7uhr15.ac

Das Aachen-Blog

Archiv (Seite 12 von 77)

Von Bockwürs’jen und Bockwü’stchen – heute kommt es auf die Feinheiten an

In unserem Supermarkt oder präziser in dem Supermarkt, in dem wir immer einkaufen, gibt es auch eine Fleischtheke, die von einem leibhaftigen Metzger und seinen freundlichen Kolleginnen köstlich bespielt wird. Der Mann, seine Fachverkäuferinnen und ihre Ware – allesamt empfehlenswert, ein Fleisch gewordenes Gesamtkunstwerk sozusagen.

image

„Un‘ der Kleine krisch‘ e Scheibchen Wurs‘, wa!?“ fragt der Chef unseren Sohn immer, der heftig bejaht, der um ehrlich zu sein, nur deswegen mitkommt – und fortan schmatzt. Da wäre man gerne noch mal Kind.
Auf alle Fälle ist der Metzger ein Mann von wuchtiger Statur, rosige Wangen, knubbelige Finger, eben genau so, wie Metzger aussehen müssen. Und unglaublich kommunikativ.

Was ich erzählen wollte: Vorige Woche stand nun eine junge Asiatin vor ihm, die er wohl kannte und deren Erscheinen, vor allem aber deren Erscheinung ihn sichtlich erfreute. „Un haben Se wat Deutsch jelernt diese Woche?“, hallte es durch den Lebensmittelsalon. Die junge Frau (eine Studentin, wie man später erfuhr) lächelte, nickte und sagte dann zum Beweis den unfassbaren Satz: „Bitte eine Bockwu’st!“ Der Fleischer klatschte vor Freude in die Hände und rief einer Kollegin zu: „Haste dat jehört, Frau Schmidt, wat et Fräuchen jrade jesagt hat, super, wa!“

Er frohlockte über Sauerbraten und Presskopf hinweg, dass es eine wahre Wonne war, amüsierte sich so gewinnend und sympathisch – vor allem darüber, „dat dr Schinese ja tatsächlich kein R sagen kann!“ Für den Öcher undenkbar, spricht er doch eine Sprache, in der jeder Konsonant noch seinen vollen Klang hat. Die Frau lächelte.

Zum Höhepunkt der Szene und zur Freude der Umstehenden, die zwischenzeitlich den eigentlichen Zweck ihres Hierseins, das Einkaufen nämlich, vergessen hatten, legte der Wonneproppen im Streifenhemd nach. „Passen Se auf“, sagte er der jungen Frau, „jetz‘ lernen wir noch wat: Wissen Se, wie wir hier daran sagen: nich‘ Bockwurs‘, sondern Bockwürs’jen!“ – „Bockwü’stjen“, sagte sie, und er strahlte: „Bockwü’s’jen hat se jesagt!“

Und spätestens jetzt hätten eigentlich alle klatschen müssen.

***Nachtrag: Interessant ist eigentlich, dass Würsjen in jeder Darreichungsform sowie die „Sprache ohne stimmloses T“ immer wiederkehrende Themen hier im Aachen-Blog sind. Ich sag’s nur, weil zurzeit unglaublich viele neue Besucher auf dieser Seite sind. Was ja wunderbar is‘. Un‘ die sollen hier ja auch was lernen. Es is‘ sogar ein Haup’anliegen von 7uhr15.

Im Garten geht es um den „Großen Preis von Schleckheim“. Ein heißer Kampf.

Das Reitturnier hat seine Spuren hinterlassen. In dem Fall sind es Hindernisse größerer und kleinerer Bauart und Strapazen für alle Mitwirkenden. Zumindest in unserem Garten und in unserer Familie. Gestern Abend, als die Sonne ihre intensive Einstrahlung einstellte, erlebten wir den „Großen Preis von Schleckheim“, nachdem bereits am Freitagabend der „Dreiländereck-Nationenpreis“ ein knappes und mitreißendes Finale gefunden hatte (mit Streichergebnis, mehreren Verweigerungen und Stechen zwischen Saudi-Arabien und Belgien).

image

Beachtlich der Parcours, über den es nun gestern ging: zehn Hindernisse, das schwierigste war die verflixt eng gesteckte Dreifache Kombination, gesponsert von der Fassadenfarbenfirma Lotusan (unser Bild). Aber es gab noch andere knifflige Passagen. Wassergraben, Oxer, Trippelbarren oder wie die Dinger heißen und so weiter. Black Beauty lässt grüßen.

Wo andernorts und andernfamiliens an solchen Abenden gegrillt, getrunken und gelacht wird (in dieser oder wahlweise auch anderer Reihenfolge), wird bei uns also nun geritten. Unser Neunjähriger, Turnierveranstalter, Parcoursbauer, Stadionsprecher sowie Reitsportheld Ahlmann und dessen „Codex One“ in einer Person, reitet seit einer Woche und – man muss es so sagen – in einer Tour von Erfolg zu Erfolg. Wo früher Basti Schweinsteiger und Benni Auer Tore schossen und Blumen erschossen, galoppieren nun Nick Skelton, Ludger Beerbaum und eben Christian Ahlmann.

imageimage

Gestern Abend dann die nicht zu erwartende Steigerung: Der Rest der Familie musste auch ran. Zwei von uns streikten sehr schlagfertig wegen akuter Pferdehaarallergie. Was sich angesichts der Strapazen, die sich für die tatsächlich Mitwirkenden ergaben, als besonders schlau herausstellen sollte. Schaut Euch die Hindernisse an und seht, was passiert, wenn Meredith Michaels-Beerbaum die Kurve nicht bekommt…

Und deshalb hat der Spaß nun auch vorerst ein Ende. Unter dem Vorwand, dass der durch die Hufe arg lädierte Rasen mal ein paar Tage geschont werden muss, ist fürs Erste Turnierpause. Wir haben diese Nacht ein paar Fußbälle auf die Wiese gerollt – in der Hoffnung auf eine Art Rückbesinnung…

Die schönste Geschichte vom CHIO heißt: Jo fragt, und Sandra sagt Ja!

jo1
Das ist die schönste Geschichte, die der CHIO in diesem Jahr bisher geschrieben hat. Jede Wette, ohne Frage. Schöner als diese Story geht es wirklich nicht. Es ist die Geschichte eines Heiratsantrags, sie ist voll romantisch, und deshalb rührte sie eine Menschenmenge zu Tränen.

jo3Sandra Römer und Johannes Meier sind seit 13 Jahren ein glückliches Paar. Tolle Leute, inzwischen mit einem süßen Töchterchen namens Frieda beschenkt, Öcher Menschen, wie man sie einfach gerne hat. Sie ist ruhig und zurückhaltend, er eigentlich auch, aber manchmal eben nicht. Und das erlebten am Dienstagabend im Soerser Winkel auf dem Turniergelände über 1000 Ureinwohner live und in Farbe.
Jo, ein Freund der vier besten Freunde der Stadt, also der Vier Amigos, ist ein bekannter Multimusikant, in der Tropi Garde weiß man ein schönes Lied davon zu singen.
jo4 Und Jo ist der weltbeste Udo-Lindenberg-Imitator. Groove, Gang, Stimme, Körperspannung, da stimmt alles, aber das Beste an diesem Udo ist: Er singt die Lieder auf Öcher Platt. Heimatgefühle werden wach, wenn es bei ihm nicht „hinterm Horizont“ weitergeht, sondern „henger dr Elsaßpleij“.
Beim CHIO-Konzert der Amigos ging er aber nun noch ein Stück weiter.
Filigran mit Uwe Brandt ausgetüftelt kam nach der ersten Udo-Nummer die Ansage, dass sich der Jo heute richtig was vorgenommen hat. Sandra, die Familie, die Freunde – allesamt zu diesem Konzert gelockt – stockte zum ersten Mal der Atem.
jo5Und am Ende schwante der jungen Frau an dieser Stelle schon, dass sie kürzlich ihrem Jo gesagt hatte, dass sie sich ja beizeiten schon über einen Antrag freuen würde – und er solle sich für diesen Zweck mal richtig was ausdenken!!!
Und Jo dachte und dachte und zog Uwe zurate, was in der Regel dann in Fulminantes aufgeht. Jo stand also nun als Udo auf der Bühne, Uwe sprach davon, dass jetzt ein Antrag mit Folgen folge, die Musik erklang, und Jo sang als Udo für Sandra „Bis ans Ende der Welt“. Was haben die Menschen im Soerser Winkel geweint, Freunde!
jo2Ach komm, wir machen es kurz, am Ende geht er auf die Knie, sie steht neben ihm auf der Bühne, er fragt, sie antwortet wahrheitsgemäß mit Ja. Was andernorts schon fies in de Boks gegangen ist, weil einfach nur peinlich, hier geht alles gut. Jubel, Menschen liegen sich in den Armen. Der CHIO 2013 wird nicht nur für Sandra und Jo unvergessen bleiben.
Das Aachen-Blog durfte diese Geschichte nacherzählen, weil Stefan Overath uns seine wundervollen Fotos zur Verfügung gestellt hat, merssi!

Das beste Pferd im Stall: Karli!

Es sei darauf hingewiesen, dass das mit Abstand beste Pferd im Stall auf den in Aachen wohlklingenden und beziehungsreichen Namen „Karli“ hört. Karli ist ein echter Volltreffer, keine peinliche Figur wie dieser „Goleo“ damals bei der Fußball-WM. Der hatte noch nicht einmal ne Hose an.

Bildschirmfoto 2013-06-21 um 08.48.41

Nein, unser Karli (Screenshot www.chioaachen.de) ist ein ganzer Kerl, jraue Boks, ein Schwanz in den Farben des Regenbogens und immer dieses freundliche, naturgemäß breite Lächeln. Zum Wiehern! Und wie es sich für einen statsen Öcher Jong gehört, der auch jerne mal ein Bierchen schlabbert und ein Kistchen Printen im Vorbeitraben verputzt: ein knappes weißes Shirt, das elegant den gemütlichen Bauch umspannt, der sogar ein bisschen herauslugt. Extrem sympathisch, und für manchen Mann ein Hoffnungsschimmer, wenn seine Frau derlei Erscheinung „kuckmalwiesüß“ findet…

Unter den Maskottchen, die im Spitzensport heutzutage dazu gehören, wie das Schängchen zu unserer Stadt, ist „Karli“ eine Klasse für sich. Er braucht keinen Vergleich zu scheuen mit Bayern-Bär Berni oder Schalkes Erwin oder mit dem Kölner Hai, auch wenn der – das sei dann doch hoch anerkannt – auf Schlittschuehen einen Salto rückwärts aufs Eis legt. Derlei Kram braucht Karli nicht. Er lächelt und winkt.

Verwiesen sei noch kurz auf eine Spox-Umfrage bezüglich der Fußball-Bundesliga-Maskottchen: interessant, wer da vorne liegt, ein Uralt-Fohlen vom Niederrhein (genauere Bezeichnung des Vereins hat in diesem Blog nichts zu suchen ;-)) soll auch dabei sein….

Karli wäre garantiert auf den vorderen Plätze, liefe er denn für einen Fußballklub auf. Tut er aber nicht, dem Himmel sei es gedankt, will man in diesen Zeiten in Aachen sagen. Denn Karli will ja weiter in der Champions League spielen.

In diesem Sinne: Freuen wir uns auf den Schio, auf Reiter, Regen und großen Sport. Wozu nun wiederum die Pferde gehören. Und Karli – vorneweg!

Zwei Köche, die wissen, wie es geht: Der FC Eintracht holt die Meisterschaft!

Es gilt noch flott, bevor diese Fußballsaison dann komplett abgehakt ist, diese eine Geschichte zu erzählen. Nein, nicht die, dass mein neunjähriger Sohn jetzt Post von Alemannia Aachen bekommen hat, weil er als Dauerkartenbesitzer und -nutzer und Mitglied auf die Gläubigerliste der Alemannia gerückt ist. Nein, es ist diesmal eine durch und durch schöne, weil gut gewürzte und folglich herzhafte Story, die dieser Fußballsaison eine letzte feine Note geben soll. marc

Genau, wir zoomen uns mal nach Kornelimünster, landen dortselbst im Schatten der Sporthalle, die dem Inda-Gymnasium zugerechnet wird, auf dem Sportplatz des FC Eintracht Kornelimünster von 1920. Und was jetzt kommt, ist getreu dem Motto der dort fußballenden Ersten Mannschaft „leider geil“. Achim „Jim“ Deserno (rechts) sagt das ein paar Mal während des Gesprächs über die soeben abgelaufene Spielzeit. Und es steht auch auf seinem Shirt: leider geil!

Die Eintracht ist Meister in der Kreisliga B, dortselbst in der Gruppe 4! Man hat das hier im Münsterländchen nicht alle Tage, aber jetzt, in diesem Jahr, an Tagen wie diesen ist es passiert. „Eine prächtige Saison“, sagt Deserno, und sucht den verbalen Doppelpass mit seinem kongenialen Partner im Trainerstab, mit Marc Hausmann. Der wiederum gibt zu, dass die Tage nach dem besiegelten Meisterschaftscoup, nach der dazugehörenden, inzwischen schon legendären Feier und dem zufällig sich anschließenden Historischen Jahrmarkt, dass also diese gesamte und geraume Zeit der fröhlichen Ausgelassenheit und Freude „auch ein bisschen anstrengend“ war. Aber leider auch… – Ihr wisst schon!

jimNun wird der Eintracht – und dort der jungen ersten Mannschaft – allenthalben bescheinigt, eine blitzsaubere Saison gespielt zu haben. Die Tabelle lügt nicht, sie belegt die These vielmehr: 25 Siege, neun Unentschieden, keine Niederlage, 134:46 Tore und mit 84 Punkten sieben Zähler vor dem Zweiten vom Burtscheider TV. Hallo! Das ist schon eine Hausnummer! Hausmann und Deserno grinsen. Sie schwärmen von den Jungs, von der Moral der Gruppe, von Perspektiven, die nun in der Kreisliga A („erst mal mitspielen und mal gucken“) warten und sagen tatsächlich Sätze, die auch von Jürgen Klopp kommen könnten: „Diese junge Mannschaft hat ein großartiges Potenzial, da ist noch viel zu heben, daran werden wir noch viel Freude haben“.

Man will zusammen bleiben, noch „zwei, drei Jungs holen, die für ne Currywurst hier kicken und in diese Truppe passen“, sagt Deserno.

Dem Meister widerspricht keiner. Die beiden Trainer, dem Verein aus Knolle von jung an verbunden, haben übrigens schon lange diese Meisterschaft bewiesen. Und als Deserno von der Currywurst spricht, fällt dem aufmerksamen Zuhörer, der auch ein Freund guter Lebensmittel ist, ein, dass hierin ein Stück des Erfolges begründet liegen könnte. Laufen, schießen und siegen für eine Currywurst von Meisterhänden! Denn in erster Linie sorgen die Trainer am Herd für Höchstleistungen, sind die beiden Hexer an der Seitenlinie doch im wahren Leben Köche: Jim im „Landhaus Solchbachtal“, und Marc im Restaurant „Red“.

Nun sind sie auch Meister im Fußball. Wie ihre gesamte Truppe vom FC Eintracht Kornelimünster. Es sei von Herzen gratuliert!

Und um alle die, die das naheliegende Wortspiel jetzt erwarten, nicht zu enttäuschen, das: Tatsächlich ist diese köstliche Geschichte der gut bekömmliche Beweis dafür, dass auch da, wo mehrere Köche einen Brei kochen, etwas Feines auf dem Tisch und in den Tellern landen kann.

Das noch: eine leise Liebeserklärung

Was bleibt zu sagen? Vielleicht das: Der kleine dicke Marvin hat es gewusst. Hat sich immer Würstchen geholt. Und Chips. Und Cola. Und Snickers. Vor dem Anpfiff, mehrfach während des Spiels, in der Pause und nachher noch für den Heimweg. Und hat drauf gepfiffen, wenn sein Opa sich darüber aufregte und dann doch wieder – total konsequent – die Tivoli-Karte rausrückte. Marvin hat sich aufm Platz immer auf das Wesentliche konzentriert.

Leser dieses Blogs erinnern sich. „Wir sind hier am Absteijen und du bis‘ in eine Tour Würsjen am Fressen!“ Waren das noch Zeiten auf dem Tivoli! Damals in der Zweiten Liga.

DSC_0001

So ist also nun den Bach hinuntergegangen, was wir so gerne fest vertäut am Wurmufer gerettet hätten. Ach, die Welt ist ungerecht. Die einen gewinnen alles, die Bayern jetzt. Der Süden der Republik droht abzusaufen, doch sie feiern im Regen. Wahrscheinlich können sie sogar übers Wasser gehen. Und die anderen verlieren alles, die Alemannen, und ihnen steht das Wasser noch ein gutes Stück höher als nur bis zum Hals.

Der Verein, unser Verein, Alemannia Aachen! Ach ja, es ist nicht mehr zu ändern, wir könnten nachkarten und analysieren, wir könnten spitzfindig sein und platt draufhauen, sollen die anderen machen – „et nütz‘ ja nix“, sagte mein Opa immer, „kapott is kapott!“

tivoli Doch manchmal am frühen Morgen – so ist das in der letzten Zeit – schrecke ich aus dem Schlaf hoch, eigentlich ist es still, ein paar frühe Vögelchen pfeifen ihr erstes Lied – und im Hintergrund meine ich sie zu hören, die „Alemannia“-Sprechchöre, das „You’ll never walk alone“, sie schleichen sich an, die Erinnerungen an große Momente, stolzer Gesang, „die Kaiserstadt AC“, diese ewigen Schwüre vom „Ich werde immer bei Dir sein“. Und dann muss ich schlucken und summe leise mit.

Keiner, der mir lieb und teuer ist, ist so abgezockt, dass es ihm egal ist, was mit dem Klub passiert ist. Wie er in den Strudel geriet, der ihn in die Tiefe riss. Wie die Bodenhaftung flöten ging, wie sich alles drehte und drehte, immer schneller, bis kein Stein mehr auf dem anderen stand. Fast wie der alte Tivoli – weg, irgendwie verschwunden, ausradiert.
Und du hast immer noch das Gefühl, auf dem Würselener Wall zu stehen, bei Wind und Wetter, bei Sonne und Schnee. Wettergegerbte Gesichter hatten wir damals, nein, nicht vom Arbeiten an der frischen Luft, sondern vom Alemanniakucken. Und was haben wir beim Kucken zu sehen gekriegt!

tivoli3 Das ist nun nicht die Zeit und der Ort, unrealistische Szenarien zu entwerfen. Zu ungewiss und zu undurchsichtig ist das, was mit unserem Klub passiert. Das ist aber die Zeit und der Ort, zumindest die Hoffnung auszudrücken, dass dieser wundervolle Verein tatsächlich niemals untergehen wird. Es darf nicht sein, was nicht sein darf.

So, Pause, ein Kerzchen im Dom anzünden und ein Lied singen, kommt, alle zusammen, die reinen Gewissens und optimistischen Sinnes sind!

Schrecklich pathetisch, ich weiß. Aber das musste jetzt mal sein.

Ihm hat das nicht gefallen. Und deshalb brüllt er die kleinen Jungs jetzt an.

Ja, endlich, da isser wieder! Der Trainer der anderen, zweimal im Jahr kommt er vorbei, der Schreihals, der Alleskönner, der seine Jungs anbrüllt. Decken! Doppeln! Räume zulaufen! Auf den ersten Ball gehen! Und hinter jedem Satz ein doof-dummes Hä! Und vor jeder Anweisung der Name eines kleinen Fußballers! Die dann auch noch englische oder französische Namen tragen müssen: Schanlukka oder Scheffri oder Sederrik. Hä!

fpl3

Du kommst dir vor wie im Film, in einer Parodie, aber er meint es ernst. Er gibt den Klopp, steht aber am Spielfeldrand in – ach, sagen wir – Unterobermaubach. Und dann dreht er sich um die eigene Achse, schreit „Neinneinneinichwilldiescheißenichmehrsehn!“

Ach so, ich vergaß, es handelt sich um wehrlose kleine E-Jugendkicker, neun Jahre alt die meisten. Das zeitigt Schäden, jede Wette. Oscarverdächtige Nebendarsteller sind übrigens die Eltern, die still und stumm dem Schauspiel folgen, das das Männlein in der Trainingsjacke in seinem gruseligen Wortschwall an der Außenlinie vollführt. Es wird zum Wohl der Kinder sein, werden sie denken. Jugendnationalelf, Bundesliga, Champions League – der Weg ist weit, steinig und kein Zuckerschlecken!

Seine Jungs gewinnen am Ende, er schimpft sie aus, verbietet jede Form von Jubel nach diesem „Jrottenkick, hä!“. Ja, sie haben ein paar Gegentore bekommen. Und die haben ihm nicht gefallen.

Schreiben wir’s mal auf, ändern wird die Niete in Nylon sich nicht. Jede Wette, hä!

**** P.S. Gerhard Mester, dem wunderbaren Karikaturisten, sei Dank für die Zeichnung. Und empfohlen sei in diesem Zusammenhang mal wieder die Homepage der Fairplayliga.

Verwegen, romantisch, bezaubernd: ein Plätzchen über den Dächern der Stadt!

Es gab tatsächlich eine Zeit, in der es im Mai in Aachen regnete. Ja, man mag es gar nicht glauben, aber es ist verbürgt, ich selbst habe auch noch schwache Erinnerungen daran. Regen im Mai! Echt kein Witz.

terrasse

Nun, wie komme ich drauf? Aus dieser Zeit muss die hier gezeigte Dachterrasse stammen. Trotz luftiger Höhe kein Gitter, keine Ballustrade, noch nicht mal Flatterband oder Warnbaken, nix! Zwei Stühle und ein Tisch einfach so auf dem Dach. Aber damals war es eben kein Problem, kein bisschen gefährlich, weil es ja eh immer regnete und auf der Terrasse die Tropfen tanzten und weil sich sonst kein Leben regte. Weil es ja regnete.

Wie aber soll das nun weitergehen mit diesem herrlichen Fleckchen in der Öcher Altstadt? Jetzt, wo der Mai so ein wonniges Kerlchen ist, über alle Backen gülden strahlt und uns den Sonnenbrand aufs schüttere Haupt tackert? Ach, was weiß ich, wie es mit der Terrasse weitergehen soll! Werde eh nicht eingeladen, auf einem dieser Stühle Platz zu nehmen, obwohl ich es doch zu gerne täte.

Denn von dort oben müsste man diesen Blick auf unser allerehrwürdigstes Münster haben. Geht es schöner? Nein!

domheader4

Warum ich diese Geschichte erzähle? Weil die Terrasse so schön ist. Weil sie mir jetzt, so reichhaltig möbliert, besonders ins Auge fiel, als ich mein Blech auf dem Parkdeck in der Jesuitenstraße deponierte. Und weil dieser Flecken über den Dächern der Stadt so verträumt und zugleich so herausfordernd wirkt. Kein Ort für Zappelphilippe. Für Leute, die Angst davor haben, dass ihr Stuhl wackeln könnte.

Eigentlich weise ich auf dieses stille Örtchen auch gerne hin, weil Aachen schlicht und ergreifend der Open-Air-Ort schlechthin ist. Bei dem sensationellen Wetter!

Aber ohne Quatsch, ich kann mich noch dran erinnern. Das gab’s wirklich: Regen im Mai. Damals. Lange her…

Ein Geistesblitz zur rechten Zeit

Nun stehen mir ja durchaus – und Gott sei es gedankt – ein paar witzige Leute zur Seite, die mit dem Wort umzugehen wissen. Also mehr hinkriegen, als „Ähs“ und „Hms“ aneinanderzureihen.
image
Einen von Ihnen durchfuhr nun – ausgerechnet an diesem Wochenende – ein Blitz des Geistes. Er wünschte mir „Pfrohe Fingsten“! So etwas liebe ich. Pfantastisch.

Und jeden Morgen die Hoffnung, dass die Ampel rechtzeitig umspringt…

Heute Morgen geht er wieder ab wie die Rakete. Fliegt aus dem Haus, die Türe knallt ins Schloss, er zündet den Turbo, ein kurzer Blick nach links, die Dorfstraße hoch Richtung Eifel, okay, das schafft er. Die Umhängetasche, zu der die jungen Leute heute Schultasche sagen, fliegt – flott um die Schulter geworfen – die langgestreckte Gerade runter Richtung Friedhof durch die Luft hinter ihrem sprintenden Träger her.

image
Der Schulbus, mit dem der junge Mann – nennen wir ihn einfach Ole – jeden Morgen diesen Wettlauf bis zur Haltestelle austrägt, rollt indes näher und näher. Jetzt kommt der entscheidende Moment des Morgens, unser Dorfmeister im Sprint passiert die Fußgängerampel, die rüber zum Kindergarten führt, sticht im vollen Galopp mit dem rechten Zeigefinger den Taster bis zum Anschlag und legt noch ein Schippe drauf.

Die Älteren im Ort glauben, dass Ole für Olympia trainiert. Die Wahrheit ist banaler: Er reizt seinen Aufenthalt am Frühstückstisch immer bis auf die letzte Sekunde aus und hat dann einen Turbostress, den Bus zu kriegen. Erst wenn Ole den roten Diesel vom Küchenfenster aus im Dunst des frühen Morgens nahen sieht, kommt er in die Hufe. Auf die Plätze, fertig, los…

Heute geht alles glatt: Kaum dass der Bus sich der Fußgängerampel nähert, springt die auf Rot. Perfektes Timing! Applaus wäre angebracht. Doch so wach wie Ole sind die meisten um diese Uhrzeit noch nicht. Diese Zwangspause schafft unserem jungen Schulbussprinter auf alle Fälle den nötigen Vorsprung, den er braucht, um das Rennen zur Haltestelle zu gewinnen.

Hinweise darauf, dass er sich diesen Stress jeden Morgen durch fünf Minuten früheres Aufstehen, Duschen, Anziehen und Frühstücken ersparen könnte, prallen am Kurzstreckenkönig ab. Sagt sein Vater. Es gibt Freunde, die behaupten, er bräuchte diesen Kick am Morgen, um gut in den Tag zu kommen.

Und dann gibt es ja immer noch Papa und das Auto. Für den Fall, dass die verdammte Fußgängerampel mal zu spät umspringt. Mitdembusumdiewetterennen ist wie das richtige Leben – kannst nich‘ immer gewinnen, Alter!