Das Aachen-Blog

Schlagwort: Öcher Advent (Seite 3 von 3)

Öcher Advent – Hellijemann

Es ist wunderbar, diese kleine Adventsserie zu schreiben, weil mir so viele prägende Gegebenheiten aus der Kindheit einfallen, die sich ja schwerpunktmäßig im (Nord-)Osten unserer geliebten Stadt abspielte. Und das schöne Wort spielen nahm ich stets ernst, ob Theater oder Fußball, gespielt wurde immer.

Zunächst also Fußball, im Verein, und zwar in einem, wie man ihn sich vorstellt. Und irgendwann im Dezember wurden wir kleinen Burschen dann immer – feuerwangig – ins Sälchen der keinesfalls zufällig vor dem Sportplatz errichteten Vereinskneipe eingeladen. Und dann kam er.

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6. Der Hellijemann

Eigentlich konnten wir alle auf den ersten Blick erkennen, dass der Mann, der nachweislich das feierlichste Gewand unseres Pastors trug, der Ehrenpräsident des Vereins war. Worauf das Hinkebein und das ebenso stockende, wie jestreifte Hochdeutsch im Vortrag hinwies. „Seid’r denn allemale da?“

Ejal. Der Alterspräsident war an diesen Abenden der Nikolaus, der Hellijemann, der Zenterkloes, da gab es keine Zweifel. Und dann sprach er über „jute Trainingsleistungen, nich‘ jeputzte Fußballschuhe – und das finde ich jar nich‘ fein“, und eigentlich fehlte nur das dreifach kräftije „Hipphipphurra“.

Als in einem Jahr während der Audienz plötzlich der Weihnachtsbaum wankte, und dem Heiligen Mann, der das drohende Unglück als erster kommen sah, ein „Leck mich ejjen Täisch, der Boum!“ entfuhr, lachte der ganze Saal, aber das Vertrauen wich nie: Wieso sollte der Nikolaus nicht auch Öcher Platt sprechen!?

Ihm zur Seite stand in jedem Jahr ein finsterer Geselle, der Klassiker eines Hansmuff, den wir später dann mit scharfem Verstand als den linken Verteidiger unserer „Ersten“ entlarvten. Eine Idealbesetzung, wie ich heute sagen würde. Der „Schwore“, wie ihn alle riefen, war auch auf dem Platz ein humorloser Brocken, der fehlende Schnelligkeit durch kompromissloses Grätschen und grimmigen Blick zu kompensieren wusste.

Der Hellijemann. Später, wenn wir das Sälchen mit roten Wangen und einer vollen Tüte (Oes: Printemann, Apfelsine, Apfel, Nüsse, kandierte Datteln, Schokoriegel!) verließen, mussten wir die Theke passieren. Und da standen dann der Schwore und der Ehrenpräsident, gönnten sich e Köppelchen und grinsten ein „schönen Abend noch, Jonge“. Und aus der Tasche, die zwischen ihnen stand, lugte die Spitze der Bischofsmitra.

***Kleiner Veranstaltungstipp: (inzwischen überholt)
6. Dezember, 20 Uhr, Jakobshof, Stromgasse, der wahre Hans Muff-Abend, eine Art Gedächtniskonzert für den schwarzen Mann. Es gibt Weihnachtsgeschichten, vorgetragen von Manfred Birmans und Hubert Crott, dazu Musik von Dieter Kaspari (än Blues mich jet), Uwe Böttcher, Franz Brandt, Gerd Breuer und Charly Büchel.

Öcher Advent – heute: Plätzje

Wenn wir damals, in den frühen 70er Jahren, als die Welt noch schwarz-weiß war, mit meiner „Oma Aachen“ (nicht zu verwechseln mit der „Oma Eilendorf“, oes noch!) unterwegs waren, landeten wir bevorzugt in stilechten Läden, die sich dem Licht der Neuzeit tapfer durch blickdichte, nikotingelbe Gardinen und fies verstaubte Polsterungen unterschiedlichster Art verschlossen.

De Oma, oft begleitet von „de Tant Minchen än der Nonk Päul“, bestellte sich – halbhochdeutscher Versuch jetzt! – „ene jute Tasse Bohnenkaffee, Frollein, e Stöcksje Riisflaam än för de Kenger e Limmo än e Plätzje“.

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5. Plätzje, pl. –re

Dass Plätzjere andernorts Kekse heißen, habe ich erst viel später erfahren. Halb so wild, sie schmeckten mir sowieso nie. Weder Keks noch Plätzje.

Doch soll in diesem Öcher Kalender nicht mein Geschmack dem Adventstag die Richtung geben. Angesichts der tristen äußeren Bedingungen und der früh hereinschlagenden Dunkelheit und im Wissen um die warmen (Duft-)Wolken, die ein jut jestauchter Öcher Backofen zu bieten hat, empfehle ich nun – ohne Gewähr – das folgende Backrezept. Sie merken: das Öcher Adventblog wird interaktiv!

Wen’s wirklich interessiert, der kann gleich klicken auf das völlig ernstgemeinte Rezept für die Weihnachtssterne, oder auch Chreßmessteäre.

Wer aussteigen möchte an dieser Stelle, dem sei gesagt: Ne jute Schokonussprinte schlägt jeden Spekulatius! Meine Meinung. Unverzichtbar in beiden Fällen natürlich nach wie vor: de jute Tasse Bohnenkaffee!

Wissenswertes zu dieser Serie
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Öcher Advent – heute: Rüse

Es ist kein typisches Phänomen des Aachener Advents: Rüse. Ganz im Gegenteil: Es sollte vielmehr ein allgemeingültiges Bestreben durch die Stadt gehen, ja, ein Ruck, in diesen Tagen Frieden walten zu lassen.

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4. Rüse

Doch was soll man sagen: Das Reizthema Nummer eins des Öchers entfaltet gerade in diesen Tagen wieder seine volle Spann- und Spaltkraft und reizt wie immer dazu, sich in die Wolle zu kriegen, aneinanderzugeraten, sich zu streiten, oder wie wir in Aachen dann eben sagen: Rüse ze krieje!

Gestern Abend in der Kneipe: Rüse wegen unseres Lieblingsthemas. Lautstark. Vorgestern in der Redaktion: Rüse! „Oes, ich kann et net mieh hüüre!“ dreht der eine in voller Emotion ab. „Nühs wie Ärjer än Hantiir„, flucht der andere und schlägt die Türe hinter sich zu.

Advent, Advent, bei der Alemannia der Baum wieder brennt! Ja, erraten, das Lieblingsthema ist der heißgeliebte Klömpchensclub! Macht keinen Halt vor Zeiten der Ruhe und Besinnung. Macht eher besinnungslos. Die Leidenschaft, die Leiden schafft. Und Rüse.

Öcher Advent – möngchensmoeß

Als wir gestern in der Redaktion über den Öcher Adventskalender sprachen, sagte meine liebe Kollegin Doris: „Mein Lieblingswort im Öcher Sprachschatz ist ja…“ – und jetzt kommt’s:

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3. Möngchensmoeß

Welch wunderbare Worte hat diese Sprache. Der Nichtöcher würde von mundgerecht, passgenau oder genau abgepasst sprechen. Aber was ist das gegen ein butterweiches möngchensmoeß.

Für mich klingt es direkt nach Oma und Opa. Oma, die uns Kindern das Weißbrot – also dr Weck – mit der selbstgemachten Pflaumenmarmelade, de Prumme, in mundgerechte Möckelchen aufs Brettchen legte. „Dat han ich de Kenger möngchensmoeß jemaht.“

Oder Opa, der mit dem Beil, et Bejjele, das Holz für den Ofen – herrlich: de Fornöis – hackte. Möngchensmoeß, klar, versteht sich.

Im Advent war es am schönsten, die Butterbrote neben de Fornöis zu essen. Da passte dann alles.

Öcher Advent – heute: Hantiir

Adventszeit in Aachen, Hektik, schlechtes Wetter, schlechte Laune – än dann noch deä Hantiir met de Jeschenke!

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2. Hantiir!

Hantiir – mit zwei I – das deutet auf eine heikle Angelegenheit, auf spitze Schreie, auf blanke Nerven: Hüer mich op met dr Hantiir!

Man könnte auch Jedöns, Jetue, Jeschäftigkeit sagen, aber trifft es Hantiir nicht viel besser!? Worüber sich die Gelehrten bisweilen streiten, ist die Frage, ob es der Hantiir oder das Hantiir ist.

Aber darüber wollen wir jetzt keinen Hantiir machen!

Öcher Advent – heute: Oes!

Was muss man wissen, um in Aachen durch die Adventszeit zu kommen? Ohwie!

Ob Öcher oder Zugereister, ein wenig Fachkunde im hier verorteten Idiom kann in diesen Tagen nun wahrlich nicht schaden.

Und so will ich an dieser Stelle täglich – und das ist nicht wenig! – täglich also einen Öcher Ausdruck zum besten geben und in die Beziehung zur vorweihnachtlichen Öcher Jelassenheit stellen. In diesem Sinne: Völ Pläsier än kommt bau wier! (Viel Spaß und kommt bald wieder auf diese Seite!)

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1. Oes!

Ein Ausruf, mit dem man in Aachen immer punkten kann. Das Ass, charmant auch: das Luder – nein, die Übersetzung ins Hochdeutsche hat nicht annähernd so viel Charme wie das Öcher Oes! Das O schön lang gezogen, nach hinten das stimmlose E mit einem eigentlich nur gedachten, federweichen W angebunden, um im scharfen S zu enden. Oes, zweisilbig: wie Saukäs!

Oes noch! Das verschärft den Ausdruck der Freude, des Entsetzens, der Anerkennung, des Respekts: Oes, wat ene Keäl!

Meine Oma, die ich in den kommenden Tagen als meine Lehrmeisterin dieser wunderbaren Sprache noch mehrfach bemühen werde, sagte am 1. Dezember immer: Oes noch, at wier Advent! Schon wieder geht’s also mit großen Schritt aufs Fest zu!