Das Aachen-Blog

Kategorie: Ameröllchen (Seite 4 von 5)

Nico, au Banan!

„Geh‘ voran, geh‘ voran, mit Hoffnung in Deinem Herzen, und Du wirst niemals alleine gehen; Du wirst niemaaaals allei-heine geee-heeen…“

7uhr15-Chefreporter Oli Lindenau hat einst wochenlang in seinem Hobbykeller den großen Stadionhit „You’ll never walk alone“ ins Deutsche übersetzt und darauf gehofft, dass irgendwann diese Version die gute alte englische Fassung von der Anfield Road ablösen würde. Gut, das ist so jetzt nicht in Erfüllung gegangen.
kickerWas mich allerdings Woche für Woche mit Hoffnung erfüllt – wann immer ich also meinen Schritt in Richtung Sportplatz lenke, um das aktuelle Geschehen im Kinderfußball zu verfolgen -, ist der felsenfeste Rückhalt, der die Fjugendfußballereltern für ihre kleinen Kicker sind.

Jüngst in Kellersberg passierte etwa in der 13. Minute das Folgende, das ich in der Zuversicht, dass Kinder dieses Blog nicht lesen, mich nun zu veröffentlichen traue.

Kellersberg lag zurück, so um die 3 oder 4:0, als sich eine junge Frau, die sich alsbald als Mutter der brillant gegelten Nummer 7 (orangene Schuhe!) entpuppte, wüst zu brüllen begann: „Leckmijamaasch, Nico, au Banan“, legte sie los, so laut, dass die Welt für einen Moment stehenzubleiben drohte,, „kannste mich emal sagen, wofür ich dich heute morjen Rührei jemacht hab‘!“ Ja, wofür eigentlich!? Eine solche Investition – und dann dieser spärliche Ertrag! Nico, au Banan!

Oli, komm, wir singen für Nico: „Jeh‘ voran, au Banan, mit Hoffnung in Deinem Herzen, und Du wirst niemals alleine jehen; Deine Mama macht dich auch et nä-hä-hächste Mal wieder Rü-hü-hür-ei-hei-heijer!“

Im Leid taucht auf: ein neuer Freund

Der ältere Herr, der schon lange bei jedem Heimspiel auf dem Tivoli neben mir sitzt, hat heute in einer Gefühlswallung tatsächlich zum ersten Mal mit mir gesprochen. Was heißt gesprochen? Angeschrien hat er mich, mitten im Spiel, als auf dem Grün gerade ein Fünfmeterpass ungeschickt versprang. Es sprudelte aus ihm heraus: „Sagmichwarumwir…“ Luft holen, „…nichinbarcelonawohnen?!“

Jenau, warum eijentlich nich‘? Vielleicht weil immer jewinnen auch doof is‘?! Da hat er gelacht. Bei all dem Leid!

Auf alle Fälle sind wir nett ins Gespräch gekommen. Wofür Krisen gut sind! Die schmerzlich Leidenden finden zueinander, finden Trost im Wort. Ich weiß jetzt, dass die schwarz-gelbe Rarität zur Linken schon „seit Michel Pfeiffer auf dr Tivoli jeht“. Ob seit Spieler oder Trainer Pfeiffer ergründen wir beim nächsten Mal.

Im Gehen noch eine Weisheit meines neuen Tribünenfreundes. „Hör, nur dat noch: Ich hab se alle kommen und jehen sehen, zwei Sachen sind immer jeblieben,“ bedeutungsschwere Pause: „de Alemannia und ich.“

In diesem Sinne: #niemalsdritteliga!

Die Kinder lernen ja doch was! Im Französischbuch geht’s um Aachen.

À Aix-la-chapelle. In Aachen. En Oche.

Da soll noch mal einer sagen, die Kinder von heute würden in der Schule von heute nix lernen! Unsere Tochter geht in die siebte Klasse, lernt dort die französische Sprache, hat folglich ein Französisch-Buch – und das lag gestern Abend auf dem Wohnzimmertisch.

Der Freund des geschriebenen Wortes nimmt es sich, fängt an zu stöbern und stockt: Oppla, c’est Oche! Huch, das ist Aix-la-Chapelle!

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Charlemagne – ein Deutscher oder ein Franzose, fragt der Junge aus Frankreich. Bleib gelassen, Freund, will man da rufen: Karl der Jroße war in erster Linie ein Öcher!

Tatsächlich macht also Madame Lecoq, souveräne Hauptdarstellerin des Lehrbuches mit phantasischem Namen, Urlaub – das ist der Wahnsinn – in des Kaisers Städtchen. Weil es hier eben nicht nur viel über Charlemagne, also Karl den Großen, zu entdecken gibt, nein, weil es hier – wie dort steht – vor allem auch Subjonctife gibt.

Subjongwat? Ein Anruf beim Verkehrsverein bringt keine Erhellung, weil eine Attraktion solchen Namens dort nicht bekannt ist. Dass es einige suboptimale Subjekte in dieser Stadt gebe, stehe außer Frage, heißt es, aber Subjonctife?!

Gut, unsere Tochter hat uns später erläutert, dass sich in besagtem Aachen-Kapitel eher alles um ein grammatikalisches Phänomen diesen Namens drehe! Du bist so peinlich, Papa!

Nun sehe ich das erstens ein, finde es zweitens sogar einleuchtend und gehe drittens bis auf weiteres davon aus, dass es bei diesem grammatikalischen Thema, das in Aachen spielt, nur um den sauberen Umgang mit dem Wortpaar mir und mich gehen kann.

Auf alle Fälle ein gutes Buch. Beruhigend zu wissen, dass heute in der Schule so richtig gelernt wird.

In diesem Zusammenhang möchte ich an einen frühen Öcher Lehrsatz erinnern, den mir meine Oma jelernt hat:

„Mir und mich verwechsel‘ ich nicht,
Das kommt bei mich nicht vor.
Denn hinter mich steht meine Bruder,
Der sagt mich alles vor.“

De Fornöis: Das prasselnde Feuer, die warme Stube und der Rosenkranz

Immer wenn unser Opa mit dem frisch gehackten Holz – alles möngchensmoeß, also passgenau – de Trapp eropjeschravelt koem, dann wussten wir Kinder, dass es gleich gemütlich wird.

„Oes, wat e schönn Füür“, zollte meine Oma ihrem Mann, den sie ebenso kurz wie liebevoll Vadder nannte, wenig später ein Kompliment für das prasselnde Feuer. Ja, unser Opa beherrschte viele Disziplinen, de Fornöis ze stouche war eine seiner vornehmsten.

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De Fornöis. Heute wird’s im Adventskalender hier im Heimatblog also warm, vor allem warm ums Herz, heute reden wir über diesen stattlichen Herd, der sicherlich seinen Anteil daran hatte, dass die Küche unserer Großeltern die zentrale Versammlungs- und Kundgebungsstätte unserer Familie war.

Ein stolzes, gußeisernes Teil, gefühlte hundert Jahre alt, mit einem doppelgeringten Feuerloch, mit einem eisernen, stets fein gewienerten Handlauf, einem Backofen und einem Kohlekasten auf Rädern, den wir Kinder stets elegant in die dafür vorgesehene „Ofen-Garage“ einparkten.

De Fornöis. Wenn unser Opa et jot drophau, dann befeuerte er das Teil, dass die Herdplatte rotglühend schien und das „leckere Temperatürschen“ aus der Küche das ganze Haus heizte. Eine Attacke gegen den Frost, der die großen Eisblumen ans Fenster gemalt hatte, ein feiner Konter gegen den Schnee, der den großen – heute würde man sagen: naturbelassenen – Garten weiß zuckerte.

Oma än Opa aan de Fornöis, en Keäz op dr Dösch, dr Ruesekranz ejjen Häng.

Meine Großeltern beteten jeden Tag im späten Nachmittag – vor dem Abendbrot, vor einer Runde „Sechsundsechzig“ und vor den Fernsehnachrichten – den Rosenkranz.

Oma thronte dabei in ihrem gewaltigen Ohrensessel direkt neben dem Herd, Opa saß auf dem Holzstuhl rechts neben dem Fenster. Und so ging das Gebet, gemeinsam, im Wechselgesang, hin und her, unaufgeregt die ganze Litanei rauf und runter, das dauerte lange, sehr lange. Wunderbar lange.

Wir Kinder liebten es, saßen versunken auf dem dickgepolsterten Sofa, beteten mit oder hörten einfach nur zu.

Hätte ich einen Wunsch frei, dann würde ich einen solchen Nachmittag im Advent in der Küche von Oma und Opa, einen solchen Nachmittag aan de Fornöis, gerne noch einmal erleben.

Als der Christbaum umkippte…

Es ist so schön, diese kleine Adventsserie zu schreiben, weil mir so viele wunderbare Gegebenheiten aus der Kindheit einfallen, die sich ja schwerpunktmäßig im (Nord-)Osten unserer geliebten Stadt abspielte.

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Habe ich schon einmal in diesem Heimatblog davon berichtet, dass ich dem Fußball zeitlebens nahestand und immer noch stehe?! Ja? Gut, es fing ja auch früh an, im örtlichen Verein, und zwar in einem, wie man ihn sich vorstellt.

Und irgendwann im Dezember wurden wir kleinen Burschen dann immer – mit feurigen Wangen – ins Sälchen der keinesfalls zufällig vor dem Sportplatz errichteten Vereinskneipe eingeladen. Und dann kam er.

Der Hellijemann

Eigentlich konnten wir alle auf den ersten Blick erkennen, dass der Mann, der nachweislich das feierlichste Gewand unseres Pastors trug, der Ehrenpräsident des Vereins war. Worauf das Hinkebein und das ebenso stockende, wie jestreifte Hochdeutsch im Vortrag hinwies. „Seid’r denn allemale da?“

Ejal. Der Alterspräsident war an diesen Abenden der Nikolaus, der Hellijemann, der Zenterkloes, da gab es keine Zweifel. Und dann sprach er über „jute Trainingsleistungen, nich‘ jeputzte Fußballschuhe – und das find‘ ich jar nich‘ fein“. Und eigentlich fehlte nur das „dreifach kräftije Hipphipphurra“.

Weltklasse! Timo heute im AN-Adventskalender!
Bildschirmfoto 2011-12-05 um 07.02.31
Na, wenn das nicht perfekt passt: Timo, Motor der F2-Kicker von Hertha Walheim, hat einen Wunsch frei. Und er bittet in den Aachener Nachrichten vom Tage, dass ihm die Nachbarin doch seinen Ball zurückgeben möge, den er über den Zaun geschossen hat. Och härrm: „Ich habe mich doch entschuldigt!“ Wir drücken alle die Daumen, Timo! Klassefoto von Harald Krömer.

Als in einem Jahr während der Audienz plötzlich der Weihnachtsbaum wankte, und dem Heiligen Mann, der das drohende Unglück als Erster kommen sah, ein „Leck mich ejjen Täisch, der Boum!“ entfuhr, lachte der ganze Saal. Aber das Vertrauen wich nie: Wieso sollte der Nikolaus nicht auch Öcher Platt sprechen!?

Ihm zur Seite stand in jedem Jahr ein finsterer Geselle, der Klassiker eines Hansmuffs, den wir später dann mit scharfem Verstand als den linken Verteidiger unserer „Ersten“ entlarvten. Eine Idealbesetzung, wie ich heute sagen würde. Der „Schwore“, wie ihn alle riefen, war auch auf dem Platz ein humorloser Brocken, der fehlende Schnelligkeit durch kompromissloses Grätschen und grimmigen Blick zu kompensieren wusste.

Der Hellijemann. Später, wenn wir das Sälchen unserer Vereinskneipe mit roten Wangen und einer vollen Tüte (Printenmann, Apfelsine, Apfel, Nüsse, kandierte Datteln, Schokoriegel!) verließen, passierten wir die Theke. Und da standen dann der Schwore und der Ehrenpräsident in Zivil, gönnten sich nach getaner Tat e Köppelchen und grinsten ein „Schönenabendnochjonge“.

Und aus der Tasche, die zwischen ihnen stand, lugte die Spitze der Bischofsmitra.

Karl Kaisers Kinder, so reden sie. Heute: Keeper! Dem wahren Leben abgelauscht.

Dialog im Bus, Linie 41, von draußen rein in die Stadt. Zwei ältere Öcher Damen im Gespräch, zu Füßen der einen ein Hund. Entfernt mit einem Cockerspaniel verwandt, könnte auch ein Dackel dran beteiligt gewesen sein.

Öcher Dame I: Auch mit der Bus heute?
Öcher Dame II: Ja. Bei dat Wetter. Jeh ich jleich mit der Hund ze Fuß zerück.
I: Ene nette Hund!
II: Ja, dat is der Keeper.
I: Pieper?
II: Nein, Keeper.
I: Fieper?
II: KEEPER. Mit K wie Kaiser Karl.
I: Ach so. Wat is dat denn, ene Kieper? Wat soll dat heißen?
II: Dat weiß ich auch net, deä heiß‘ einfach eso.
I: Ja, aber Se müssen sich doch wat dabei jedacht haben!
II: Deä is‘ net von mich, deä is‘ von die jungen Leute in et Haus. Die sind über et Wochenende weg, dann hab‘ ich dem immer.
I: Ach so. Dat is aber ene Liebe, wa!
II: Sehr lieb, deä bellt kaum.
I: Ja.
II: Seijvert wohl.
I: Aber net eso wie meine Mann. (lacht sich kaputt)

(Pause).

I (offiziell): Was haben wir ein Wetter!
II: Herrlisch.
I: Und de Bäume hängen eso voll mit Obs‘!
II: Einmalig. Wir haben Äppel, ene schöne Kocksoransch, Äppel, wir könnten ene Laden aufmachen, hab ich heut‘ morjen noch an meine Mann jesagt.
I: Aber et is ja alles in Hülle und Fülle da. Wir haben Wahlnüsse, körbeweise!
II: Hab ich jern, Wahlnüsse. Sind ja auch jut für dr Cholesterin.
I: Und dr Zucker.

(Pause, der Bus rollt Richtung Haltestelle Burtscheid. II macht Anstalten zu gehen)

I: Müssen Se eraus?
II: Ja, wir zwei jehen jetz‘ auf der Markt und dann ze Fuß zerück. Wa, Keeper!
I: Kieper. Ich komm‘ net über deä Nam! Wird dat mit „ie“ jeschrieben.
II (im Gehen begriffen): Dat weiß ich nit, aber dat is der Keeper auch ejal, wa Jung. (Zum Hund) Du kanns‘ ja überhaup‘ nich‘ lesen. Tschö! (Ab)

I (jetzt allein, für sich): Kieper! Wat kann man e so Tier antun…

„…und du bis‘ bei die schwache!“

Das nächste Wochenende, das nächste F-Junioren-Turnier, der nächste Trainerspruch – einfach mal so aufgeschnappt.

Sagt der Übungsleiter auf die wiederholte Frage eines wackeren Kleinkickers (7 bis 8 Jahre), warum ein Teil seiner Mannschaft blaue, der andere rote Trikots trägt, völlig genervt: „Pass auf, Marvin, wir sind heute so viele, da hab‘ ich ene starke und ene schwache Mannschaft jemacht. Und du bis‘ bei die schwache.“

Kurze Pause: „Und wenn dich dat nit pass‘, kannste mit deine Vater nach Hause fahren und Frauen-WM kucken!“

kicker

Das sind doch klare Ansagen, kernige Statements. Nein, kein Schnullibulli, kein verbales Kleinklein.

*** Mehr zum Thema:

Das Podcast vom letzten Turnier…
:DD HIER KLICKEN: Weil laut bellt der Trainer des anderen Vereins seine Bambini-Kicker an: „Bewegt euch, ihr Pfeifen!“

Podcast: Und laut bellt der Trainer: „Kevin, au Banan, beweäsch dich!“

Wer wie ich die Sams-, Sonn-, Feier- und freien Tage am Spielfeldrand verbringt, um dem hoffnungsvollen Nachwuchs beim Kicken zuzuschauen, der erlebt was. Kriegt was zu hören! Beteiligt sich selbst emotional.

kicker

Ja jut, man könnte das als gegeben hinnehmen, man kann aber auch ein kleines Podcast draus bauen. Was mir in diesem Fall ein Anliegen ist.

:DD HIER KLICKEN: Weil laut bellt der Trainer des anderen Vereins seine Bambini-Kicker an: „Bewegt euch, ihr Pfeifen!“

Dann hab‘ ich et Übberjewicht jekrischt!

Der eine ist in dieser Stadt „ene Latzepansch“ – ein dürrer Hering, so würde es mein Nachbar, ein gebürtiger Bremer, sagen.

Der andere ist in dieser Stadt „ene Pummel“ – klar, ein Dicker.

Wer genau wissen will, was Sache ist, fragt unverblümt und direkt: „Un‘, wat wieschste?“ Und dann, wenn’s gut läuft, folgt eine Gewichtsangabe. Nicht selten ist die Schlussfolgerung: Saukäs, klarer Fall von Übberjewicht!

Als ich nun gestern über die Theaterstraße ging, fiel, weil sie wohl nach einer brenzligen Situation mit einem Auto die Kontrolle über ihr Rad verloren hatte, eine Frau sanft, aber immerhin direkt vor mir auf den Bürgersteig.

Nix weiter passiert, dem Himmel sei Dank, ich half ihr hoch. Und zur Erklärung bemühte sich die Öcher Dame nun nach ein paar unflätigen Worten über den dreisten Autofahrer im Philosophischen: „…ich weiß et auch nich‘, auf alle Fälle hab‘ ich dann irjendwie et Übberjewicht jekrischt!“

Öcher Maßeinheit für verlorenes Gleichgewicht = Übberjewicht kriejen!

Auch darüber wird in den nächsten Tagen noch mit unserem Öcher Platt-Lehrer „Dr Karl“ zu sprechen sein.

„Man jeht bei Jrün, merk‘ dich dat!“

Schön, wenn der Bildungsanspruch, den wir mit diesem Aachen-Blog erheben, tatsächlich Früchte trägt. Oder zu scheinen trägt, weil man ja letztlich nicht weiß, ob es sich beim hier und da im öffentlichen Raum aktiven Interpreten unserer schönen Heimatsprache um einen Ureinwohner handelt, der das Öcher Platt ohnedies drauf hat. Oder ob denn ein Neuling – quasi inspiriert durchs Aachen-Blog – das frisch Erlernte gerade in der Praxis testet.

rotmannDie Geschichte aus dem Alltag (Samstag, kurz nach 18 Uhr passiert) geht so: An der Vennbahnweg-Ampel an der Trierer Straße steht ein ebenso kerniger wie wuchtiger Mann mittleren Alters mit seinem kleinen Sohn, und die beiden warten geduldig auf Grün. Über die rote Fußgängerampel – ihnen entgegen – läuft indes ein junger Typ. Der Vater sieht Rot!

„Deä Eäsel“, sagt er halblaut, um dann, als der Rotläufer in Hörnähe ist, mit dem schönen Wortgebilde „Hörensemaldatisnichihrerns‘!“ in ein Fachgespräch einzusteigen, das von beiden Seiten – na, sagen wir – emotional fortgesetzt wird.

Es tauchen darin von der einen Seite (junger Rotläufer) die schönen Begriffe „Vollpfosten“ und „Maul halten, Alter“ auf, was von der anderen Seite (Vadder) mit den Wortperlen „Dures“, „Komuedehellije“, „kollije Natur“, „Breijmul“, „Kluet“ und – besonders gelungen – „dann han ich dich met dr Hals, Männche!“ gekontert wird.

So viel Brillanz im Öcher Ausdruck, so viel Anmut und Wortgewandtheit seiner Schüler erfreut jeden Lehrer. Und so würde es uns interessieren, ob der Wagges an der Ampel womöglich Student unserer Öcher-Platt-Akademie hier auf 7uhr15.ac ist? Wenn ja, bitte melden! Das gibt drei Fleißkärtchen!

gruenmannAm Ende, als sich der Pulverdampf gelegt hat, die Ampel bei Grün passiert ist, fragt der kleine Junge an der Hand des aufbrausenden Vaters, warum der sich denn so über diesen Mann aufgeregt habe. „So’n Leute, Jöngsje,“, antwortete der Vater, „sind einfach schlechte Vorbilder für Kinder!“ Und dann: „Aber et is eijentlich janz einfach: Man jeht bei Jrün, Jung, merk dich dat!“