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„Alte Freunde“ – emotional hilflos

Wenn ich die Stückbeschreibung lese, wächst die Vorfreude auf die Premiere am morgigen Freitag im Grenzlandtheater. Weil das Thema so naheliegt, weil’s mich betrifft, betreffen könnte. Weil es am Ende ein Spieglein in der Kulisse gibt, in dem ich mich selbst entdecke?! Naja, abwarten.

Männer, Mitte 40, alte Freunde. Wunderbar.

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Drei von vier Männern Mitte 40: Frank Watzke, Tim Riedel, Heinz Simon Keller. Sieht irgendwie vertraut aus, was die „Alten Freunde“ im Grenzlandtheater angeht. Foto: Kerstin Heinrichs-Brandt

*** Und darum geht es in der Komödie der niederländischen Autorin Maria Goos: Vier Männer Mitte 40, seit langem Freunde, müssen feststellen, dass ihre Lebensentwürfe ins Wanken geraten. Sie erneuern ihren Treueschwur aus Studienzeiten und versprechen einander, sich immer zu helfen.

Doch als es ernst wird, ist sich jeder selbst der Nächste: Joep, ein ehrgeiziger Abgeordneter mit Aussichten auf einen Ministerposten, Pieter, der als Kulturbeamter ein paar Bilder illegal verkauft hat. Wer helfen könnte ist Top-Anwalt Tom, doch der hat ein Kokain-Problem. Und Vierter im Bunde ist der Theaterregisseur Maarten, der gerade an einem Stück probt, in dem die 18-jährige Tochter von Joep eine Hauptrolle spielt…

Turbulent, schnell, dem Leben entnommen. Die Moral von der Geschicht‘ klingt auf alle Fälle für uns Kerle Mitte 40 bitter: männlicher Selbstbetrug, Ehrgeiz und emotionale Hilflosigkeit! Und das erklärt uns ausgerechnet eine Holländerin…

Die Leute vom Grenzlandtheater versprechen, dass es witzig, ehrlich, tiefgründig wird. Ich freue mich drauf. Und hoffentlich übermannt mich am Ende nicht besagte emotionale Hilflosigkeit.

Schöner Begriff, sollte man sich merken: emotional hilflos. Also, da fallen mir ein paar alte Freunde ein…

*** Termine und Infos: www.grenzlandtheater.de
In der Regie von Ulrich Wiggers spielen Heinz Simon Keller, Tim Riedel, Michael Schwager, Frank Watzke und Juliane Maria Wolff; Bühnenbild: Walter Schwab; Kostüme: Heike M. Schmidt

Ein blitzsauberes Debüt

Sommerpause vorbei, jetzt geht es wieder zur Sache. Und das nicht nur hier im Aachener 7uhr15-Blog, sondern auch im wahren Leben.
Beispiel: Das Grenzlandtheater Aachen. Uwe Brandt hat als neuer Intendant gestern Abend ein krachend-knalliges Debüt gegeben. Ein feiner, rasant schneller, aber faszinierend präziser „Diener zweier Herren“ ist ihm da gelungen. Reichlich Szenenbeifall, ein tosender, nicht enden wollender Schlussapplaus – das war ein Auftakt nach Maß.

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Eckhard Hoog schreibt in der Blitzkritik im AZ-Web und in AN-online (da gibt es auch eine schöne Bildergalerie mit Grenzlandtheater-Fotos von Klaus Herzog) unter anderem das: „Brandt hat die keineswegs leichte Aufgabe bravourös gelöst. Mit überraschenden Regieeinfällen bezieht er auch noch direkt das Publikum mit ein in die lustige Geschichte um Truffaldino, jenen verschlagen-hilflosen Unglücksraben von Diener, der sich mit immer neuen und immer absurderen Widrigkeiten herumschlagen muss, die seine «doppelte» Herrschaft mit sich bringt.“

Echte Spitzenklasse ist Karl-Walter Sprungala als Truffaldino – aber wirklich glänzen kann er vor allem, weil er von einem bestens aufgelegten Ensemble flankiert wird.

Hoog sagt: „Man muss es zweimal sehen!“ Dem kann man sich anschließen.

***Mehr lesen: Samstag in AZ und AN, die ausführliche Kritik im Kulturteil der Druckausgabe.