7uhr15.ac

Das Aachen-Blog

Wir machen definitiv das Beste daraus

Was bleibt? Die Zuversicht! Das Wir! Weihnachten wird schön, trotz allem. Wir halten Abstand, wir haben das inzwischen gelernt. Und wir halten dennoch zusammen. Vielleicht mehr als jemals zuvor. Zudem ermöglicht die moderne Technik den Austausch, und das gute alte Telefon feiert ein ungeahntes Comeback. Notieren wir den gern belächelten, am Ende aber wahren Satz: Wir schaffen das!

Was hier und heute noch zu sagen wäre: Wir können rausgehen, uns bewegen, die anderen auf Distanz treffen, ein paar nette Worte wechseln. Und uns daran erfreuen, welch liebevolle Freundlichkeiten auf dem Weg zu finden sind.

Bei uns im Münsterländchen – sagen wir mal grob, rund um Kornelimünster – zum Beispiel ist wieder der Krippenweg zu erlaufen und zu bewundern. Als Initiative der Propsteigemeinde St. Kornelius, der Benediktinerabtei und der Evangelischen Gemeinde ist eine attraktive Weihnachtstour entstanden. Ich kann sie sehr empfehlen!

Die GdG „An der Himmelsleiter“ hat den Weg schön dokumentiert: von der Benediktinerabtei (schaut Euch auch die kleine Marienkapelle am Wilburgpfad an!) über das Klauser Wäldchen (in diesem Jahr coronabedingt leider ohne Krippe in der dennoch sehenswerten Kapelle) zur Evangelischen Kirche an der Schleckheimer Straße über die Propsteikirche am Korneliusmarkt hin zur Antoniuskapelle an der Breiniger Straße.

Sehr schön sind in diesem Jahr die Impulse, die an den Krippen in gedruckter Form zu finden sind, Denkanstöße, absolut lesenswert. Alleine Dietrich Bonhoeffers Gedicht „Wer zur Krippe geht, verändert sich“ auf dem Flyer ist ein denkwürdiger Text.

Und jetzt noch ein Hinweis: Wer sich über einen schönen, von engagierten Leuten aus dem Ort zum Leuchten gebrachten Tannenbaum neben einer schönen Kapelle erfreuen kann, dem sei eine Weiterung des Krippenweges Richtung Schleckheim empfohlen.

Kleiner Service am Rande: Der Evergreen auf dem Aachen-Blog, das Weihnachtsevangelium in der Sprache der Heimat!

Die hier gezeigten Fotos sind in der Antoniuskapelle entstanden, wo die Herren Siemons wieder wundervoll gewirkt und gewerkt haben. Der Baum ist besagtes Prachtexemplar in Schleckheim.

WEnn övver oche de sonn ongerjeäht

Ich habe mal im Regal gekramt und lege jetzt hier diese Platte auf.

Weil diese Zeit wieder kommen wird. Und dann trinken wir ein Bierchen zusammen. Alleda!

Aus der schönen Serie „Heimatmusik“ hier auf 7uhr15.ac – vor gut zehn Jahren aufgezeichnet im Wohnzimmer der Familie Lennartz. Es singen die Herren Uwe und René Brandt, Ägid Lennartz und Bernd Büttgens. Der Song ist natürlich vom unvergessenen Leo Lamm.

Öcher Jong – ein Gedicht

Öcher Jong

(gesprochen von einem kleinen Öcher Jong, geschrieben von einem großen Öcher Jong, erstmalig hier veröffentlicht im November 2011.)

Ich ben ene Öcher Jong,
än ich ben heij jebore.

Ich ben ene Öcher Jong,
än dat es net jeloege.

Ich speäl jeär Fußball,
freu mich övver minge Klub.

Dat stemmt, et es os Alemannia,
die kritt se och at ens jetuppt.

Doch kann ich üch sage,
än dat es jewiss:

Du bes än blivs ene Öcher Jong,
och wenn de at ens Pisele kriss.

Die Wilde Hilde

Unser windschiefes, weil in vielen Stürmen erprobtes Kletterschiff hat sich inzwischen zum Klettergerüst für den Wilden Wein & Co. gewandelt.

Wortmalerisch könnte man das noch fortsetzen: Der Wilde Wein wächst die „Wilde Hilde“ empor, meistens erop, an einigen Stellen tatsächlich auch erav. „Wilde Hilde“, so haben die Kinder das Bretterschiff mit dem Steuerrad und dem festmontierten Fernrohr damals getauft. Mit einer Plastikpulle Fanta.

Unser Partyboot hat manch wilde Fahrt erlebt, manchmal lagen drei Kinder auf dem Sonnendeck, also auf dem Dach. Gewagtes Manöver! Das war dann der Moment, wo aus der Kombüse ganz schnell der Ruf kam, dass die Fischstäbchen fertig sind!

Ja, Kinder werden groß. Aber das ist ja auch sehr gut so.

Wir schaffen das zusammen

Unser Leben hat sich verändert. Von jetzt auf gleich. Binnen Wochen sind wir in ein Szenario eingestiegen, das sich keiner jemals hätte träumen lassen.

Dass wir die engsten Freunde nicht mehr sehen. Dass wir auf Abstand gehen. Keine Umarmung, kein Kuss auf die Wange, keine Nähe. Dass die Läden geschlossen sind, dass wir nicht mehr ins Theater oder zum Sport gehen können. Weil es einfach nicht mehr stattfindet. Dass auch die Arbeit für viele von uns anders wird. Home-Office oder Kurzarbeit.

Und dass für andere Berufsgruppen sieben Tage die Woche das volle Programm läuft. Unablässig, in nie gekannter Intensität, eine ungewisse Perspektive vor Augen: in den Krankenhäusern, in Arztpraxen, in Laboren, in Krisenstäben, in Ämtern, bei Feuerwehr und Polizei. In allen Betrieben, die die Grundversorgung stabil halten. Wir reden viel über die Kassiererin im Supermarkt und von der Bäckereiverkäuferin. Hoffentlich vergessen wir sie nicht, wenn die Krise mal vorbei ist.

Wenn die Corona-Krise mal vorbei ist. Wann ist das? Die Ersten werden ungeduldig nach zwei Wochen ernster Maßnahmen und Regeln. Wir müssen sie noch eine Weile aushalten. Nein, nicht aushalten, sondern akzeptieren, gestalten und verteidigen. Das Kontaktverbot macht Sinn, die übrigen Maßnahmen auch. So seltsam und unwirklich sie sich auch anfühlen. Wir werden das zusammen überstehen, wir müssen diszipliniert sein, um all jenen Leuten, die von der Krankheit übel getroffen werden – und davon gibt es leider schon etliche in unseren Krankenhäusern – die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen. Werden zu viele gleichzeitig schwer krank, werden die Kapazitäten in den Krankenhäusern knapp. Denkt bitte an alle, die es heftig trifft. Ein stiller Moment. Ein Gebet. Ein Kerzchen im Dom.

Was wir gerade alle gemeinsam angehen, hat nichts mit der Einschränkung unserer demokratischen Grundrechte zu tun. Es ist schlicht und ergreifend richtig. Und es ist ein solidarischer Akt, ein Hinweis darauf, dass wir das hinkriegen: zusammen.

Bethlehem

Dieses Gedicht von Hein Engelhardt noch, weil es mir am Herzen liegt. Die Geschichte vom Kind in der Krippe, das nicht in Prunk und Reichtum hineingeboren wird und das doch so wunderbar wirkt.

„Bethlehem“ heißt das Gedicht vom Großmeister der Heimatsprache. Öcher Platt vom Feinsten.

Bethlehem-Ost wächst oder: Eine KriPpe, mit Liebe gebaut

Der Ausflugstipp kommt von Herzen. Und er geht an alle, die sich erstens an schönen und außergewöhnlichen Krippen erfreuen können. Die zweitens Spaß an der besonderen Geschichte haben, die es von dieser Krippe zu erzählen gibt. Und die drittens gut zu Fuß sind, um den Besuch besagter Krippe mit einigen weiteren Bauten in nächster Umgebung zu verbinden.

Die Herren Siemons: Die Brüder Herbert, Walter (von links) und Werner (rechts) und ihr Vetter Kurt – die Krippenbauer aus der Antoniuskapelle in Kornelimünster.

Genug der Andeutungen: Wir reden von der wunderschönen Krippe in der Antoniuskapelle in Kornelimünster, am Fuße der Breiniger Straße. Wir zollen den drei Siemons-Brüdern Werner, Herbert und Walter sowie ihrem Vetter Kurt (auch ein Siemons), allesamt statse Mönster Jonge, höchsten Respekt. Und schlagen gerne den Krippenweg über die Höhen und durch die Täler entlang der Inde im schönen Münsterländchen vor.

Viele Fans haben sich die vier Krippenbauer über nunmehr sechs Jahre erarbeitet, in denen sie mit einer bewundernswerten Akkuratesse und kreativen Bastlerliebe die urige Kapelle aus dem 19. Jahrhundert zu einem beliebten Anlaufpunkt gemacht haben. „Die Krippe wird jedes Jahr anders aufgebaut“, verrät Walter, der mitreißend davon erzählt, wie er seit Jahrzehnten – schon als Pfadfinder im örtlichen St. Georgsstamm – ein Liebhaber des Krippenbaus ist. Und wie die Liebe wuchs, und wie er damit auch seine Brüder und den Vetter infiziert hat. Jetzt und hier, die große Krippe in der Kapelle, ist der Höhepunkt des gemeinsamen Schaffens.

In diesem Jahr bietet die Krippe gleich fünf Spielorte: im Mittelpunkt der eigentliche Stall mit Josef und Maria und dem Kind; oben auf dem Altar eine Anhöhe mit einer Schafsherde; rechts unten plätscherndes Wasser nebst römischem Posten; links der Aufgang zur Stadt Bethlehem, der zur passenden Zeit „die Showtreppe für die Heiligen Drei Könige“ wird. Und links vorne, ein Stückchen verbreitert in Richtung erste Kirchenbank, ein neu erschlossenes Areal, das die vier Siemons-Männer die „Stadtteilerweiterung Bethlehem-Ost“ nennen. Die erste Ansiedlung ist ein phantastisches Beduinenzelt, das Werner und Kurt gebaut haben.

Alle vier Adventssamstage wird in der Antoniuskapelle gebaut, wird gesaugt, geschraubt, geklebt, gemalt, das liebevoll ausgewählte vielköpfige Krippenpersonal gerückt. Inzwischen haben die vier Männer die letzte feinschleifende Hand angelegt. Hier noch ein Tupfer Moos aus dem Klauser Wäldchen, da noch ein paar Steine aus der Inde – fertig. Perfekt.

Diese Krippe ist ein wundervolles Wimmelbild, wer einmal davor steht, wird hunderte Details entdecken und bestaunen. Und hoffentlich auch eine Kleinigkeit spenden. Damit die famosen Krippenbauer von Kornelimünster auch im kommenden Jahr wieder neue Ideen umsetzen können.

Der Krippenweg in Kornelimünster: Ein wunderbarer Spaziergang mit mehreren schönen Krippen und diversen Einkehrmöglichkeiten führt von der Benediktiner-Abtei an der Oberforstbacher Straße (auch im Kapellchen am Weg ist eine kleine Krippe aus dem Hause Siemons zu sehen) über den Lufter Hof, kurz an der Trierer Straße entlang, Richtung Krauthausen. 
Hinter der Bilstermühle geht man durch das Klauser Wäldchen hoch zur Kapelle „Maria im Schnee“. Der Weg durch die Klause führt in den historischen Ortskern - zunächst zur Propsteikirche, dann weiter zur Antoniuskapelle an der Breiniger Straß.
Über den Viadukt und entlang der Vennbahntrasse, an der Bahnhofsvision vorbei (oder mittendurch mit Stopp)geht es über die Oberforstbacher Straße zurück zur Abtei.

Et Jeld is voll!

Es gibt so schöne Momente im Öcher Leben, die auch in der größten Hektik des vorweihnachtlichen Treibens ein Lächeln in die Mundwinkel zaubern. Etwa dieser im Supermarkt um die Ecke, der auf personalsparende Scan-Kassen setzt und mit der Empfindlichkeit der Anlage das Personal gleich doppelt einbindet. Dauerton vom Band: „Bitte wenden Sie sich an das Kassenpersonal!“

Kleingeld, kurz vor dem Weg in den vollautomatischen Kassenvollautomaten.

Auf alle Fälle wieder diese Ansage, nichts geht mehr an Scannerkasse 3, „bitte wenden Sie sich an das Kassenpersonal!“ Und der arme Tropf im Lebensmittelkettenoutfit, in dem Fall eine Kassiererin, eilt herbei. Was hat der Apparat? Warum scannt er nicht mehr? „Wie jeht es jetzt weiter“, fragt der ratlose Kunde, der zugibt, dass er sich gerade zum ersten Mal „an dat Ding jetraut“ und nun prompt ein schlechtes Gewissen hat.

„Hab ich wat falsch jemacht“, fragt der Mann die hilfsbereite Frau im Kittel. „Wenn ich dat wüsste“, sagt sie und sucht nach der Ursache des Stillstands an Kasse 3. Es dauert eine Weile, die Analyse läuft, von hinten ruft eine Frau, „ob es denn heute noch weitergeht“. Da hat die Kassiererin des Übels Kern erkannt und meldet erleichtert: „Ah, jetzhabbijet!“ Und ebenso präzise wie erleichtert: „Kann auch nich‘ klappen, et Jeld is voll!“

Okay, et Jeld is voll, das ist eine plausible Erklärung. Nachhilfe für die Nicht-Scan-Kassen-Kenner: Am vollautomatischen Kassenvollautomaten kann man natürlich auch mit Kleingeld zahlen (wie früher bei der Kassiererin). Und zu diesem Zwecke gibt es einen Münzeinwurf, über den das Geld in ein vollautomateninternes Münzfach plumpst. Und dieser Behälter war – ja, man kann sagen – quasi am Überlaufen. Was für uns Öcher so viel heißt wie: „Et Jeld is voll!“ So einfach ist das.

Dr Mönsterpläj

Die Idee ist famos, die Ausführung schmeichelt sich ins Auge. Man darf also von einem schönen Akzent für das Stadtbild sprechen: Im Herzen unseres Städtchens sind nun die ersten Straßenschilder auf Öcher Platt zu sehen! In Schwarz auf Gelb, und verziert mit dem Absender des Ideengebers, nämlich dem Verein „Thouet-Preis der Stadt Aachen“, prangen an der Ecke Schmiedstraße/Kleinmarschierstraße/Münsterplatz nun Zusatzinfos der besonderen Art. Hier heißt es: Ongerjen Schmeä/Klengmaschechstroeß/Mönsterpläj.

Mönsterpläj! Wie oft de Oma das früher gesagt hat: „Va Ponkpooetz trecke vür dörch Ponk noh dr Maat, de Kriem erav noh dr Mönsterpläj“ – ein herrlicher Stadtspaziergang von Ponttor über den Markt bis zum Münsterplatz!

Genau diese nostalgischen Gefühle wecken die neuen Schilder. Im neuen Jahr folgen in der Innenstadt noch ganz viele – und dann freuen wir uns über die Namen, sprechen sie laut aus und haben Spaß an diesem Öcher Flair.

Und hier noch weitere Perlen unter den Öcher Straßen:

Tolbetstroeß (Adalbertstraße); Bejaadejrav (Alexianergraben); Pärvesch (Domhof); Feschmaat (Fischmarkt); Maschechstroeß (Marschierstraße/heute Franzstraße); Honndermaat (Hühnermarkt), Jokebstroeß (Jakobstraße); Jängstroeß (Jesuitenstraße); Könnekstroeß (Königstraße); Open Rues (Rosstraße); Open Sankel (Sandkaulstraße); Wirresbonget (Wirichsbongardstraße).