kommentar:
Christian Meier hat mit seiner Analyse des Internet-Manifests sicherlich Recht: Den 15 Autoren ist noch nicht der ganz große Wurf gelungen. Ihre Behauptungen klingen teils überheblich, teils altbekannt, sie sind oft zu vage, der Adressat ist nicht klar bekannt. Man könnte es leichtfertig einen Schuss ins Blaue nennen, was da als Manifest verkauft wird.

Und doch steckt in dieser Internet-Botschaft ein Hinweis: Ein Hinweis
darauf, dass der Journalismus im Internet eine interessante Heimat findet, ja, gefunden hat. Das zu ignorieren, wäre grob fahrlässig. Die meisten Verlagshäuser – wie auch unseres – stellen sich mehr und mehr darauf ein.
Die enorme Resonanz auf das Manifest macht unmissverständlich klar, wie sehr das Thema bewegt. Sie zeigt aber auch in ihrer Vielfalt, wie diffus das Meinungsbild noch ist, wie unklar der Weg. Dass Blogger, die nicht zum erlesenen Autorenkreis gehören, jetzt schießen: geschenkt!

Eine Botschaft des Manifests stimmt: Alle Medienschaffenden müssen
verstehen, dass das Internet ein ernst zu nehmender Zukunftskanal für
qualitätsvolle Arbeit ist.
Und auch wenn man im Netz mit dem Journalismus noch kein Geld verdienen kann, ist den Verlegern eigentlich klar, was die Autoren als These formulieren: Tradition ist auch kein Geschäftsmodell für die Zukunft.

***Mehr lesen:
Das Internet-Manifest in ganzer Länge
Das Interview mit Manifest-Impulsgeber Thomas Knüwer in diesem Blog.

Interview mit Internet-Experte Knüwer

Um fünf vor zwölf am Montag dieser Woche veröffentlichte eine Gruppe von Journalisten und Internet-Experten ein «Internet-Manifest». 17 knapp gehaltene «Behauptungen» sollen erklären, «wie Journalismus heute funktioniert». Ein Text mit Sprengkraft.

In den Thesen heißt es unter anderem, Medien müssten ihre Arbeitsweise «der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen».

So beginnt die Analyse, die Christian Meier, Ressortleiter Digitales beim Kressreport, für die Aachener Zeitung (Druckausgabe vom 10. September 2009) geschrieben hat.

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Thomas Knüwer

Für diese Seite habe ich ein Interview mit Thomas Knüwer, bloggender Redakteur des Handelsblatts und Manifest-Initiator, geführt, das ich hier gerne verewigen möchte.

Sie gehören zu den Initiatoren des Manifests. An wen richten
Sie Ihre Thesen?
Knüwer:
An jeden, der sich für das Thema Qualitätsjournalismus im Internet interessiert. Aber vor allem an jene, die in den Medien arbeiten und das Netz immer noch als Gefahr sehen. Wir können einfach nicht begreifen, dass die wichtigste Technologie unserer Tage so oft verteufelt wird. Das ist aber auch in der Tat eine deutsche Spezialität.

Überrascht Sie die überwältigende Resonanz auf Ihre Thesen?
Knüwer:
Nein, eigentlich nicht. Wir wussten, dass es in der deutschen Blogosphäre eine solche Welle geben wird. Die Seite hatte am ersten Tag 300.000 Visits. Dass da auch wieder viele unterwegs sind, die nicht in der Sache argumentieren, sondern uns nur beschimpfen, war auch klar. Es ist schade, aber auch das ist
typisch deutsch. Wir haben das gemacht, um eine Debatte anzustoßen, und wir freuen uns über jeden Diskussionsbeitrag. Was mich wirklich überrascht und erfreut, ist die sensationell positive Resonanz im Ausland.

Was passiert jetzt?
Knüwer:
Abwarten. Wir haben ja keine Handlungsempfehlung
formuliert. Wir wollen die Diskussion, weil wir wissen, dass diese
überwältigende Technologie Veränderungen – gerade im Journalismus – schaffen wird. Die Verleger müssen sich bewegen. Mein Lieblingssatz ist in der Tat, dass Tradition kein Geschäftsmodell ist. Und alle Kollegen kann ich nur dazu ermuntern, mit Entdeckergeist und Spaß das Netz auszuprobieren. Es ist die Zukunft.

***Mehr lesen:
Das Internet-Manifest in ganzer Länge
Kommentar zum Internet-Manifest in der Aachener Zeitung