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„Ich hab jeweint. Vor Jlück!“

Zwischen „herrlisch“ und „einmalisch“ schlägt das Begeisterungsbarometer aus. „Dat erlebste doch nur einmal im Leben“, sagt sie. So hoher Besuch bei uns in Aachen! Und gewinkt haben die zwei. „Einfach so! Jroßartisch.“

„Näher kommste an denen nie mehr dran.“ Ein Satz, der keinen Widerspruch duldet. Eine Feststellung. Der Öcher, in dem Fall die Öcherin bringt es auf den Punkt, wenn er/sie begeistert ist.

Vor allem die Königin, und, „jut, auch dr Könisch“ sind die Stars der Reitturnier-Woche 2016. Tschio Royal. Erst Empfang auf dem Marktplatz, drei Stunden vor der Ankunft der Schweden stand sie – „mit et Ännchen“ – schon vorne am Drängelgitter. Dann  – „dr Tag drauf“ – die Eröffnungsfeier.

Und dort die Krönung: Es lief ABBA-Musik im Stadion („nich‘ dat berühmte Lied, nein, dat andere“), und dann wurde Silvia und Carl Justaf „auf dr 40. Hochzeitstag jrateliert“. Und dann sind die beiden aufgestanden und haben  „in et Stadion  jelächelt und jewinkt“.

Das war für unser Öcher Mädchen älteren Semesters dann endgültig zu viel: „Ich hab jeweint. Vor Jlück!“

Für derlei Momente kann sie sich begeistern. Das ist wunderbar.

Ein Handy für Karl!

In diesen Tagen fiel es mir auf, jetzt eben schon wieder: Der einzige, der auf dem Aachener Markt ohne Handy unterwegs ist, ist der Mann im Eäzekomp, unser alter Karl. Gut, er hat ja auch seit Jahrhunderten die Hände voll, könnte man sagen, aber so ein schickes Smartphone wäre für ihn am Ende doch eine Alternative?

Die Beobachtung lässt mich nicht los. Erst dachte ich an eine Handy-Wette – wie viele junge Menschen können schweigend nebeneinander sitzen und auf ein Display stieren? Inzwischen ist klar, dass es kein Zufall, keine Wette, sondern eher ein Trend ist, weil sich die Beobachtung problemlos und inmer aufs Neue machen lässt.

Der Mensch von heute trägt sein Handy auf Händen (am Ende heißt es deswegen so!), immer, überall. Im Café  saß eben ein junges Paar, beide mit Smartphone, still starrend. Man hört, sie würden zurzeit Pokemons jagen, okay.

Was haben wir früher miteinander gequatscht! Gut, da war auch viel Blödsinn bei. Aber immerhin.

Wer sein Büro über dem Markt hat, stellt allerdings auch fest, dass es durch diese Form des wortlosen Nebeneinanders insgesamt leiser wird. Manchmal gehe ich ans Fenster und schaue raus: Sind sie noch da? Ja, da sitzen sie doch alle, jede(r) mit dem Handy, still, tippend, starrend.

Einsam und verlassen indessen – der Kaiser! An Karls Stelle würde ich manchmal ganz laut schreien. „Tut die Dinger weg, oes noch!“

„Nicht möglich…“

Okay, probieren kann man es ja mal. Aufgabe 6, jüngste Ausgabe einer Mathearbeit. Der junge Mann, der bei uns zuhause als Sohn angestellt ist, hat länger gegrübelt und ist dann auf die naheliegende Lösung gekommen, die er auch prompt zu Papier brachte:

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„Nicht möglich!“  Schließlich hat er so viel in der Schule des Lebens gelernt:  Möglich ist heutzutage alles! Auch dass Lehrer unmögliche Aufgaben stellen.

Im vorliegenden Fall war das leider nicht möglich. Es wäre eher möglich gewesen, die Aufgabe zu lösen. Wobei mir diese schnöde Variante die Möglichkeit geraubt hätte, diese Zeilen zu schreiben…

Anmerkung zur Wahrung des Familienfriedens: Die Mathearbeit war dennoch top.

Was heute nicht alles möglich ist!

Ein Blick, ein Klick

Und soooo lecker!

Ein Instagram-Foto aus dem reichhaltigen Aachen-Bilderangebot von 7uhr15ac auf Instagram.

Future Lab – so innovativ ist Aachen!

Super Auftakt für ein großartiges Projekt. Dass wir in Des Kaisers Stadt Tradition können, weiß jeder. Römer, Karl, Dom, klar.

Aber dass wir in Aachen auch Innovation locker drauf haben, beweist jetzt das Future Lab Aachen: Hochschulen, moderne Firmen und die Stadt zeigen, was in Sachen Wissenschaft, Forschung und Innovation geboten ist.

Den verblüffenden Auftakt gab es jetzt im Theater bei der Future Lab-Gala. 

Fotos: Stadt Aachen/Andreas Steindl

7uhr15 ist wieder da!

Oes, da isset wieder: das Aachen-Blog. Neu gestaltet, modern, übersichtlich. Und auch inhaltlich einmal überarbeitet, von vorne bis hinten durchforstet, die schönsten 7uhr15-Perlchen neu sortiert und für die ersten Seiten aufbereitet; dahinter – quasi archiviert – ganz viele Geschichten, Bilder und Momente aus sechs Jahren Aachen-Blog.

Jetzt machen wir weiter.

Es wird neue 7Uhr15-Beiträge aus Aachen geben, Ameröllchen und Augenblicke. Hier ist nicht die  Aktualität der Taktgeber. Keine Hektik und keine Knotterei. Hier zeigen sich Aachen und die Öcher von ihren besonderen und prägnanten, den schönen Seiten eben.

Blättert doch einfach mal durch, ich freue mich natürlich über ein paar nette Worte und Anregungen.

Das ist auch neu: Unten und oben auf der Startseite gibt es die Links zu Twitter und dem umfangreichen Instagram-Auftritt. Und damit Ihr die Geschichten schneller findet, sind jetzt Kategorien eingerichtet: Ameröllchen, Öcher Tüen, Heinz&Willi, Öcher-Platt-Schule, Magisches Zweieck und so weiter…

Dat noch: Die Sprache der Heimat kommt im Aachen-Blog natürlich nicht zu kurz. Völ Pläsier!

Bernd Büttgens

 

Ein Blick, ein Klick

Wochenmarkt am Rathaus, prächtige Blumenpracht. Ein Instagram-Foto aus dem reichhaltigen Aachen-Bilderangebot von 7uhr15ac auf Instagram.

Öcher Jong – ein Gedicht

Öcher Jong

(gesprochen von einem kleinen Öcher Jong, geschrieben von einem großen Öcher Jong, erstmalig hier veröffentlich im November 2011.)

Ich ben ene Öcher Jong,
än ich ben heij jebore.

Ich ben ene Öcher Jong,
än dat es net jeloege.

Ich speäl jeär Fußball,
freu mich övver minge Klub.

Dat stemmt, et es os Alemannia,
die kritt se och at ens jetuppt.

Doch kann ich üch sage,
än dat es jewiss:

Du bes än blivs ene Öcher Jong,
och wenn de at ens Pisele kriss.

:DD Das Gedicht gibt es auch als schönes kleines Audio-Podcast – hier klicken!

„Der Jürjen jrillt!“

(Erstmalig erschienen im Mai 2012 – aber Jürjen ist nach wie vor aktiv…)

Es war Mitte April, ein kühler und doch windstiller Tag, die Sonnenscheindauer hatte die 14-Minuten-Marke durchbrochen, da stand mit einem Mal am frühen Abend eine Rauchsäule über unserem Viertel. „Der Jürjen jrillt“, sagte die Nachbarin, „wir haben den Winter so jut wie überstanden.“ Die Ältesten im Ort fragten, was schlimmer wäre: der harte Winter – oder Jürgen am Grill? Sie fragen das jedes Jahr um diese Zeit.

grillmeister

Ab dann grillt Jürgen durchgängig. Wenn er nicht gerade neues Grillgut, Kohle und ein Kistchen „Jrillbier“ einkaufen fährt.

Ich kann das alles aufschreiben, weil Jürgen es eh nicht liest. Über Pfingsten ist er mit der Familie in Holland am Meer, Camping. Gestern Morgen standen ein paar von uns Männern um sein Auto und fachsimpelten, wie der Grill am besten zu verstauen wäre. Gesetzt war das: der rostfreie „Multipower-Garomator“ mit extra Brennkammer und mobilem Kamin kommt als erstes in den Kofferraum. Es war noch Platz für den Grillkoffer, Grillbier, eine Tasche – und Schluss.

Pickepackevoll die Kiste. Als Jürgens Kleiner nach seinem Fußball rief, erhielt er zur Antwort, man könnte auch alles übertreiben und für die drei Tage einen Ball mitnehmen . . .

Jürgen macht am Grill alles. Auseinanderhalten kann man das Ergebnis später auf dem Teller nicht. Glauben wir ihm, dann sind Wurst, Huhn, Pute, Lamm, Schwein, Rind, Lachs, ja, auch Scampis im Angebot. Zuletzt hat Jürgen nach anfänglichem Protest einen vegetarischen Bratling gegrillt und kurz mit einem Schuss Grillbier abgelöscht.

Standard ist hingegen das geröstete Brot mit Kräuterbutter, die Evi, seine Frau und Assistentin an der Grillstation, so köstlich zubereitet. „Vorbereitet“, seziert Jürgen die Worte fein – weil die finale Form findet alles Grillgut auf der Holzkohle, die aufzulegen nur der Meister versteht.

Franz-Josef, der Nachbar zu Jürgens linker Hand, hat sich in dieser Saison bereiterklärt, die Telefonkette zu starten, wenn Jürgen an den Rost tritt. Dann werden schnell die Fenster geschlossen. Die Kinder wissen auch, was zu tun ist, sie kommen rein – schon alleine wegen der Stichflamme, wenn das Streichholz in die spiritussatte Kohle fliegt. Auch wenn es eigentlich sehenswert ist.

Einmal im Jahr müssen wir mitessen. Davor haben wir alle Angst. Aber jetzt ist erstmal Pfingsten, die Sonne scheint. Und Jürgen ist am Meer.

(Diese Glose hat Didier Marlier für sein Online-Magazin Mediapart ins Französische übersetzt)

 

Von Reitern, die Pilger treffen. Oder: „Jejrüßetseistemariavondrjnaden…“

Man ist erstaunt, wie viele Freunde das Glück der Welt doch auf den Rücken der Pferde suchen.

Wobei: Im Schiowunderland Aachen ist das ja eigentlich naheliegend. Und – das nur am Rande – Reiter werden immer gebraucht, wie der selige Loriot uns schon lehrte.

Auf alle Fälle durchmaß jüngst einer dieser Öcher Freunde auf einem morgendlichen Ausritt den hiesigen Forst und traf dabei auf eine Gruppe pilgernder Ureinwohner – auf der alten Schmugglertrasse Adamshäuschen – Moresnet.

pferd

Man darf sich das so vorstellen, dass der eine, als die Sonne gerade durchs Gebüsch strahlte, hoch zu Ross in Richtung Aachen traversierte und dabei die eine oder andere Piaffe ins Unterholz schnitzte, während die anderen dem Herrn am Kreuz folgend Richtung Reisfladen und Kaffee schravelten. Die fromme Frauengruppe hinter dem Heiland betete aus tiefem Herzen das Öcher „Jejrüßetseistemaria- vondrjnaden“, die dazugehörigen Herren folgten in einigem Abstand und beteten, dass die Alemannia nicht absteigt.

Nun kamen Ross, Reiter und Pilger auf die gleiche Höhe, es nahte also die Begegnung, und die Männerpilgergruppe nahm sofort – weil sie sich wohl von oben beobachtet fühlte – die Litanei der voranschreitenden jebenedeiten Weiber auf – „…isdiefruchtdeinesleibesjesus…“

Das ging gut, bis ein Pilger aufblickte, prompt den Reiter erkannte und den anderen Männern zurief: „Oes, doe könt dr Päul!“ Um dann die einzigartige Frage zu stellen: „Wat mach’s Du denn hier in der Wald?“ Worauf Päul, der in Wirklichkeit natürlich nicht Päul heißt, sagte: „Ich reite dadurch.“

Erste Unmutsbekundungen nebst bösen Blicken der betenden Schwestern vorne – „Ehreseidemvaterundemsohneundemheilijenjeist“ – waren Warnung genug und riefen die Männer zur Andacht.

Aus der Reihe „Jroße Öcher Dialoge“:
„Wat mach’s Du denn hier in der Wald?“ – „Ich reite dadurch.“

Der Reitersmann wiederum hatte aber auch noch eine Frage an die Landsmänner und rief aus der Höhe: „Und wofür seid ihr euch am Beten?“ „Pst!“, kam von gleich mehreren Frauen aus der langsam sich entfernenden Gruppe, da drehte sich ein Mann noch mal um und sagte: „Domet du net van dat Peäd fälls'“ und setzte wieder inbrünstig und ansatzlos ein: „Wieamanfangsoauchjetzunallezeituninewischkeitamen.“