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Category: Ameröllchen (page 1 of 5)

„Komm hier, Dicker!“

An diesem frühen Morgen, an dem der Raureif die Wiesen bedeckte, die aufgehende Sonne einen schönen Öcher Wintertag ankündigte, raschelte ich durchs Laub des Stadtgartens in Richtung Innenstadt. Von zu viel Sauerstoff zu höheren Leistungen angetrieben, verloren sich die Gedanken im Themen-Wirrwarr dieser vorweihnachtlichen Arbeitstage.

Ich war rein örtlich kurz vor dem Eurogress und rein gedanklich bei einer schönen Marketingaktion für unsere Wissenschaftsstadt angelangt, da flog mit einem Mal ein Hund aus dem Gebüsch. Ein von Frequenz und Intensität eindringliches Bellen unterstrich die zielgerichtete Aktion: „Der Typ ist fällig!“ Adrenalinschub, mit geweiteten Pupillen suchte ich nach Fluchtmöglichkeiten.

Gut, ich muss einräumen, der Aggressor war so hoch wie meine halbhohen Schuhe, ein weißes Knäuel auf vier Pfoten. Aber immerhin. Der Möpp bellte, blaffte, okay, er quietschte eher, jaulte, er schlug auf alle Fälle Krach und fegte mir durch die Beine.

Und da ertönte ein Pfiff, danach der markerschütternde Schrei, den ich in meinem Leben nicht vergessen werde: „Komm hier, Dicker!“

Komm hier, Dicker? Was wollte die Frau mit der  Hundeleine von mir?

Kurz überlegte ich, ob ich dem Ruf folgen sollte. Da machte das Hündchen kehrt, rannte los und folgte der nächsten dezidierten  Anweisung: „Komm, Du kleine Kampfratte.“ Ach so! Diese Präzisierung schaffte Klarheit. Und sorgte für ein Lächeln, das einen ganzen Arbeitstag vorhielt.

Ein Handy für Karl!

In diesen Tagen fiel es mir auf, jetzt eben schon wieder: Der einzige, der auf dem Aachener Markt ohne Handy unterwegs ist, ist der Mann im Eäzekomp, unser alter Karl. Gut, er hat ja auch seit Jahrhunderten die Hände voll, könnte man sagen, aber so ein schickes Smartphone wäre für ihn am Ende doch eine Alternative?

Die Beobachtung lässt mich nicht los. Erst dachte ich an eine Handy-Wette – wie viele junge Menschen können schweigend nebeneinander sitzen und auf ein Display stieren? Inzwischen ist klar, dass es kein Zufall, keine Wette, sondern eher ein Trend ist, weil sich die Beobachtung problemlos und inmer aufs Neue machen lässt.

Der Mensch von heute trägt sein Handy auf Händen (am Ende heißt es deswegen so!), immer, überall. Im Café  saß eben ein junges Paar, beide mit Smartphone, still starrend. Man hört, sie würden zurzeit Pokemons jagen, okay.

Was haben wir früher miteinander gequatscht! Gut, da war auch viel Blödsinn bei. Aber immerhin.

Wer sein Büro über dem Markt hat, stellt allerdings auch fest, dass es durch diese Form des wortlosen Nebeneinanders insgesamt leiser wird. Manchmal gehe ich ans Fenster und schaue raus: Sind sie noch da? Ja, da sitzen sie doch alle, jede(r) mit dem Handy, still, tippend, starrend.

Einsam und verlassen indessen – der Kaiser! An Karls Stelle würde ich manchmal ganz laut schreien. „Tut die Dinger weg, oes noch!“

„Nicht möglich…“

Okay, probieren kann man es ja mal. Aufgabe 6, jüngste Ausgabe einer Mathearbeit. Der junge Mann, der bei uns zuhause als Sohn angestellt ist, hat länger gegrübelt und ist dann auf die naheliegende Lösung gekommen, die er auch prompt zu Papier brachte:

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„Nicht möglich!“  Schließlich hat er so viel in der Schule des Lebens gelernt:  Möglich ist heutzutage alles! Auch dass Lehrer unmögliche Aufgaben stellen.

Im vorliegenden Fall war das leider nicht möglich. Es wäre eher möglich gewesen, die Aufgabe zu lösen. Wobei mir diese schnöde Variante die Möglichkeit geraubt hätte, diese Zeilen zu schreiben…

Anmerkung zur Wahrung des Familienfriedens: Die Mathearbeit war dennoch top.

Was heute nicht alles möglich ist!

„Der Jürjen jrillt!“

(Erstmalig erschienen im Mai 2012 – aber Jürjen ist nach wie vor aktiv…)

Es war Mitte April, ein kühler und doch windstiller Tag, die Sonnenscheindauer hatte die 14-Minuten-Marke durchbrochen, da stand mit einem Mal am frühen Abend eine Rauchsäule über unserem Viertel. „Der Jürjen jrillt“, sagte die Nachbarin, „wir haben den Winter so jut wie überstanden.“ Die Ältesten im Ort fragten, was schlimmer wäre: der harte Winter – oder Jürgen am Grill? Sie fragen das jedes Jahr um diese Zeit.

grillmeister

Ab dann grillt Jürgen durchgängig. Wenn er nicht gerade neues Grillgut, Kohle und ein Kistchen „Jrillbier“ einkaufen fährt.

Ich kann das alles aufschreiben, weil Jürgen es eh nicht liest. Über Pfingsten ist er mit der Familie in Holland am Meer, Camping. Gestern Morgen standen ein paar von uns Männern um sein Auto und fachsimpelten, wie der Grill am besten zu verstauen wäre. Gesetzt war das: der rostfreie „Multipower-Garomator“ mit extra Brennkammer und mobilem Kamin kommt als erstes in den Kofferraum. Es war noch Platz für den Grillkoffer, Grillbier, eine Tasche – und Schluss.

Pickepackevoll die Kiste. Als Jürgens Kleiner nach seinem Fußball rief, erhielt er zur Antwort, man könnte auch alles übertreiben und für die drei Tage einen Ball mitnehmen . . .

Jürgen macht am Grill alles. Auseinanderhalten kann man das Ergebnis später auf dem Teller nicht. Glauben wir ihm, dann sind Wurst, Huhn, Pute, Lamm, Schwein, Rind, Lachs, ja, auch Scampis im Angebot. Zuletzt hat Jürgen nach anfänglichem Protest einen vegetarischen Bratling gegrillt und kurz mit einem Schuss Grillbier abgelöscht.

Standard ist hingegen das geröstete Brot mit Kräuterbutter, die Evi, seine Frau und Assistentin an der Grillstation, so köstlich zubereitet. „Vorbereitet“, seziert Jürgen die Worte fein – weil die finale Form findet alles Grillgut auf der Holzkohle, die aufzulegen nur der Meister versteht.

Franz-Josef, der Nachbar zu Jürgens linker Hand, hat sich in dieser Saison bereiterklärt, die Telefonkette zu starten, wenn Jürgen an den Rost tritt. Dann werden schnell die Fenster geschlossen. Die Kinder wissen auch, was zu tun ist, sie kommen rein – schon alleine wegen der Stichflamme, wenn das Streichholz in die spiritussatte Kohle fliegt. Auch wenn es eigentlich sehenswert ist.

Einmal im Jahr müssen wir mitessen. Davor haben wir alle Angst. Aber jetzt ist erstmal Pfingsten, die Sonne scheint. Und Jürgen ist am Meer.

(Diese Glose hat Didier Marlier für sein Online-Magazin Mediapart ins Französische übersetzt)

 

Von Reitern, die Pilger treffen. Oder: „Jejrüßetseistemariavondrjnaden…“

Man ist erstaunt, wie viele Freunde das Glück der Welt doch auf den Rücken der Pferde suchen.

Wobei: Im Schiowunderland Aachen ist das ja eigentlich naheliegend. Und – das nur am Rande – Reiter werden immer gebraucht, wie der selige Loriot uns schon lehrte.

Auf alle Fälle durchmaß jüngst einer dieser Öcher Freunde auf einem morgendlichen Ausritt den hiesigen Forst und traf dabei auf eine Gruppe pilgernder Ureinwohner – auf der alten Schmugglertrasse Adamshäuschen – Moresnet.

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Man darf sich das so vorstellen, dass der eine, als die Sonne gerade durchs Gebüsch strahlte, hoch zu Ross in Richtung Aachen traversierte und dabei die eine oder andere Piaffe ins Unterholz schnitzte, während die anderen dem Herrn am Kreuz folgend Richtung Reisfladen und Kaffee schravelten. Die fromme Frauengruppe hinter dem Heiland betete aus tiefem Herzen das Öcher „Jejrüßetseistemaria- vondrjnaden“, die dazugehörigen Herren folgten in einigem Abstand und beteten, dass die Alemannia nicht absteigt.

Nun kamen Ross, Reiter und Pilger auf die gleiche Höhe, es nahte also die Begegnung, und die Männerpilgergruppe nahm sofort – weil sie sich wohl von oben beobachtet fühlte – die Litanei der voranschreitenden jebenedeiten Weiber auf – „…isdiefruchtdeinesleibesjesus…“

Das ging gut, bis ein Pilger aufblickte, prompt den Reiter erkannte und den anderen Männern zurief: „Oes, doe könt dr Päul!“ Um dann die einzigartige Frage zu stellen: „Wat mach’s Du denn hier in der Wald?“ Worauf Päul, der in Wirklichkeit natürlich nicht Päul heißt, sagte: „Ich reite dadurch.“

Erste Unmutsbekundungen nebst bösen Blicken der betenden Schwestern vorne – „Ehreseidemvaterundemsohneundemheilijenjeist“ – waren Warnung genug und riefen die Männer zur Andacht.

Aus der Reihe „Jroße Öcher Dialoge“:
„Wat mach’s Du denn hier in der Wald?“ – „Ich reite dadurch.“

Der Reitersmann wiederum hatte aber auch noch eine Frage an die Landsmänner und rief aus der Höhe: „Und wofür seid ihr euch am Beten?“ „Pst!“, kam von gleich mehreren Frauen aus der langsam sich entfernenden Gruppe, da drehte sich ein Mann noch mal um und sagte: „Domet du net van dat Peäd fälls'“ und setzte wieder inbrünstig und ansatzlos ein: „Wieamanfangsoauchjetzunallezeituninewischkeitamen.“

 

„Wir sind am Absteijen, und du bis‘ in eine Tour Würs’jen am Fressen!“

(Diese Tivoli-Geschichte, die vom Leid der Alemannia-Fans in den zurückliegenden Jahren erzählt, gehört zu den am besten geklickten 7uhr15-Storys. Ich habe sie schon oft verschickt und vorgetragen. Deshalb steht sie hier vorne, auch wenn sie aus dem Oktober 2011 ist.)

Es ist wahrlich nicht zum Lachen mit dem örtlichen Fußballverein, aber so ist das Leben. Du gewinnst mit dem Club, du verlierst mit ihm. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und an Abstieg wollen wir aus unterschiedlichen Gründen gar nicht denken!

Nun wollen wir an dieser Stelle nicht in die Analyse des Grottenkicks gegen den FSV Frankfurt einsteigen, das sollen Leute tun, die mehr davon zu verstehen glauben.

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Nein, es gilt eine kleine Episode am Rande zu erzählen, eigentlich eine Art Fortsetzungsroman, weil ja schon in der Vorsaison das eine oder andere Schlaglicht auf den Opa und seinen Enkel, die eine Reihe vor uns auf dem Tivoli sitzen, gefallen ist.

Also von dem Opa, der mit seinen beiden gleichaltrigen Kumpels und seinem Marvin da hockt und philosophiert und schimpft und bökt und dem es anfangs noch egal war, dass sein kleiner Enkelknubbel auch während des Spiels ständig unterwegs war, um sich in einer bewundernswerten Ausdauer Lebensmittel in flüssiger, fester, frittierter und bepuderzuckerter Form zu besorgen. Und wenn Opas Kumpel fragte, wo denn der Marvin wäre, kam die großartige Antwort: „Deäissichenewursamholen!“ Wir erinnern uns.

Die Stimmung begann zu kippen – auch das wurde an dieser Stelle dokumentiert -, als nach ein paar erfolglosen Partien in der letzten Saison ausgerechnet nach dem Siegtor von Erzgebirge Aue auf dem Tivoli Marvin um die Karte bat, um sich die zweite Wurst zu organisieren. Da schnauzte ihn der Alte barsch an: „Wat? Schonwidderenewurs‘! Ichjlaubdatsdunurhierkommsfürzefressen!“

Am Freitag dann die Fortsetzung. Marvin war wie immer gut in Form, stapfte mehrfach die Stufen von und zu Reihe 20 rauf und runter, immer neu bepackt und mit dicken Backen, als sein Opa – völlig fertig nach dem gerade gefallenen 1:3 – dem quasi zeitgleich vom Versorgungsposten Heimkehrenden entgegen brüllte: „Wir sind hier am Absteijen – und du bis in eine Tour Würs’jen am Fressen!“

Auch für Marvin hoffen wir an dieser Stelle, dass unsere Alemannia nicht absteigt!

Die (sicherlich wahre) Geschichte vom kleinen Antonius von Rothe Erde

Dieses Bild fiel mir dieser Tage noch mal auf dem Handy in die Hände. Das kleine Rathaus und das große Rathaus. Groß und klein, „dr Vadder än singe Klenge“, schoss es mir durch den Sinn, und sofort erinnerte ich mich an eine Geschichte, die mein Opa immer erzählte und von der ich immer noch glauben möchte, dass sie sich so zugetragen hat.

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Sie spielt in Rothe Erde in lange zurückliegenden Tagen, und zwar in der dortigen Pfarrkirche St. Barbara. Und sie berichtet von einem Mann, einem Original, den mein Opa immer Klöss nannte, und der wohl seinen Job im Hüttenwerk verloren hatte. Als Klöss den Pastor beim Bierchen traf und dem frommen Mann von seinem Schicksal erzählte, gab der ihm den Rat, in der Kirche den Heiligen Antonius anzubeten. Christjläubije Leser wissen: Antonius hilft, Verlorenes wiederzufinden.

Klöss hielt nicht viel von derlei Ratschlägen, hatte aber Zeit, ging also in die Kirche, stellte sich vor die Antoniusfigur unter der Orgel, richtete sich auf, holte sein Sonntagsdeutsch heraus und sagte: „Juten Morjen, hellije Antonius, kannste mich neu Werk besorjen?!“ Er tat das ein wenig schroff, überlegte kurz und schob ein höfliches „Jefälligs“ hinterher, was dem hochdeutschen „Bitte“ je nach Betonung nahe kommt.

Der Küster, der diesen Auftritt unbemerkt mitbekommen hatte, war auch eine Woche später wieder da, als Klöss – etwas energischer – zurückkehrte. „Hür, Antonius! Wie is dat mit meine neue Stelle?“ Es sprach eine gewisse Ungeduld aus seinen Worten.

Mein Opa ließ dann den Küster einen dritten Besuch von Klöss belauschen, und diesmal soll es dann rustikal zur Sache gegangen sein, diesmal auch eher noch hochdeutscher: „Pass op, Tüen, wenn Du mich bis nächste Woche Mi’woch kein Werk jesucht has‘, hau‘ ich Dich von deä Sockel!“

Als der Küster dem Pastor die Geschichte erzählt hatte, kam der auf eine glorreiche Idee. In Sorge um die große und wertvolle Statue fiel ihm ein, dass in der Sakristei noch eine kleine Antonius-Figur stand. Die stellte der Küster nun an besagtem Mittwochmorgen auf, versteckte sich und wartete auf Klöss.

Der tatsächlich wutschnaubend anrollte, sich vor dem kleinen Antonius aufbaute und sagte: „Wo is‘ deine Vater?“ Worauf der Küster aus dem Versteck rief: „Dich Arbeit suchen!“ Klöss soll das beruhigt haben. Zumindest für eine Woche…

Papa, ich will nicht Gladbach sein!

(Schöne Erinnerung an einen Frühlingstag im Jahre 2009. Die Kinder noch klein – und eine intakte Alemannia!)

Okay, den Aufstieg hat die Alemannia vertagt. Dann eben nächstes Jahr. Dann gibt es das neue Stadion, passen auch mehr Leute rein, und draußen auf dem Vorplatz (zweieinhalb mal so groß wie der Aachener Markt) lässt sich prächtig feiern (Autokorso Krefelder Straße rauf, Krefelder Straße runter).

Die betrübte Seele erfuhr dann am Wochenende doch noch Aufheiterung, als mein Sohn (5) mit einem Mal auf die Terrasse trat und herzerweichend weinte. Ich stand im Gebüsch und gärtnerte meditativ, was nun schlagartig vorbei war. Ich fragte ihn besorgt, warum die Tränen denn nun flössen! Er erklärte mir, dass er mit seiner Schwester (10) im Wohnzimmer Fußball spielen wollte, dem häuslichen Brauch folgend zuvor aber die Mannschaften ausgelost werden mussten. „Und ich“, schluchzte der kleine Brasilianer, „und Papa, ich“, prust, schnupf, heul, „und ich will nicht Gladbach sein!“

„Das brauchst Du auch nicht, mein Schatz!“

„Das brauchst Du auch nicht, mein Schatz!“ Klare Worte des Vaters regelten, dass künftig Borussia Mönchengladbach aus dem heimischen Lostopf fliegt. Keins meiner Kinder muss jemals Gladbach sein!

Eine wunderbare Reaktion, finde ich. Ein Zeichen dafür, dass die Erziehung Früchte trägt. Dass die Kinder erkennen, was für sie gut, und was für sie schädlich ist.

(Erstmalig erschienen am 11. Mai 2009)

Und mit einem Mal ist sie da: die Frau des Trainers

Nur kurz und am Rande: Fußballplatz, Samstagmorgen, Kinderfußball, in gewisser Weise wiederholen sich die Erlebnisse mit den Eltern und den Trainern, die sich so liebevoll um die F-Jugendkicker dieser Region kümmern, doch diese Geschichte muss erzählt werden.

Lassen wir den Namen des gastgebenden Vereins mal außen vor, sagen wir im weitesten Sinne FC Städteregion: Wir fokussieren uns heute mal voll und ganz auf den Trainer, der eine mächtige Erscheinung mittleren Alters ist, ein Fünftagebartgesicht, ein Stuppikastenalleinetrinkerbauch, darüber spannt ein ärmelloses Shirt, doch dafür ist er vom Fach. Vom Rand feuert er die Acht- und Neunjährigen an, fordert sie auf, „gegen den Ball zu arbeiten“, „die Scheiß-8 zu doppeln“ oder aber „schneller zu verschieben“… Seinen Jungs ist das egal.

kicker

Und so stehen sie dann auch in der Pause um den Vulkan von Trainer herum, schauen ihm dabei zu, wie er wild gestikulierend die Innenverteidigung umbaut und dem Torwart erklärt, dass er endlich mal wachwerden soll!

Womit keiner rechnen konnte – auch der Trainer nicht – ist der Auftritt seiner Frau, die so aussieht, wie man sie sich vorgestellt hat, so auftritt, wie man es vermutet hätte: laut, präzise, klar. Ratzfatz bahnt sie sich einen Weg durch die Spielerchentraube, baut sich vor dem Koloss auf und faucht ihn an. Aber in Worten, die niederzuschreiben sich eher keiner traut. Leider ist nicht alles zu verstehen, es geht auf alle Fälle nicht um die Jungs, nicht um den Fußball, es ist sehr privat.

Er schiebt sie beiseite, sie baut sich wieder vor ihm auf und was sie dann sagt, können alle auf dem Platz verstehen, weil es so scharf geschossen ist, wie er sich den nächsten Elfer seiner F-Jugend wünscht: „Und dat eine sag‘ ich Dich“, hebt sie an, und mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand deutet sie zunächst auf die eigenen, dann auf seine Auge, „dat sag ich Dich: Kuck mich an, wenn ich mit Dich sprech!“

Sie entschwindet, die Jungs sind schockgefroren, der Trainer entthront, entmachtet, ermattet, erschlagen.

Ratet mal, wer dieses Spiel haushoch gewonnen hat?!

Tod eines Tanzmajors – ein großartiger Aachen-Krimi. Zum Nachhören und Nachlesen

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