Tod eines Tanzmajors, Teil 1

Von Theo-Dures Dreidraht, Aachen

Was bisher jeschah: Tanzmajor Patrick Pechstein vom Karnevalsverein Rot-Jelbe Troensjrülle 1967 e.V. ist mit seinem Mariechen und seiner Frau Betty, die in einer Person eins sind, auf dem Weg zum Stadtmeisterschaft. Er will mit aller Macht die Krone als Tanzpaar des Jahres. Wejen seiner jewaltigen Art zu tanzen und zu leben, hat er den Spitznamen „die Tanzwalze“. Und sein Schwiejervater, Hermann Jennes, Präsident der Troensjrülle und Schützenkönig von Nirm, hat ihn erst kürzlich jewarnt, es nicht zu übertreiben und seine Betty nicht so hoch zu schmeißen.

Teil 2:

Patrick kam von janz unten, und er wollte nach janz oben! Tanzpaar des Jahres – dafür hatte er mit seiner Betty nun ein Jahr lang hart jeübt. Tag und Nacht. Die Musik für den Paartanz hatte er sich in Holland illejal mischen lassen, nach Radetzky-Marsch und Jroßem-Kurfürsten-Reitermarsch kam im ausjelassen fröhlichen Pirouettenteil die Passage „Rämtäm-rämtäm-rämtämtämtämtäm“ aus dem bekannten Schlajer „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen“. Dieser finirische Schachzug sollte hohe Punktzahlen in der Bewertung durch die Jury bringen, in der unter anderem der Stolberjer Prinz Karneval 1982, Nöll VIII. Kuckelkorn, saß, der ein jefürchteter Preisrichter war.

„Von janz unten nach janz oben“, das war das Motto in Patricks Leben. Und das schoss ihm nun wieder durch den Kopf, als er sich festen Schrittes mit seiner Betty an der einen Hand und mit der anderen Hand auf der rot-jelben Tanzkappe durch den Sturm in der unteren Adalbertstraße kämpfte. Der Wind trieb vom Hangeweiher schwere schwarze Wolken über die Stadt.
Aber Patrick hatte nur dieses eine Ziel vor Augen: die Meisterschaft. Die Böen peitschten das kalte Nass von vorne. Schimmerte da hinten im dichten Regentreiben schon der Hügel von St. Adalbert durch?

Patrick dachte voller Verachtung an Kai von Klotzbursch, diesen neureichen Pinsel, dieses arrojante Fottloch, Kai, der mit seiner Partnerin Clarissa Kronstett für die Lackschuhvereinigung „Alles keine Frohnaturen“, kurz AKV, antrat und seit Jahren den Paartitel innehatte. „Diesmal biste fällig, Klotzbursch!“, hatte Patrick vor acht Tagen im Halbfinale von der Bühne des Schleswigheims mitten im laufenden Projramm dem Titelverteidiger und stadtbekannten Schönling vom Pommerotter Weg zujerufen. „Wachablösung! Jetz’ kommt der Patrick mit et Betty! Deine Clarissa is ze fett jeworden, die Prattel, du kriss’ dem jar nich mehr hochjeworfen!“

Bei dem Jedanken an diese jroßartige Lektion in Sachen psychologische Kriegsführung juschte Patrick auch in diesem Sturm ein Lächeln über die pickeligen Backen. Kai von Klotzbursch, dieser braunjebrannte Fatzke, hatte jeschrien: „Niemals, Pechstein, das wirst du niemals schaffen!“ – und war aus dem Saal jestürmt. Draußen vor der Tür hatte er sich jämmerlich jerächt und hatte Patrick die Reifen an dem seinen Fiesta zerstochen. Auch deshalb mussten die Tanzwalze und seine Betty jetzt zu Fuß durch den eisijen Rejen laufen.

Es jab also viele Jründe für Patrick, mit seiner Betty hart zu arbeiten. Seine Marie hatte nicht immer Lust dazu, aber das war Patrick Pechstein ejal. „Bewesch Dich, Püppi“, sagte er dann immer wieder, zog sich die Jogginghose an und rief: „Komm und fliesch, Püppi, fliesch!“ Und dann flog Betty wieder durch die Luft.

Damit sie sich dabei nicht immer so fies knupste, waren sie aus ihrer niedrijen, muffijen Souterrainwohnung in der Talstraße ausjezogen, um sich – jetreu dem Motto „janz nach oben“ – in der Friedrichstraße eine Dachwohnung mit kleiner Außenterrasse zu mieten, um hier dann wiederum unter freiem Himmel die Pirouetten, Hebe-, Senk-, Spreiz- und Wurffijuren zu üben, die die Alljewaltijen vom Auswurf Aachener, pardon Ausschuss Aachener Karneval ihnen ins Pflichtenheft für die Meisterschaft jeschrieben hatten.