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Tag: Gesellschaft (page 2 of 2)

Von „au Bülle“ und roten Köpfen

So, Thouet-Preis, letzter Beitrag, dann widmen wir uns wieder den ernsten Dingen des Öcher Lebens (Alemannia, Wetter, Tivoli, der Schnee, Rückrundenstart, fieskalt etc.).

Ich wollte mich an dieser Stelle aber einfach nur noch mal bedanken für 1. diesen wunderbaren Abend, 2. die Begegnungen und Gespräche danach und 3. für die Reaktionen aus allen Richtungen. Ich werde jetzt nicht fein säuberlich und vollständig zitieren, was so an Lob und lieben Worten auf mich niedergeprasselt ist. Bewegt hat mich das alles sehr. Aber einige Reaktionen sind schon notierenswert.

Ein Sonderthema (siehe vorangegangenen Blogeintrag) ist Jupp Touets – was für ein Name! – Reaktion von der amerikanischen Ostküste. Er ist der am weitesten von der Heimat stationierte Gratulant. Nicht schlecht ist auch Zeitungskollege Michael aus Passau, der mit der freundlichen Einleitung („aue Büll Büttgens!“) nach Bewegtbildmitschnitten im Netz fragt: Jet et net, Michael!

„Hür, danke für den Öcher Abend mit Häzz, rote Ramme!“

Auf alle Fälle will mein Kumpel Kurt nach dem Abenteuerbericht meines wahnsinnigen Vetters Oli und meines genauso verrückten Bruders Kalle (hört sich an wie einer von Robin Hood oder?) auf der Rathausbühne jetzt sofort mit mir auf den Eifelsteig: „Ich muss diese Seite von Dir unter hoher körperlicher Belastung kennenlernen…“

Die Herren hatten mich – was jeder Grundlage entbehrt – als hartherzig grimmigen, von einigen fläddigen Wutausbrüchen abgesehen, eher schweigsamen Wanderer bezeichnet. Das in diesem, oder mit meinen Fußballkünsten gefallene Wort von der „roten Ramme“ (weniger politisch als vielmehr belastungsroter Bölles und so) begleitet mich jetzt übrigens in der Redaktion. Ich danke von Herzen. Der geschätzte Sportchef schickt mir die SMS: „Hür, danke für den Öcher Abend mit Häzz, rote Ramme!“

Jupp Touet gratuliert!

Gestern Morgen in der Redaktion bei den Online-Kollegen von az-web die Mail aus Amerika, Ausschnitt aus dem Original, das mit der Gratulation zum Preis beginnt und dann so weitergeht:

„Hi Bernd,
ich bin ein alter Oecher jong und bin seit 1958 hier in den Staaten. Mein Oecher Platt lebt auch hier in Amerika, weil ich es selbst zu mir spreche, denn Oecher Platt is meine heimatsprache und das soll ich niemals verlieren.
Groees me the hotmannspief and it roskappelche!
Tschuss, adida, Jupp.“

Sensationell. Der Jupp aus Stoneham/MA-USA, das ist an der Ostküste. Und nicht irgendein Jupp, sondern Josef Touet, Jahrgang 1924!

Ich maile also zurück:

„Hi Jupp,
das ist ja eine großartige Reaktion auf den Thouet-Mundartpreis. Wie haben Sie davon erfahren? Verfolgen Sie das Geschehen in der Heimat täglich über az-web.de?
Ich meine, Ihr Name ist ja in diesem Zusammenhang eine Sensation! Ist Ihnen das H hinter dem ersten T im Laufe der Jahre in den Staaten abhanden gekommen?
Wieviel Öcher Platt haben Sie denn noch parat? Ich lese von the Hotmannspief and it Roskappelche!
Yours, Bernd“

Es dauert keine 20 Minuten, än dr Jupp schriivt:

Thouet-Preis (4) – Hörproben

Der modernen Technik sei Dank: Ich habe im Folgenden drei Passagen aus der Dankesrede zum Thouet-Mundartpreis als Hörproben, als Podcasts, im Angebot. Da der Öcher sich mit dem Begriff Pottkas schwer tut: es ist quasi Radio.

Wohlgemerkt: Es handelt sich hierbei nicht um Liveaufnahmen aus dem Krönungssaal, es sind vielmehr drei nachträglich im Studio produzierte Stücke.

Viel Spaß dabei!

:DD Teil 1: Minge Opa än Maria Vollderjnaden (als mp3-Version/Länge: 5:45 Min.)

:DD Teil 2: Identität, Sprachtests und eine Liebeserklärung (als mp3-Version/Länge: 2:41 Min)

:DD Teil 3: Dr Hoddel und ein kleines Streitgespräch (als mp3-Version/Länge: 3:07 Min)

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***Mehr lesen in der Aachener Zeitung (az-web): Öcher Platt es jet för et Hazz! Sarah Siemons und Robert Esser berichten.

Und in den Aachener Nachrichten (an-online): Brillante Beiträge bei der Thouet-Preisverleihung. Georg Dünnwald berichtet.

Thouet-Preis (3) – die Bilder

Mit einem ganz dicken Dankeschön an meinen Fotokollegen Andreas Herrmann können wir jetzt auf eine kleine Fotoreise durch die Preisverleihung gehen. Eine noch ausführlichere Fotogalerie zum Thouet-Preis gibt es bei AZ-web und AN-online.

büs
Ein Fest für die ganze Familie. Weil das Programm ein Feuerwerk des Öcher Humors und feinen Geistes war.

 capella
Öcher Tüen va Capella a Capella.

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Sprachforscher Dr. Karl Allgaier (links) und der fabelhafte Laudator: merssi, Manni Birmanns (rechts).

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Die Jungs von der Domsingschule.

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Zwei Herren, mit denen ich nochmal sprechen muss – und das nicht, weil sie den Saal gerockt haben: mein Cousin Olaf Lindenau (links) und mein Bruder Kalle meinten, längst verjährte Geschichten erzählen zu müssen.

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Freundliche Worte von Helmi Thouet im Kreise der Thouet-Familie.

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OB Marcel Philipp gibt ein charmantes Platt-Debüt (links). Nie klang er besser: the one and only René Brandt (rechts).

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Ein gewandter Gastgeber Hans-Josef Thouet.

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Der Conférencier und die Chansonette: Uwe Brandt und Laura Lennartz. Und im Hintergrund strahlt Papa Ägid.

***Mehr lesen in der Aachener Zeitung (az-web): Öcher Platt es jot för et Hazz! Sarah Siemons und Robert Esser berichten.

Und in den Aachener Nachrichten (an-online): Brillante Beiträge bei der Thouet-Preisverleihung. Georg Dünnwald berichtet.

Thouet-Preis (2) – die Dankesrede

Wer meine Rede zur Verleihung des Thouet-Mundartpreises der Stadt Aachen (6. Januar 2010) gerne nachlesen möchte – und ein bisschen Zeit hat, es baschtisch lang! – hat jetzt hier dazu die Gelegenheit. (Drei Hörproben gibt es hier!)

Die Rede:

rede

Liebe Familie Thouet, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Frau Philipp, sehr geehrter Herr Alt-Oberbürgermeister, liebe Frau Linden,
verehrte Preisträgerinnen und Preisträger vergangener Jahre,
leijv Öcher Mäddchere än Jonge, leijv Kamerade, leijv Kolleje, leijv Kenger, meine Damen und Herren!

Ja, wie fängt man’s an? Ich well sage, wie stoelz ich ben, hü Ovvend heij en os Stadthues vör üch ze stoeh, met deä herrlische Priis dekeriert – änd ene Kopp voll Jedanke.

Danke, heäscht dat op Jotdütsch. Merssi völmoels op Platt. Ich föihl mich jeiehrt, wie ene Öcher sich net deäiper jeiehrt föihle kann.

(Weiter geht es auf Seite 2)

Thouet-Preis (1) – ein feiner Abend in Aachen

Das ist dann schon eine feine Sache, wenn man im Rathaus der Heimatstadt über Herzensangelegenheiten sprechen darf. Ich habe das gestern Abend bei der Thouetpreis-Verleihung, dem Mundartpreis der Stadt Aachen, in vollen Zügen genossen.

Dat hat Spaß än Freud jemaht – und mein Dank geht an alle, die mir mit lieben, herzlichen Worten gratuliert haben.

mikethouet1

Vorab nur soviel – weil das jetzt im Moment auch noch nicht die Zeit ist für ein paar ausführlichere Worte: Das Foto von meinem AZ-Kollegen Michael Jaspers diene als Dokument, Christophe und Hans-Josef Thouet (rechts) haben mir den Preis überreicht. Das Fest war bunt, herzlich, ein Heimatabend im besten Sinne mit einem perfekt ausgewählten feinen Bühnenprogramm.

Aber dazu dann später noch mehr.

***Die Rede im Wortlaut: Die Frage, wo gibt es die Rede, kann ich beantworten: Einfach hier klicken! Oder einen Beitrag nach oben scrollen…

***Ein paar Hörproben: Drei Passagen aus der Rede als Podcast

***Mehr lesen in der Aachener Zeitung (az-web): Öcher Platt es jot för et Hazz! Sarah Siemons und Robert Esser berichten.

Und in den Aachener Nachrichten (an-online): Brillante Beiträge bei der Thouet-Preisverleihung. Georg Dünnwald berichtet.

Öcher Advent – heute: Fornöis

Immer wenn mein Opa mit dem frisch gehackten Holz – alles möngchensmoeß – de Trapp eropjeschravelt koem, dann wussten wir Kinder, dass es gleich gemütlich wird.

Oes, wat e schönn Füür“, zollte meine Oma ihrem Mann, den sie kurz Vadder nannte, wenig später ein Kompliment für das prasselnde Feuer. Ja, mein Opa beherrschte viele Disziplinen, de Fornöis ze stouche war eine seiner vornehmsten.

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12. Fornöis
Heute wird’s also warm, vor allem warm ums Herz, heute reden wir über diesen stattlichen Herd, der sicherlich seinen Anteil daran hatte, dass die Küche meiner Großeltern die zentrale Versammlungs- und Kundgebungsstätte unserer Familie war.

Ein stolzes, gußeisernes Teil, gefühlte hundert Jahre alt, mit einem doppelgeringten Feuerloch, mit einem eisernen, stets fein gewienerten Handlauf, einem Backofen und einem Kohlekasten auf Rädern, den wir Kinder stets elegant in die dafür vorgesehene „Ofen-Garage“ einparkten.

De Fornöis. Wenn unser Opa et jot drophau, dann befeuerte er das Teil, dass die Herdplatte rotglühend schien und das „leckere Temperatürschen“ aus der Küche das ganze Haus heizte. Eine Attacke gegen den Frost, der die großen Eisblumen ans Fenster gemalt hatte, ein feiner Konter gegen den Schnee, der den großen – heute würde man sagen: naturbelassenen – Garten weiß zuckerte.

Oma än Opa aan de Fornöis, en Keäz op dr Dösch, dr Ruesekranz ejjen Häng.

Meine Großeltern beteten jeden Tag im späten Nachmittag – vor dem Abendbrot, vor einer Runde Sechsundsechzig und vor den Fernsehnachrichten – den Rosenkranz.

Oma thronte dabei in ihrem gewaltigen Ohrensessel direkt neben dem Herd, Opa saß auf dem Holzstuhl rechts neben dem Fenster. Und so ging das Gebet, gemeinsam, im Wechselgesang, hin und her, unaufgeregt die ganze Litanei rauf und runter, das dauerte lange, sehr lange. Wunderbar lange.

Wir Kinder liebten es, saßen versunken auf dem dickgepolsterten Sofa, beteten mit oder hörten einfach nur zu.

Hätte ich einen Wunsch frei, dann würde ich einen solchen Nachmittag im Advent in der Küche von Oma und Opa, einen solchen Nachmittag aan de Fornöis, gerne noch einmal erleben.

Öcher Advent – heute: Merssi

Der Advent schreitet voran, unaufhaltsam, und die Zeit ist reif, mal merssi zu sagen. Wem? Das sei einem jeden selbst überlassen, Gründe gibt es bei genauer Betrachtung ja zuhauf.

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10. Merssi
Ja, man kann das gar nicht laut genug sagen: Merssi oder noch prononcierter völmoels merssi, wie der Öcher sätt.

Weil’s ja sonst zu kurz kommt und weil es ja auch – außer ein bisschen Überwindung – nicht viel kostet.

Der Vorteil am Öcher Danke ist zudem sein deftiger, von Herzen kommender Klang: Nicht merci, wie de Freunde von Ostbeljien mit e chpitz Müllchen sagen, sondern eher kernig, merssi: mehr ä als e, mehr Betonung auf der ersten als der zweiten Silbe, auch gerne jovial eingeleitet mit „hür,…“ und einem kleinen Päuschen: „…merssi, Aue!“

***Der ultimative Video-Tipp: Unschlagbar ist in diesem Zusammenhang – auch wenn es leider nicht in Aachen spielt – das honigsüße Dankeschön, das FC Bayern-Vorstandschef Rummenigge in Reimform dem kaiserlichsten aller Kicker, dem Franz, auf der Jahreshauptversammlung des Multikonzerns auftischte.

Das ist allerfeinste Lyrik. Da ist einer mit einem Sack Wörter in den Hobbykeller gegangen und hat sich so lange eingeschlossen, bis et sich reimte. Ich schüttel dir die Kralle: Merssi, Kalle!

Öcher Advent – heute: hajelevoll

Ohwei, hoppela, wie – hupps – fang‘ ich jetz‘ et beiste – hoppela – aan? Minge Leijve, dat sönd ävver völ Knöpp heij op deä Kommputer. Oes!

Oiqwerz bpqer7tgzhq3tf zq – pardong, dat wor minge Kopp. Hihi, ich jlöiv, dat ich hajelevoll ben.

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9. Hajelevoll
Der Weihnachtsmarkt hat seine, hupps, eijenen Jesetze! Krepierde Jlühwein! Steäreprittejranatehajelevoll.

Eijeijei, die Welt is‘ sich am Drehen! Saukäs, ich jlöiv, ich moss mich jet doleäje…

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