Das Aachen-Blog

Kategorie: Öcher (Seite 4 von 71)

„Ich hab jeweint. Vor Jlück!“

Zwischen „herrlisch“ und „einmalisch“ schlägt das Begeisterungsbarometer aus. „Dat erlebste doch nur einmal im Leben“, sagt sie. So hoher Besuch bei uns in Aachen! Und gewinkt haben die zwei. „Einfach so! Jroßartisch.“

„Näher kommste an denen nie mehr dran.“ Ein Satz, der keinen Widerspruch duldet. Eine Feststellung. Der Öcher, in dem Fall die Öcherin bringt es auf den Punkt, wenn er/sie begeistert ist.

Vor allem die Königin, und, „jut, auch dr Könisch“ sind die Stars der Reitturnier-Woche 2016. Tschio Royal. Erst Empfang auf dem Marktplatz, drei Stunden vor der Ankunft der Schweden stand sie – „mit et Ännchen“ – schon vorne am Drängelgitter. Dann  – „dr Tag drauf“ – die Eröffnungsfeier.

Und dort die Krönung: Es lief ABBA-Musik im Stadion („nich‘ dat berühmte Lied, nein, dat andere“), und dann wurde Silvia und Carl Justaf „auf dr 40. Hochzeitstag jrateliert“. Und dann sind die beiden aufgestanden und haben  „in et Stadion  jelächelt und jewinkt“.

Das war für unser Öcher Mädchen älteren Semesters dann endgültig zu viel: „Ich hab jeweint. Vor Jlück!“

Für derlei Momente kann sie sich begeistern. Das ist wunderbar.

Future Lab – so innovativ ist Aachen!

Super Auftakt für ein großartiges Projekt. Dass wir in Des Kaisers Stadt Tradition können, weiß jeder. Römer, Karl, Dom, klar.

Aber dass wir in Aachen auch Innovation locker drauf haben, beweist jetzt das Future Lab Aachen: Hochschulen, moderne Firmen und die Stadt zeigen, was in Sachen Wissenschaft, Forschung und Innovation geboten ist.

Den verblüffenden Auftakt gab es jetzt im Theater bei der Future Lab-Gala. 

Fotos: Stadt Aachen/Andreas Steindl

7uhr15 ist wieder da!

Oes, da isset wieder: das Aachen-Blog. Neu gestaltet, modern, übersichtlich. Und auch inhaltlich einmal überarbeitet, von vorne bis hinten durchforstet, die schönsten 7uhr15-Perlchen neu sortiert und für die ersten Seiten aufbereitet; dahinter – quasi archiviert – ganz viele Geschichten, Bilder und Momente aus sechs Jahren Aachen-Blog.

Jetzt machen wir weiter.

Es wird neue 7Uhr15-Beiträge aus Aachen geben, Ameröllchen und Augenblicke. Hier ist nicht die  Aktualität der Taktgeber. Keine Hektik und keine Knotterei. Hier zeigen sich Aachen und die Öcher von ihren besonderen und prägnanten, den schönen Seiten eben.

Blättert doch einfach mal durch, ich freue mich natürlich über ein paar nette Worte und Anregungen.

Das ist auch neu: Unten und oben auf der Startseite gibt es die Links zu Twitter und dem umfangreichen Instagram-Auftritt. Und damit Ihr die Geschichten schneller findet, sind jetzt Kategorien eingerichtet: Ameröllchen, Öcher Tüen, Heinz&Willi, Öcher-Platt-Schule, Magisches Zweieck und so weiter…

Dat noch: Die Sprache der Heimat kommt im Aachen-Blog natürlich nicht zu kurz. Völ Pläsier!

Bernd Büttgens

 

„Der Jürjen jrillt!“

(Erstmalig erschienen im Mai 2012 – aber Jürjen ist nach wie vor aktiv…)

Es war Mitte April, ein kühler und doch windstiller Tag, die Sonnenscheindauer hatte die 14-Minuten-Marke durchbrochen, da stand mit einem Mal am frühen Abend eine Rauchsäule über unserem Viertel. „Der Jürjen jrillt“, sagte die Nachbarin, „wir haben den Winter so jut wie überstanden.“ Die Ältesten im Ort fragten, was schlimmer wäre: der harte Winter – oder Jürgen am Grill? Sie fragen das jedes Jahr um diese Zeit.

grillmeister

Ab dann grillt Jürgen durchgängig. Wenn er nicht gerade neues Grillgut, Kohle und ein Kistchen „Jrillbier“ einkaufen fährt.

Ich kann das alles aufschreiben, weil Jürgen es eh nicht liest. Über Pfingsten ist er mit der Familie in Holland am Meer, Camping. Gestern Morgen standen ein paar von uns Männern um sein Auto und fachsimpelten, wie der Grill am besten zu verstauen wäre. Gesetzt war das: der rostfreie „Multipower-Garomator“ mit extra Brennkammer und mobilem Kamin kommt als erstes in den Kofferraum. Es war noch Platz für den Grillkoffer, Grillbier, eine Tasche – und Schluss.

Pickepackevoll die Kiste. Als Jürgens Kleiner nach seinem Fußball rief, erhielt er zur Antwort, man könnte auch alles übertreiben und für die drei Tage einen Ball mitnehmen . . .

Jürgen macht am Grill alles. Auseinanderhalten kann man das Ergebnis später auf dem Teller nicht. Glauben wir ihm, dann sind Wurst, Huhn, Pute, Lamm, Schwein, Rind, Lachs, ja, auch Scampis im Angebot. Zuletzt hat Jürgen nach anfänglichem Protest einen vegetarischen Bratling gegrillt und kurz mit einem Schuss Grillbier abgelöscht.

Standard ist hingegen das geröstete Brot mit Kräuterbutter, die Evi, seine Frau und Assistentin an der Grillstation, so köstlich zubereitet. „Vorbereitet“, seziert Jürgen die Worte fein – weil die finale Form findet alles Grillgut auf der Holzkohle, die aufzulegen nur der Meister versteht.

Franz-Josef, der Nachbar zu Jürgens linker Hand, hat sich in dieser Saison bereiterklärt, die Telefonkette zu starten, wenn Jürgen an den Rost tritt. Dann werden schnell die Fenster geschlossen. Die Kinder wissen auch, was zu tun ist, sie kommen rein – schon alleine wegen der Stichflamme, wenn das Streichholz in die spiritussatte Kohle fliegt. Auch wenn es eigentlich sehenswert ist.

Einmal im Jahr müssen wir mitessen. Davor haben wir alle Angst. Aber jetzt ist erstmal Pfingsten, die Sonne scheint. Und Jürgen ist am Meer.

(Diese Glose hat Didier Marlier für sein Online-Magazin Mediapart ins Französische übersetzt)

 

Von Reitern, die Pilger treffen. Oder: „Jejrüßetseistemariavondrjnaden…“

Man ist erstaunt, wie viele Freunde das Glück der Welt doch auf den Rücken der Pferde suchen.

Wobei: Im Schiowunderland Aachen ist das ja eigentlich naheliegend. Und – das nur am Rande – Reiter werden immer gebraucht, wie der selige Loriot uns schon lehrte.

Auf alle Fälle durchmaß jüngst einer dieser Öcher Freunde auf einem morgendlichen Ausritt den hiesigen Forst und traf dabei auf eine Gruppe pilgernder Ureinwohner – auf der alten Schmugglertrasse Adamshäuschen – Moresnet.

pferd

Man darf sich das so vorstellen, dass der eine, als die Sonne gerade durchs Gebüsch strahlte, hoch zu Ross in Richtung Aachen traversierte und dabei die eine oder andere Piaffe ins Unterholz schnitzte, während die anderen dem Herrn am Kreuz folgend Richtung Reisfladen und Kaffee schravelten. Die fromme Frauengruppe hinter dem Heiland betete aus tiefem Herzen das Öcher „Jejrüßetseistemaria- vondrjnaden“, die dazugehörigen Herren folgten in einigem Abstand und beteten, dass die Alemannia nicht absteigt.

Nun kamen Ross, Reiter und Pilger auf die gleiche Höhe, es nahte also die Begegnung, und die Männerpilgergruppe nahm sofort – weil sie sich wohl von oben beobachtet fühlte – die Litanei der voranschreitenden jebenedeiten Weiber auf – „…isdiefruchtdeinesleibesjesus…“

Das ging gut, bis ein Pilger aufblickte, prompt den Reiter erkannte und den anderen Männern zurief: „Oes, doe könt dr Päul!“ Um dann die einzigartige Frage zu stellen: „Wat mach’s Du denn hier in der Wald?“ Worauf Päul, der in Wirklichkeit natürlich nicht Päul heißt, sagte: „Ich reite dadurch.“

Erste Unmutsbekundungen nebst bösen Blicken der betenden Schwestern vorne – „Ehreseidemvaterundemsohneundemheilijenjeist“ – waren Warnung genug und riefen die Männer zur Andacht.

Aus der Reihe „Jroße Öcher Dialoge“:
„Wat mach’s Du denn hier in der Wald?“ – „Ich reite dadurch.“

Der Reitersmann wiederum hatte aber auch noch eine Frage an die Landsmänner und rief aus der Höhe: „Und wofür seid ihr euch am Beten?“ „Pst!“, kam von gleich mehreren Frauen aus der langsam sich entfernenden Gruppe, da drehte sich ein Mann noch mal um und sagte: „Domet du net van dat Peäd fälls'“ und setzte wieder inbrünstig und ansatzlos ein: „Wieamanfangsoauchjetzunallezeituninewischkeitamen.“

 

Strand, nahe bei Aachen!

Genau, Strand, nahe bei Aachen: Domburg, Vrouwenpolder, Zoutelande – Walcheren!

Diese Gedanken schießen mir in den Kopf, wenn ich die Fotos im Smartphone durchblättere und an einem Bild hängen bleibe. Heute an diesem. Strand, nahe bei Aachen.

Bald wieder da!

Die (sicherlich wahre) Geschichte vom kleinen Antonius von Rothe Erde

Dieses Bild fiel mir dieser Tage noch mal auf dem Handy in die Hände. Das kleine Rathaus und das große Rathaus. Groß und klein, „dr Vadder än singe Klenge“, schoss es mir durch den Sinn, und sofort erinnerte ich mich an eine Geschichte, die mein Opa immer erzählte und von der ich immer noch glauben möchte, dass sie sich so zugetragen hat.

Foto

Sie spielt in Rothe Erde in lange zurückliegenden Tagen, und zwar in der dortigen Pfarrkirche St. Barbara. Und sie berichtet von einem Mann, einem Original, den mein Opa immer Klöss nannte, und der wohl seinen Job im Hüttenwerk verloren hatte. Als Klöss den Pastor beim Bierchen traf und dem frommen Mann von seinem Schicksal erzählte, gab der ihm den Rat, in der Kirche den Heiligen Antonius anzubeten. Christjläubije Leser wissen: Antonius hilft, Verlorenes wiederzufinden.

Klöss hielt nicht viel von derlei Ratschlägen, hatte aber Zeit, ging also in die Kirche, stellte sich vor die Antoniusfigur unter der Orgel, richtete sich auf, holte sein Sonntagsdeutsch heraus und sagte: „Juten Morjen, hellije Antonius, kannste mich neu Werk besorjen?!“ Er tat das ein wenig schroff, überlegte kurz und schob ein höfliches „Jefälligs“ hinterher, was dem hochdeutschen „Bitte“ je nach Betonung nahe kommt.

Der Küster, der diesen Auftritt unbemerkt mitbekommen hatte, war auch eine Woche später wieder da, als Klöss – etwas energischer – zurückkehrte. „Hür, Antonius! Wie is dat mit meine neue Stelle?“ Es sprach eine gewisse Ungeduld aus seinen Worten.

Mein Opa ließ dann den Küster einen dritten Besuch von Klöss belauschen, und diesmal soll es dann rustikal zur Sache gegangen sein, diesmal auch eher noch hochdeutscher: „Pass op, Tüen, wenn Du mich bis nächste Woche Mi’woch kein Werk jesucht has‘, hau‘ ich Dich von deä Sockel!“

Als der Küster dem Pastor die Geschichte erzählt hatte, kam der auf eine glorreiche Idee. In Sorge um die große und wertvolle Statue fiel ihm ein, dass in der Sakristei noch eine kleine Antonius-Figur stand. Die stellte der Küster nun an besagtem Mittwochmorgen auf, versteckte sich und wartete auf Klöss.

Der tatsächlich wutschnaubend anrollte, sich vor dem kleinen Antonius aufbaute und sagte: „Wo is‘ deine Vater?“ Worauf der Küster aus dem Versteck rief: „Dich Arbeit suchen!“ Klöss soll das beruhigt haben. Zumindest für eine Woche…

Papa, ich will nicht Gladbach sein!

(Schöne Erinnerung an einen Frühlingstag im Jahre 2009. Die Kinder noch klein – und eine intakte Alemannia!)

Okay, den Aufstieg hat die Alemannia vertagt. Dann eben nächstes Jahr. Dann gibt es das neue Stadion, passen auch mehr Leute rein, und draußen auf dem Vorplatz (zweieinhalb mal so groß wie der Aachener Markt) lässt sich prächtig feiern (Autokorso Krefelder Straße rauf, Krefelder Straße runter).

Die betrübte Seele erfuhr dann am Wochenende doch noch Aufheiterung, als mein Sohn (5) mit einem Mal auf die Terrasse trat und herzerweichend weinte. Ich stand im Gebüsch und gärtnerte meditativ, was nun schlagartig vorbei war. Ich fragte ihn besorgt, warum die Tränen denn nun flössen! Er erklärte mir, dass er mit seiner Schwester (10) im Wohnzimmer Fußball spielen wollte, dem häuslichen Brauch folgend zuvor aber die Mannschaften ausgelost werden mussten. „Und ich“, schluchzte der kleine Brasilianer, „und Papa, ich“, prust, schnupf, heul, „und ich will nicht Gladbach sein!“

„Das brauchst Du auch nicht, mein Schatz!“

„Das brauchst Du auch nicht, mein Schatz!“ Klare Worte des Vaters regelten, dass künftig Borussia Mönchengladbach aus dem heimischen Lostopf fliegt. Keins meiner Kinder muss jemals Gladbach sein!

Eine wunderbare Reaktion, finde ich. Ein Zeichen dafür, dass die Erziehung Früchte trägt. Dass die Kinder erkennen, was für sie gut, und was für sie schädlich ist.

(Erstmalig erschienen am 11. Mai 2009)

De Omma lernt dr Jung wat

Eben in der Bäckerei hat nicht nur der kleine Enkel was fürs Leben gelernt, sondern wir Umstehenden auch.

Es ging quasi um die Sinne und – wie in der Heimatstadt eigentlich immer – auch ums gepflegte Hochdeutsch.

Wir notieren. Es spricht die Omma zum Kind:

„Mit de Augen tust du kucken, mit de Hände fässt du dat Brötchen an, mit der Mund tust du dann schmecken, und mit de Ohren hörste, wat de Omma dich sagt. “

In dem Sinne, wa!