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Tag: Leben (page 2 of 2)

Öcher Advent – heute: Chreßmes

Weihnachten, Chreßmes oder Chreßfess wie der Öcher sagt. Oes, at wier Chreßmes!

Bisweilen fällt (fiel) das in Aachen auch rustikal aus. Ein mir gut bekannter Öcher Ureinwohner erinnert sich gerne an früher: „Wenn vür heäm et Chreßfess fierete, wor dr Huuswiiet ajjen Heck!“ Hochdeutsche Übersetzung: Hier wird von einer Weihnachtsfeier berichtet, die dem Vermieter einigen Kummer bereitete…

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24. Chreßmes
Ich freue mich in diesem Jahr richtig aufs Fest. Vielleicht liegt es ja am Öcher Adventskalender an dieser Stelle, auf dessen Fortschreibung ich jeden Tag hingefiebert habe. Diese „funkelnde Lichterzeit der Erwartung“, von der mir in diesen Tagen ein lieber Mensch schrieb, habe ich diesmal auch als solche erlebt. Danke für die Resonanz, das hat mich sehr berührt.

Alleda, der Hellije Ovvend – der Öcher sätt Chreßovvend – es doe. Än överall op de Welt weäd et Evangjeliom van et Chreßkengche verzahlt.

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Diese Geschichte wird in allen Sprachen weitergegeben. Zusammen mit meinem lieben Freund und Weggefährten Uwe Brandt möchte ich sie heute an dieser Stelle in unserer Sprache zum Besten geben. Uns hat das viel Freude gemacht.

Allen da draußen an den Empfangsgeräten wünsche ich ein frohes, geruhsames, erholsames Weihnachtsfest! E jlöcksellig Chreßfess!

Chreßmes – Let, Freud än Hoffnonk!

***Und hier geht’s zur Öcher Weihnachtsgeschichte:

:DD Die mp3-Version für den PC. Hier landet man direkt auf meiner Podhost-Seite und klickt den Playbutton.

:DD Die Fassung für den Mac.

:DD ***Viel geklickt wird auch die Hörprobe, die unsere Kinder in der Öcher-Platt-Schule aufgenommen haben. (Alle 7uhr15-Podcasts)

Alle Folgen des Öcher Adventskalenders gibt es in der Box rechts auf dieser Seite.

Hier auf 7uhr15.ac geht es natürlich weiter, klar.

Öcher Advent – heute: Mi’woch

Der „dicke Heinz“ kam am liebsten mittwochs meine Oma besuchen. Er war ihr aus der Schar der 49 Neffen und Nichten besonders ans Herz gewachsen. Der dicke Heinz – so nannten wir ihn alle – kam dann immer mit dem Fahrrad aus Brand nach Eilendorf, va weäje met de Tant jet verzälle.

Und wenn der dicke Heinz so ein paar Stündchen bei meiner Oma auf dr Sofa jesessen und diverse Gläschen Wiimele (schwarze Johannisbeeren an Klarem, ein Teufelszeug!) jekippt und ein Päckchen Ernte 23 in Rauch aufgelöst hatte, sprach er den Lieblingssatz von uns Kindern: „Jetz‘ piif ich mich noch eng, da bin ich futt!“ Diesen Satz wiederholte er über Stunden.

Wenn der dicke Heinz am Ende tatsächlich die letzte Ernte 23 gepafft hatte und sein Fahrrad nun den kurvigen Weg Richtung Brand einschlagen sollte, fragte meine Oma: „Än Jong, wann köns du da wier?“ – „Kann ich noch net jenau sage, Tant“, sagte der dicke Heinz und wurde offiziell: „Aber auf alle Fälle ene Mi’woch.“

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21. Mi’woch

Ich liebe diese Sprache – und ich bin vor allem begeistert vom sparsamen Umgang des Öchers mit dem schönen Buchstaben t. Die genaue Regel für das fehlende t ist mir trotz aller Untersuchungen noch nich‘ klar, aber das schmälert die Freude keineswegs.

Jetz‘ in dr A’vent bin ich jern zehaus, da trink ich mich e Bi’burger, kuck de Spor’schau, freu mich, wenn Jla’bach se jetupp‘ krisch‘. Dann denk ich an mein Frau, die jra‘ mit der Bus nach dr Haup’bahnhof am Fahren is‘. Mich is et ejal, ich liesch ja jemü’lich auf de Kausch.

***In eigener Sache: Ich freue mich riesig über die Resonanz auf den 7uhr15-Kalender. Am meisten geklickt werden derzeit die Episoden Kenger (mit dem Podcast) und dr Boum (mit der Bastelanleitung).

Öcher Advent – heute: Fornöis

Immer wenn mein Opa mit dem frisch gehackten Holz – alles möngchensmoeß – de Trapp eropjeschravelt koem, dann wussten wir Kinder, dass es gleich gemütlich wird.

Oes, wat e schönn Füür“, zollte meine Oma ihrem Mann, den sie kurz Vadder nannte, wenig später ein Kompliment für das prasselnde Feuer. Ja, mein Opa beherrschte viele Disziplinen, de Fornöis ze stouche war eine seiner vornehmsten.

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12. Fornöis
Heute wird’s also warm, vor allem warm ums Herz, heute reden wir über diesen stattlichen Herd, der sicherlich seinen Anteil daran hatte, dass die Küche meiner Großeltern die zentrale Versammlungs- und Kundgebungsstätte unserer Familie war.

Ein stolzes, gußeisernes Teil, gefühlte hundert Jahre alt, mit einem doppelgeringten Feuerloch, mit einem eisernen, stets fein gewienerten Handlauf, einem Backofen und einem Kohlekasten auf Rädern, den wir Kinder stets elegant in die dafür vorgesehene „Ofen-Garage“ einparkten.

De Fornöis. Wenn unser Opa et jot drophau, dann befeuerte er das Teil, dass die Herdplatte rotglühend schien und das „leckere Temperatürschen“ aus der Küche das ganze Haus heizte. Eine Attacke gegen den Frost, der die großen Eisblumen ans Fenster gemalt hatte, ein feiner Konter gegen den Schnee, der den großen – heute würde man sagen: naturbelassenen – Garten weiß zuckerte.

Oma än Opa aan de Fornöis, en Keäz op dr Dösch, dr Ruesekranz ejjen Häng.

Meine Großeltern beteten jeden Tag im späten Nachmittag – vor dem Abendbrot, vor einer Runde Sechsundsechzig und vor den Fernsehnachrichten – den Rosenkranz.

Oma thronte dabei in ihrem gewaltigen Ohrensessel direkt neben dem Herd, Opa saß auf dem Holzstuhl rechts neben dem Fenster. Und so ging das Gebet, gemeinsam, im Wechselgesang, hin und her, unaufgeregt die ganze Litanei rauf und runter, das dauerte lange, sehr lange. Wunderbar lange.

Wir Kinder liebten es, saßen versunken auf dem dickgepolsterten Sofa, beteten mit oder hörten einfach nur zu.

Hätte ich einen Wunsch frei, dann würde ich einen solchen Nachmittag im Advent in der Küche von Oma und Opa, einen solchen Nachmittag aan de Fornöis, gerne noch einmal erleben.

Öcher Advent – heute: Merssi

Der Advent schreitet voran, unaufhaltsam, und die Zeit ist reif, mal merssi zu sagen. Wem? Das sei einem jeden selbst überlassen, Gründe gibt es bei genauer Betrachtung ja zuhauf.

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10. Merssi
Ja, man kann das gar nicht laut genug sagen: Merssi oder noch prononcierter völmoels merssi, wie der Öcher sätt.

Weil’s ja sonst zu kurz kommt und weil es ja auch – außer ein bisschen Überwindung – nicht viel kostet.

Der Vorteil am Öcher Danke ist zudem sein deftiger, von Herzen kommender Klang: Nicht merci, wie de Freunde von Ostbeljien mit e chpitz Müllchen sagen, sondern eher kernig, merssi: mehr ä als e, mehr Betonung auf der ersten als der zweiten Silbe, auch gerne jovial eingeleitet mit „hür,…“ und einem kleinen Päuschen: „…merssi, Aue!“

***Der ultimative Video-Tipp: Unschlagbar ist in diesem Zusammenhang – auch wenn es leider nicht in Aachen spielt – das honigsüße Dankeschön, das FC Bayern-Vorstandschef Rummenigge in Reimform dem kaiserlichsten aller Kicker, dem Franz, auf der Jahreshauptversammlung des Multikonzerns auftischte.

Das ist allerfeinste Lyrik. Da ist einer mit einem Sack Wörter in den Hobbykeller gegangen und hat sich so lange eingeschlossen, bis et sich reimte. Ich schüttel dir die Kralle: Merssi, Kalle!

Öcher Advent – heute: hajelevoll

Ohwei, hoppela, wie – hupps – fang‘ ich jetz‘ et beiste – hoppela – aan? Minge Leijve, dat sönd ävver völ Knöpp heij op deä Kommputer. Oes!

Oiqwerz bpqer7tgzhq3tf zq – pardong, dat wor minge Kopp. Hihi, ich jlöiv, dat ich hajelevoll ben.

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9. Hajelevoll
Der Weihnachtsmarkt hat seine, hupps, eijenen Jesetze! Krepierde Jlühwein! Steäreprittejranatehajelevoll.

Eijeijei, die Welt is‘ sich am Drehen! Saukäs, ich jlöiv, ich moss mich jet doleäje…