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Die späte Genugtuung: Ein Bagger dort, wo einst das Finanzamt stand

Als ich gestern durch die Beverstraße (hintenrum am Bahnhof Rothe Erde) fuhr, fiel mir der alte Spruch meines Vaters ein. „Achtung, jefährliche Ecke, da isset Finanzamt!“

Mein Vater war immer ein selbstständiger Mann, hatte de Hände raus, wie man in Aachen sagt, verdiente sein Geld, war bei allem stets großzügig, konnte nur eins nicht leiden: et Finanzamt. Jeder Pfennig tat ihm weh, wenn er in Richtung Beverstraße floss. Und ich werde es nie vergessen, da mussten wir mal wieder den Umschlag mit der Gott-weiß-was-Steuererklärung abgeben, dass mein Vater den großen Satz sprach: „In deä Putick müsste man mit ene Bagger fahren!“ Was so viel hieß wie: abreißen, die Hütte!

Nun ist es interessant, wie das Verhalten der Eltern sich auf ihre Kinder auswirkt. Die Beverstraße habe ich nur selten in den zurückliegenden Jahrzehnten befahren. Es lag ja immer noch quasi der Warnhinweis auf dem Pflaster.

Gestern nun, so viele Lenze später, biege ich rechts von der Bismarckstraße ab und finde mich in der Beverstraße wieder, fahre sie ein Stückchen weiter durch – und entdecke das:

bagger

Ein Bagger und weitere Baumaschinen wüten dort, wo einst das Finanzamt stand. Es entsteht dort das Kronprinzen-Quartier, wovon ein freundliches Bild auf einem Plakat erzählt.

In kleinste Teile wird der wehrhafte Finanzamtsbeton von einst zermahlen, der Bagger räumt auf, Lkw um Lkw, schwer mit Schutt beladen, rollt in Richtung Trierer Straße.

Nun hat mein Vater das leider um eine ganze Reihe von Jahren verpasst. Das Bild hätte ihm aber sehr gefallen, ganz bestimmt. Er hätte sicher was von „später Jerechtigkeit“ oder so gesagt.

Und weil das so ist, steht das jetzt hier.