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„Kein Wetter“ und immer die gepackte Tasche im Kofferraum

Wir sprachen über dies und das. Wie man das so macht, wenn man sich nach dem Urlaub wiedersieht. Schön hätte es sein können, meinte mein Kumpel, am Meer. „Wenn wir nur Wetter gehabt hätten!“ Aber es gab „kein Wetter“, Kopfschütteln, es muss schlimm gewesen sein, „einfach kein Wetter“. Seine Kinder hatten das schon auf der Postkarte an die Oma so angedeutet: „Wir haben hier nur leider kein Wetter.“

Dauerregen zwischen Domburg und Vrouwenpolder. Man sagt das so: kein Wetter. Ein drolliger Begriff,  genau genommen darf man sich das als einen interessanten Zustand vorstellen.

„So wie hier“, deutete mein Freund durch die von dichten Regentropfen schön verzierten Fensterscheiben nach draußen. Dä, auch kein Wetter!

Und so mullt  man weiter und kommt nach relativ kurzer Zeit darauf, dass dieses „kein Wetter“ ja früher „unser Wetter“ war.  Damals, der Aschenplatz, die Pfützen, Seenlandschaft in Aachens Osten, im Schatten des Schrottplatzes. Weißte noch! Schlagartig hebt sich die Stimmung. Da geht im strömenden Regen die Sonne auf. Oes, unser Wetter, die Grätsche mit dem janz langen Anlauf, in der Pratsch. Sickenass, aber in Führung – und so was von jlücklich!

Erinnerungen sprudeln, wie früher die Tore fielen. Im Starkregen aus den schwarzen Wolken über Rothe Erde. Da oben hat einer den ganz großen Kran aufgedreht. Was für ein Wetter! Und der Trainer hatte wieder gesagt: „Wenn wir nich´ jewinnen können, müssen wir nur kucken, dat wir nich‘ verlieren!“ Ein Philosoph.

Es pladdert Geschichten

Insgesamt verschwimmen die Fakten ins Schwärmerische  – okay, wir waren schon Granaten, aber waren wir echt so oft Meister, wie wir das heute gerne erzählen? Es changiert ins Schöngefärbte, es pladdert Geschichten.

Doch eins stimmt: Es war eine grandiose Zeit. Man sagt ja gerne, dass es nun wahrlich Wichtigeres gibt als den Fußball. Aber ehrlich: was denn?

„Und ich hatte immer ˋne jepackte Sporttasche im Auto“, sagte mein Kumpel. „Man weiß ja nie, wo sich die Gelegenheit ergibt oder wann du gebraucht wirst…“

(Foto nachgestellt)

Er hat nicht erzählt, dass diese gepackte Tasche ihm tatsächlich vor Jahren an einem Weißen Sonntag zum Verhängnis wurde. Seine Tochter ging zur Kommunion, es war auch so ein „Kein-Wetter-Tag“. Schauerlich, Mütter sollen geweint haben. Im Stimmungstief.

Also eher unser Wetter. Und die „Dritte“ hatte Personalsorgen, hieß es – geheime Info – nach der Festmesse. Und mein Kumpel  hatte die Tasche im Auto…

15 Uhr Anstoß

Nach dem Kommilijonsmittagessen hat er sich verdrückt, 15 Uhr Anstoß auf der Seenplatte. Zur Andacht schlich er sich am  frühen Abend dieses janz besonderen Tages von hinten in die Kirche. Sein Lächeln machte sich beim ersten Blick seiner Frau vondannen.

An einem Sonntag, an dem wir bis dahin kein Wetter gehabt hatte, drehte sich mit einem Schlag der Wind. Zuhause, quasi in der Nachspielzeit. Es soll, so war später zu hören, zu einem lokalen Donnerwetter mit Blitz und orkanartigen verbalen Tiefausläufern gekommen sein.

Fiel mir nur ein, als wir davon sprachen: von den Tagen, die ohne Wetter auskommen müssen.